Den richtigen Rhythmus gefunden

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Der 14-jährige Laurenz Heugel aus Landsberg hat die Jury mit seinem Percussiontalent überzeugt: In der Altersklasse IV wurde er beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ in Kassel mit einem ersten Preis ausgezeichnet.

Landsberg – Schon zwei Mal hat Laurenz Heugel beim Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ den ersten Preis in der Kategorie Percussion gewonnen. Aber bisher war er immer zu jung, um auch auf Bundesebene sein Können zu beweisen. Jetzt ist er 14 und hat seine Chance genutzt: Vergangene Woche überzeugte er beim Bundeswettbewerb in Kassel mit seinen Percussionskünsten und erhielt einen ersten Preis in seiner Altersklasse.

Das Drumset ist ausnahmsweise im Wohnzimmer der Heugels aufgebaut: Drei Toms, sieben Becken, eine Snare- und eine Bass Drum umringen den jungen Musiker: „Es ist am Anfang schon kompliziert, wenn jeder Arm und jedes Bein einen anderen Rhythmus spielen muss, zum Beispiel bei einem Bossa Nova“, sagt Laurenz, greift zu den Sticks und spielt den brasilianischen Rhythmus auf der Snaredrum. Schon allein das wirkt lässig und professionell, erfordert aber natürlich einiges an Übung. Seit Dezember letzten Jahres ist er mit zwei älteren Jungs aus der Schule in einer Band, in der er auch ab und zu Cajón spielt.

Was Laurenz beim Wettbewerb in Kassel geboten hat, erfordert aber weitaus mehr: Das Stück „Asventuras“ für Solo-Snaredrum, komponiert von dem knapp 30-jährigen Schlagzeuger Alexej Gerassimez, beinhaltet neben kompliziertesten Rhythmen auch den Einsatz von Handflächen, Fäusten, Knöcheln und Fingernägeln. Wann welcher Körperteil dran ist, steht in den Noten, die auch ohne das für einen Laien schon verwirrend genug sind: Der Musiker muss ja auch noch wissen, auf welchem seiner vielen Schlaginstrumente er die jeweiligen „Töne“ spielen muss – in der Notierung ist das durch unterschiedliche Tonhöhen ausgewiesen. „Ein C heißt dann zum Beispiel, dass ich diesen Ton auf dem Tom hier rechts spiele“, verdeutlicht Laurenz. Mit einem Stück von Gordon Stout zeigte Laurenz in Kassel, dass er auch das Marimbaphon beherrscht, und „Kiep kuhl“, eine Komposition für Schlagzeug seines Lehrers Stefan Schmid an der Städtischen Sing- und Musikschule, forderte seinen Einsatz am ganzen Drumset.

Mit dem Schlagzeug angefangen hat Laurenz schon mit fünf, ein Jahr vor seiner Einschulung. „Aber ich wusste schon mit drei, dass ich Schlagzeug spielen will“, ist er überzeugt. Sein Vater hätte sehr oft die Musik einer finnischen Band gehört, die wahnsinnig schnelle, rockige Polkas spiele: „Das fand ich schon damals cool.“ Der 14-Jährige spielt auch noch in zwei Orchestern der Musikschule mit: Freitags fängt er mittags mit Musizieren an und spielt bis abends um acht sozusagen durch. Nebenher ist Laurenz auch noch im Schwimmverein, „aber jetzt nicht mehr so oft wie früher: Ich hab mich fürs Schlagzeug entschieden, jetzt reicht es zum Schwimmen nur noch zwei Mal pro Woche.“ Und auch Sprünge und andere Tricks mit dem Fahrrad hat Laurenz freiwillig vor dem Bundeswettbewerb aufgegeben: zu gefährlich für Hände und Füße. Aufgeregt sei er inzwischen fast nicht mehr, „in Kassel vielleicht ein bisschen“, gibt Laurenz zu.

Auch seine Mutter beschreibt ihn als „guten Performer: Bei dem Preisträgerkonzert auf dem Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ in Regensburg hat er sein Snaredrum-Solo vor 400 Zuhörern gespielt und alle in seinen Bann gezogen.“ Auch bei Auftritten von „Licca Percussiva“, dem Ensemble seines Lehrers, hat Laurenz Bühnenpräsenz geübt. Erst kürzlich haben sie damit in Marktoberdorf beim Kammermusikwettbewerb den ersten Platz ergattert. Somit steht Laurenz Zukunfts­traum nichts mehr im Weg: Am liebsten würde er Drummer in einer Band sein und auf Tour gehen. In einem Orchester zu spielen findet er nicht ganz so „cool“. Zwar sei das Tolle am Schlagzeug, dass man es immer raushöre, selbst die Triangel im Orchester. „Aber als Drummer in einer Band bist du eben dauernd dran.“ Vor allem natürlich bei den Soli, und die sind in der klassischen Orchestermusik doch eher selten.

Auf die Frage, ob er ein Vorbild habe, meint Laurenz, dass es viele coole Drummer gebe, „zum Beispiel Martin Grubinger oder Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers.“ Der eine ein Solo-Multi-Percussionist, der andere Drummer einer Crossover-Funk-Rockband. Welchen Weg er einschlagen wird, weiß Laurenz noch nicht, „aber es wird auf jeden Fall was mit Schlagzeug!“

Susanne Greiner

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