Wahlkampfgaben?

Beim Stern ist Schluss mit Bescherung

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Stein des Anstoßes: Wasserles Lebkuchensterne mit Visitenkarte in den Lebensmitteltüten der Tafel Dießen.

Landkreis – Wer auf breiter Basis Punkte, sprich Wählerstimmen einfahren möchte, der muss omnipräsent sein. Landratskandidat Markus Wasserle weiß das. Und er setzt es seit geraumer Zeit um – ganz im Gegensatz zu seinen drei Kontrahenten. Indes: Nicht alles, was der Kandidat von SPD, FW, ÖDP und Landsberg Mitte derzeit anpackt, kommt auch gut an.

So entrüstet sich Grünen-Kreisrätin Ute Lauterfeld in einem „offenen Brief“ darüber, dass Markus Wasserle mit „Wahlkampfgaben“ die Kunden und Helfer der Dießener Tafel „belästigt“.

Seit sieben Jahren schon ist Ute Lauterfeld als ehrenamtliche Helferin bei der Dießener Tafel tätig. Einen „kleinen Beitrag für die Ärmeren in unserer Gesellschaft“ möchte sie leisten und hat dabei in der Vergangenheit schon viel erlebt. Dass aber die Bedürftigen „ungefragt“ eine Wahlkampfgabe in ihren Lebensmitteltüten vorfinden, das ist ihr noch nie untergekommen – auch nicht vor der Kommunalwahl 2008. In den Augen Lauterfelds hat Wasserle „alle Grenzen des guten Geschmacks, des Stils und der Sensibilität im Umgang mit Menschen überschritten.“

Was aber veranlasst die Grüne Kommunalpolitikerin zu derlei Schimpftiraden? „Nach Rücksprache mit Tafel-Leiterin Ingrid Sämmer“ gab SPD-Ortsvorsitzende Hannelore Baur Lebkuchensterne bei der Tafel ab – nicht irgendwelche, sondern die von Markus Wasserle (siehe Fotos). Bestückt ist das nach Lauterfeld „steinharte und bröselnde“ Weihnachtsgebäck mit einem Weihnachtsgruß des Landratskandidaten und einer angehängten Visitenkarte mit der Aufschrift „Menschlichkeit und Miteinander“.

Die Kunden und die ehrenamtlichen Helfer der Dießener Tafel zu benutzen und „unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit“ Lebkuchensterne zu spen­den, das sei „nicht nur eine verkappte Wahlkampfaktion, sondern schlicht eine Unverschämtheit“, wettert Lau­- ter­feld. Sie habe sich beim Austeilen der Lebensmitteltüten so maßlos darüber geärgert, dass sie am liebsten ihr ehrenamtliches Engagement bei der Tafel eingestellt hätte. „Aber das wäre falsch“, sagt sie jetzt, „für mich stehen die sozial Schwachen im Vordergrund.“

Eben diesen hat in den vergangenen fünf Jahren stets die Dießener SPD selbstgebackene Plätzchen über die Tafel zukommen lassen, erinnert Hannelore Baur, nur heuer habe man das nicht geschafft. „Scheinbar“, so Baur, „ist dies Frau Lauterfeld bis­lang entgangen.“

Markus Wasserle versteht die Aufregung überhaupt nicht. „Ich will Menschen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden, und ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen.“ Er werde sich auch in Zukunft nicht von seinem Weg und solchen Aktionen abbringen lassen – trotz Wahlkampf. „Ich habe meinen Freun­den und Bekannten schon immer kleine Geschenke gemacht.“

Toni Schwaiger

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