Tanzender Stier trifft Lilie

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Bildhauer Matthias Rodach und Malerin Annunciata Foresti zeigen in der Ausstellung „Plastik und Blumen“ in der Säulenhalle farbintensive Gemälde und lebendige Skulpturen.

Landsberg – Ein Triptychongemälde mit pinkblauen Lilien und eine tanzende Minotaurusplastik aus Computerplatinen stechen auf der Stirnseite der Säulenhalle ins Auge: Annunciata Forestis Bilder und Matthias Rodachs Skulpturen formen gemeinsam die Ausstellung „Plastik und Blumen“, die noch bis zum 23. Oktober in der Säulenhalle zu sehen ist. Ein sehenswerter Kontrast.

„Freude und Neugier am künstlerischen Schaffen sind es, was beide Künstler verbindet“, stellte Museumsleiterin der Städtischen Museen Sonia Fischer in ihrer Laudatio zur Vernissage fest. Es sei das Suchen und Finden sowie gleichzeitig ein Selbstbefragen, das man in den Arbeiten beider Künstler entdecken könne. Foresti und Rodach kennen sich schon länger und sind fast Nachbarn: Die „Kulturmacherin“ Foresti arbeitet im Stellwerk in Dießen, wo sie neben dem Malen auch noch zahlreiche Kunstförderungsprojekte ausheckt. Die Werkstatt Rodachs liegt nur wenige Minuten davon entfernt – dort entstand vor Kurzem noch der „Mann mit Fisch“, der „Diez“.

Foresti malte fast alle Bilder der Ausstellung in diesem Sommer. „Jede Leere beinhaltet eine Fülle“ war dabei ihr Motto – und so hängte sie in ihrem Atelier zwölf leere Leinwände nebeneinander auf. Entstanden sind expressive, gegenständliche Gemälde wie das farbschillernde „Ein Duft der Lilien“ oder das an eine Makroaufnahme erinnernde Bild verblühter Löwenzahn-Pusteblumen. Aber auch abstrakte Strukturen und Flächen sind zu finden: Unterschiedliche, verlaufende Grüntöne dafür, dass „Ein Geruch von Grün“ olfaktorische Reize entsendet. Oder ein rotes Liniennetz, das sich als Struktur über einem angedeuteten Paar Augen spannt. Insgesamt bestechen Forestis Bilder durch ihre raumgreifende Dynamik: Eine Verbindung der Sinne macht das Abgebildete lebendig.

„Eine der Plastiken von Matthias Rodach wurde erst gestern fertig“, erzählte Fischer. Verständlich, denn für die Plastik mit dem deutungswürdigen Titel „One man’s feeling is the other one’s dancefloor“ zersägte Rodach Buchenparkettleisten zu zahllosen kleinen Würfeln, die der aus ihnen „gebauten“ Skulptur, einem feisten, nackten Mann, nahezu Hautstruktur verleihen. „Der Bildhauer verwendet unterschiedlichste Materialien, die wir aus der Umwelt und aktuellen Bezügen kennen“, erläuterte die Museumsleiterin. Komplett verfremdet finden sie sich in seinen Plastiken: 163 zerschnittene und dann zu Brei verkochte Tetrapacks formen „Boris“, das Pendant zum Buchenparkettmann. Zwei Köpfe scheinen verbrannt zu sein. Das Material: Polyester. Bei einem wirkt das verbrannte Plastik wie Haare. Oder die Computerplatinen, die Rodachs „tanzenden Minotaurus“ ausmachen. Von Weitem meint man, eine Bronzeskulptur mit grünlich schimmernder Patina zu sehen. Die Plastiken scheinen kurz vor ihrer nächsten Bewegung zu stehen, fast lebendig. Sie rücken Rodachs zentrales Thema, den Menschen, durch Material-Spiele in einen neuen Blickwinkel.

Der Ausstellungstitel „Plastik und Blumen“ verspricht einen spannenden Kontrast. Die Ausstellung wird diesem Versprechen vollkommen gerecht. Absolut sehenswert.

Susanne Greiner

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