Ab Samstag im Neuen Stadtmuseum

Hecht Herbert erzählt vom Lech

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Seit Dienstagvormittag wirbt Hecht Herbert – eine Leihgabe des Stadtmuseums Linz – am Flößerplatz für die Ausstellung „So ein Lech!“ im Neuen Stadtmuseum.

Landsberg – Der Lech mit seinem spektakulären Wasserfall am Landsberger Lechwehr ist zentral in der Stadt und im Bewusstsein der Landsberger präsent. Was wissen wir aber tatsächlich über diesen Fluss, der nicht nur für Bürger und Touristen das Stadtbild prägt, sondern ganz unterschiedliche Bedeutungen für seine Anwohner früher wie heute besitzt? Diesen Fragen geht nun die Ausstellung „So ein Lech! Episoden und Stationen eines bayerischen Flusslaufs“ nach, die am Samstag, 30. April, im Neuen Stadtmuseum eröffnet.

Herbert ist ein Hecht und stammt aus Linz. Woran man das sieht? Er hat einen langgestreckten Kopf mit einem entenschnabelähnlichem Maul. Herbert ist ein Raubfisch, er frisst Fische aller Art, auch Frösche, Vögel und kleine Säugetiere. Er hält sich gerne in Ufernähe von Fließgewässern und Seen auf. Die Durchschnittsgröße seiner Artgenossen beträgt 50 bis 100 Zentimeter. Im Lech gibt es Hechte in Längen von mehr als 130 Zentimetern.

Herberts Kopf ist indes drei Meter groß. Auch ist er nicht aus Fleisch und Blut wie seine Artgenossen, sondern aus Hartschaum. Während der Dauer der Sonderausstellung „So ein Lech! Episoden und Stationen eines bayerischen Flusslaufs“ ist Herbert informativer Botschafter für das Stadtmuseum. Nach seinem Urlaub am Lech wird Herbert zurück an die Donau schwimmen.

Es ist heute kaum noch vorstellbar, welchen Stellenwert der Lech früher für die Flößerei besaß: In der Blütezeit der Lechflößerei passierten über 4.000 Flöße den Fluss. Werkzeug, Votivtafeln und Warenbestellungen zeugen von einem Gewerbe, das für Dörfer wie Lechbruck die Haupteinnahmequelle war. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es bayernweit etwa 6.400 kleinere und mittlere Wassertriebwerke zum Mahlen von Getreide, Sägen von Holz, Walken von Stoffen und zum Betreiben von Hämmern in Schmieden.

Über diese Veränderungen und verschiedenen Bedeutungen des Flusses für die Menschen, die an ihm leben, berichten Landschaftszeugen. Klement Sesar, Altbürgermeister von Peiting und ehemaliger Vorsitzender des Kreisfischereivereins Schongau, ist einer von ihnen. Ideengeber für das Interview-Projekt war der Verein Lebensraum Lechtal. Gemeinsam mit dem Museum haben Schüler der Montessori-Schule Inning das Projekt umgesetzt: Interviewtraining absolviert, Gespräche mit den Interviewpartnern geführt und sogar die Hörstücke selbst geschnitten.

Die Ausstellung „So ein Lech!“ zeigt historische Karten, Gemälde und Objekte, die aus den verschiedenen Museen entlang des Lechs stammen, so aus den Stadtmuseen Füssen, Schongau und Friedberg, dem Flößereimuseum Lechbruck oder dem Heimatverein Pfronten. Von der Quelle bis zur Mündung folgt der Besucher über Luftbildaufnahmen dem Lech und seinen Geschichten. Seine Schönheit lässt sich an ausgewählten Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts nachvollziehen.

Ob als Transportweg für die Flößerei in historischer Zeit, als Energielieferant in unserer eigenen oder als identitätsstiftende Landes- und Sprachgrenze, der Lech bietet ein interessantes Spektrum an Themen für ein breites Publikum. Auch für Familien mit Kindern gibt es in der Ausstellung viel zu entdecken, „Herbert der Hecht“ hält kleine Arbeits- und Suchaufträge bereit. Neben den Führungen durch die Ausstellung sind Ausflüge an den Lech, z.B. auf dem Lecherlebnispfad, zur Erkundung seltener Tier- und Pflanzenarten im Angebot.

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