Ohne Kraftwerk, zum Verweilen

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Dem Sieger des Wettbewerbs aus dem Jahr 2011 soll nun ein neuer Ideenwettbewerb für den Lechsteg folgen.

Landsberg – Das Thema „Urbanes Wohnen am Papierbach“ wird den Stadtrat ab Ende Mai intensiv beschäftigen, denn dann geht es um den städtebaulichen Vertrag mit ehret + klein sowie den konkreten Bebauungsplan für das neue Wohngebiet in städtischer Bestlage. Ein Thema hat das Gremium schon vorab entschieden: Für den neuen Lechsteg, dessen Kosten von 2,5 Millionen Euro der Pflugfabrik-Investor tragen soll, wird es einen Realisierungswettbewerb geben. Ziel ist die Auftragsvergabe im Januar 2017.

Die neue Wegeverbindung über den Lech soll mehr sein als nur eine Verknüpfung der bis zu 800 neuen Wohnungen im Pflugfabrik-Quartier mit der Altstadt. Ziel ist vielmehr eine „Aufwertung und Stärkung des innerstädtischen Lebens“. Daher soll die Brücke eine komfortable Breite haben – der Stadtrat entschied sich für fünf Meter – und auch Verweilmöglichkeiten auf dem Steg bieten. Sie soll neben einem Fußweg einen „echten“ Fahrradweg enthalten, also nicht nur einen Fußweg, der für Radfahrer frei ist.

„Erwartet wird eine technisch hochwertige und wirtschaftliche Ingenieurleistung“, heißt es im beschlossenen Ausschreibungstext. „Es werden hohe gestalterische Anforderungen an das Bauwerk gestellt, die insbesondere dem historischen und naturnahen Umfeld entsprechen“. Die exponierte Lage erfordere eine Auseinandersetzung mit der Silhouette, bestehend aus Gebäuden, Bäumen und dem Lech. Für die Anordnung und Lage des Steges seien im Bereich der Ufer die vorhandenen Wegebeziehungen aufzugreifen; die Lenkungsgruppe hatte über die Anbindung bereits Beschlüsse gefasst (der KREISBOTE berichtete).

Der Verlauf des Steges sowie der konkrete Übergang in die Wegenetze seien Aufgabe des Wettbewerbs. Für den Bau des Steges sei zu beachten, dass aufgrund der Hochwassergefahr nur ein Pfeiler im Wasser positioniert werden darf, heißt es in der Ausschreibung. Er muss sich außerhalb des stärksten Wasserstroms im östlichen Drittel des Flusses befinden.

Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) scheiterte knapp mit dem Antrag, vor dem Wettbewerb noch eine Machbarkeitsstudie für ein Unterflurkraftwerk in Auftrag zu geben, das in diesen Pfeiler integriert werden könnte. Diese Idee hatte er freilich erstmals zwei Tage zuvor in die sogenannte Montagsrunde des Stadtrats eingebracht. Bis Mittwoch ließ sie sich nur dahingehend konkretisieren, dass EON das Wassernutzungsrecht hat und prinzipiell keine Einwände erheben würde.

Während dreizehn Stadträte der Idee nähertreten wollten, sahen 15 zu viele offene Fragen. „Wie machen wir das dann mit der Weiterberechnung der Kosten an den Pflugfabrik-Investor?“ fragte Dieter Völkel (SPD). Ein solches Kraftwerk sei möglicherweise nicht mit dem Kies im Lech vereinbar, meinte Reinhard Skobrinsky (BAL). Und Haushaltsreferent Christian Hettmer wies auf fehlende Kostenschätzungen hin – „ich kann doch jetzt nicht aus einer Laune heraus über eine Idee abstimmen!“ Im weiteren Verlauf der Diskussion stellte sich dann auf Nachfrage von Doris Baumgartl (UBV) heraus, dass die Brücke möglicherweise überhaupt keinen Pfeiler hat – es sei auch denkbar, dass sie ganz anders konstruiert wird.

Kein Holz

So bleibt es dabei, dass die Ingenieure bei ihrer Planung nur wenig eingeschränkt sind. Eine Vorgabe macht die Stadt ihnen allerdings: Das Belag der Brücke darf nicht aus Holz sein. Dabei wäre die Rutschgefahr bei Nässe und Minusgraden zu hoch. Bleibt die Frage: Warum muss man noch einmal einen Wettbewerb machen? Kann man nicht auf die früheren Planungen zurückgreifen? Das sei wegen der unterschiedlichen Anbindungen auf beiden Seiten des Lechs nicht möglich, heißt es dazu aus dem Bauamt. Außerdem wäre das möglicherweise ein schlechter Neuanfang: Das damalige Brückerl wurde von der Mehrheit der Abstimmenden abgelehnt.

Werner Lauff

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