"Leider nicht die Ausnahme"

Bald ohne ein Dach über dem Kopf? Bernd Krach muss aus seiner jetzigen Wohnung ausziehen und findet in der Nähe keine geeignete Bleibe, die er mit seinem Rollstuhl uneingeschränkt nutzen kann. Foto: Bauch

Alleine leben trotz Behinderung? Im Landkreis derzeit fast unmöglich, denn es ist keine rollstuhlgerechte Wohnung frei und Betroffene müssen in benachbarte Regionen ausweichen. „Es gibt zu wenig barrierefreie Wohnungen im Landkreis“, klagt auch Behindertenbeauftragte Barbara Juchem. Der Kauferinger Bernd Krach etwa sucht bereits seit Monaten eine geeignete Wohnung – bisher ohne Erfolg.

Generell sei es schwierig, barrierefreie oder rollstuhlgerechte Wohnungen zu finden, meint Juchem. „Der Landkreis muss da was tun.“ Zwar gebe es passende Wohnungen, allerdings zu wenige. Das Problem: „Nur wenn auf konkreten Bedarf hin geplant wird, gibt es Fördergelder.“ Der Rollstuhlfahrer müsse also tatsächlich „auf der Matte stehen“, drückt es Hans-Peter Bichler von der Offenen Behindertenarbeit der Sozialstation St. Martin aus. Simone Loderer, Pressesprecherin der Stadt Landsberg, bestätigt: „Handelt es sich um Wohnungen, die barrierefrei sowie uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sind, darf nur auf einen konkreten Bedarf hin geplant werden.“ Das Bayerische Wohnungsbauprogramm fördere den Bau nur, wenn auf die individuelle Einschränkung der Person eingegangen wird, die die Wohnung erstbelegen soll. Alternativen gibt es laut Juchem kaum. Körperlich Behinderte wollen nicht etwa in ein Pflegeheim. „Sie wollen ja noch unter Menschen gehen und ein normales Leben führen.“ Auch kommen Sozialwohnungen und ein „Betreutes Wohnen“ nur für bestimmte Menschen infrage, etwa gebe es eine gewisse Einkommensgrenze als Voraussetzung. Vor Jahren seien sogar mehrere Behinderte aus dem Landkreis Landsberg weggezogen, weil sie hier keine barrierefreie Wohnung fanden. „Oft weichen Betroffene auf die großen Städte aus, da gibt es mehr Möglichkeiten“, meint Bichler. „Und das ist leider nicht die Ausnahme“, bestätigt Juchem. Viele würden versuchen in ihren eigentlich nicht angemessenen Wohnungen so lange wie möglich zurecht zu kommen, da ihnen keine Alternative bliebe. „Das ist ein großes Manko“, bestätigt Bichler. "Ich brauche mehr Platz" Auch Bernd Krach aus Kaufering ist betroffen. Der 52-Jährige wohnt seit 16 Jahren in einer für seine Bedürfnisse zu kleinen Wohnung. Gerade so passt der Rollstuhl durch die Türen. Am Eingang ist nur ein Brett als Rampe, das Badezimmer ist viel zu klein. „Diese Wohnung wurde mir nun auch noch wegen Eigenbedarfs gekündigt.“ Seit Monaten schon sucht er eine rollstuhlgerechte Bleibe und stößt dabei auf viele Barrieren. Etwa habe eine Wohnung Stufen am Eingang gehabt – für ihn ein schier un-überwindbares Hindernis. Eine andere Wohnung hatte nur ein winziges Badezimmer. „Ich brauche aber ein größeres Bad, damit ich mit dem Rollstuhl zum Beispiel bis zur Toilette komme“, erklärt er. „Da benötigt man eben mehr Platz als ein Fußgänger.“ Doch er habe auch den Eindruck, dass Vermieter oft keinen Behinderten wollen. „Die denken vielleicht, dass ich die Wohnung verwahrlosen lasse oder meine Miete nicht bezahlen kann.“ Kompromisse eingehen Trotz jeglicher Bemühungen sucht Krach noch immer nach einer geeigneten Unterkunft. Hans-Peter Bichler half ihm bereits im vergangenen September: Er schrieb an die Gemeinde Kaufering und an verschiedene Pfarreien. „Es gab schon Resonanz, aber es fand sich keine Wohnung“, so Bichler. Die Marktgemeinde indes habe nicht auf den Brief reagiert. Auch im Umkreis sei es schwierig eine behindertengerechte Bleibe zu finden. „Es gibt kaum adäquate Wohnungen.“ Bernd Krach etwa sei momentan schon mit einer Kompromisslösung zufrieden, da er das Bad nur sehr eingeschränkt benutzen kann. Bis Ende Juni muss er fündig werden. „Viele Faktoren spielen hier zusammen“, erklärt Bichler, „aber wir bleiben dran.“ Immerhin gebe es mittlerweile positive Nachrichten: Nachdem von der Gemeinde Kaufering keine Antwort auf Bichlers Schreiben kam, konfrontierte er den neuen Bürgermeister, Erich Püttner, mit der Problematik. Und dieser habe zumindest schon ein Wohnprojekt zugunsten Behinderter im Sinn. Auch die Stadt Landsberg baue derzeit 16 neue, rollstuhlgerechte Wohnungen in den Oberen Wiesen.

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