Watschen oder Versehen?

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Auf die Kameradschaft...

Penzing - Angeheitert kommt es auf Feierlichkeiten ja immer wieder zu Rangeleien. So auch beim Starkbierfest im Fliegerhorst Penzing vergangenen März. Zu späterer Stunde hatte ein Leutnant einem Stabsunteroffizier eine Ohrfeige verpasst und musste sich deswegen vor dem Amtsgericht Landsberg verantworten. 

Warum es zu der Watschen kam, konnten weder die vier Zeugen noch der 34-Jährige Angeklagte oder der Geschädigte erklären – die Beteiligten ließen sich schlussendlich auf eine Einstellung des Verfahrens ein.

Von einem Lehrgang kannten sich der 26-jährige Stabsunteroffizier und der Angeklagte bereits gut eineinhalb Jahre vor dem Zwischenfall. Dieser passierte im März beim Starkbierfest. Der Leutnant war mit einigen Kameraden eigens zur Feier in den Fliegerhorst nach Penzing angereist. Als dann der Angeklagte zu späterer Stunde gehen wollte, habe ihn der 26-Jährige aufhalten wollen und ihm die Hand auf die Schulter gelegt. 

Zweimal habe er den Kameraden aufgefordert das zu lassen, so der Angeklagte, beim dritten Mal habe er sich wegdrehen wollen – auch, weil der 26-Jährige ihn beschimpft hatte. „Dabei habe ich ihn mit der flachen Hand am Kopf getroffen“, sagt der Leutnant, allerdings sei das keine Absicht gewesen. Durch den Schlag ist der Geschädigte dann aber zu Boden gegangen, war sogar kurz bewusstlos und erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf. Der Angeklagte habe nicht damit gerechnet, dass der Mann durch die Berührung zu Boden geht und ist deshalb weiter in Richtung Ausgang gegangen. 

Wie genau der Schlag auf den Kopf passiert ist, oder warum es zu dem Vorfall kam – das konnten auch die vier Zeugen nicht eindeutig sagen. Beleidigungen seien jedenfalls nicht gefallen, so der Geschädigte: „Es war keine negative Stimmung. Wir haben uns gut unterhalten und es gab auch keinen Streit.“ Wie genau er dann zu Boden ging, habe er sich nicht zusammenreimen können – er habe es nur aus Erzählungen erfahren. 

Durch den Aufprall auf dem Betonboden in der Halle des Fliegerhorstes erlitt der 26-jährige Stabsunteroffizier eine Platzwunde, die mit fünf Stichen genäht werden musste und noch immer deutlich sichtbar ist. Zudem hatte er eine Gehirnerschütterung und eine Prellung am Ohr. Ob die Watschen beabsichtigt war, wie ein Zeuge vom Wachpersonal vor Gericht schilderte, oder versehentlich geschah – wie der Angeklagte und ein weiterer Zeuge beteuerten – konnte nicht geklärt werden. Zwei weitere Zeugen, beide Soldaten, haben nur gesehen, wie der Geschädigte zu Boden ging, nicht aber, was davor passiert ist. 

Nachdem sich sämtliche Beteiligte unterschiedlich äußerten und weitere wichtige Zeugen nicht vor Gericht erscheinen konnten, lautete der Wunsch von Verteidiger Dieter Hemmen, das Verfahren einzustellen. Zudem steht dem Angeklagten seitens der Bundes­- wehr auch noch ein sogenanntes Disziplinarverfahren wegen der Watschen bevor. „Uns kommt es jetzt nicht auf eine harte Bestrafung an“, erklärte auch der Vertreter des Stabsunteroffiziers, Joachim Feller. 

„Aber wir legen Wert darauf, dass der Geschädigte nicht auf den Kosten sitzen bleibt.“ Mit einem Schmerzensgeld von 2500 Euro könne man sich abfinden, so Feller. Auch Richterin Sabine Grub sowie die Staatsanwaltschaft Augsburg nahmen den Vorschlag der Einstellung an – insbesondere, da dem Ange­- klagten durch das Disziplinarverfahren ohnehin noch weitere Konsequenzen drohen. In zwei Raten soll der Leutnant nun das Schmerzensgeld an den 26-Jährigen zahlen. „Endgültig eingestellt wird das Strafverfahren aber erst, wenn Sie die Auflagen erfüllen“, mahnte Grub. Zudem trägt der Angeklagte noch die Kosten für die Nebenklage.

Janina Reich

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