"LICKA" hilft Migranten

Gaben kürzlich den Startschuss für das neue Projekt LICKA, mit dem Migranten an den Arbeitsmarkt herangeführt werden sollen (von links): Ilga Ahrens (Caritas), Alexandra Brown (LICKA-Coach), Sabine Hüsken (Diakonie Oberland), Norman Thelen (LICKA-Projektleiter), Veneta Lübkert (LICKA-Coach), Simone Loderer (Pressereferat Stadt Landsberg) und Silvia Frey-Wegele (vhs Landsberg). Foto: Hollrotter

Die eigenen Kompetenzen zu erkennen ist gar nicht so leicht – vor allem wenn es sich um Fähigkeiten handelt, die nicht über Zeugnisse ausgewiesen sind, sondern sich über die Lebensge­- schichte und -erfahrung entwickelt haben. Bei Menschen mit Migrationshintergrund kommen oft noch kulturbedingte Hemmschwellen hin­- zu, so dass sie sich auf dem Arbeitsmarkt häufig nicht selbstbewusst genug präsentieren. Ihnen hilft ab sofort das neue landkreisweite Projekt „LICKA“, das unter Federführung von SOS-Kinderdorf aus dem Bündnis für Familie entstanden ist.

Vor zwei Jahren hat der Arbeitskreis Migration/Integration im Bündnis seine Schützlinge befragt, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben, berichtet VHS-Leiterin Silvia Frey-Wegele. Aus den 38 Rückantworten ging hervor, dass die deutsche Sprache Schwierigkeiten macht und auch die Integration in den Arbeitsmarkt. Nachdem Landsberg mit Deutschkursen auf allen Niveaustufen gut ausgerüstet ist, konzentrierte man sich auf das zweite Problemfeld: Mit dem „Landsberger Integrations-Coaching, Kompetenzen für den Arbeitsmarkt“, kurz LICKA, will man nun Menschen mit Migrationshintergrund befähigen, sich ihres Könnens bewusst zu werden und sich auf dieser Grundlage selbstbewusst auf dem Arbeitsmarkt vorzustellen. Die Projektleitung hat für SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech Norman Thelen, selbstständiger Psychologe, Berater und Coach mit langjähriger Erfahrung in der Kompetenzentwicklung übernommen. Die drei migrationserfahrenen Coachs Alexandra Brown, Silke Fath und Veneta Lübkert – allesamt akkreditierte ProfilPass-Beraterinnen, die Thelen supervi­- sorisch betreut – erarbeiten mit den Teilnehmern zunächst Lebensgeschichte und -erfahrung. Dabei begeben sie sich auf die Suche nach Fähigkeiten, die sich durch mehrere Lebensbereiche hindurchziehen. Daraus werden jeweils individuell und auf das vorhandene Bildungs- und Sprachniveau angepasst Kompetenzen abge­- leitet und später Ziele für den Arbeitsmarkt erarbeitet. „Kleinschrittig“ sollen die Interessenten dann – eventuell auch über ehrenamtliche Tätigkeiten und Praktika – an den Arbeitsmarkt herangeführt wer­den, so Thelen, der demnächst auch Kontakt zu Arbeitgebern aufnehmen will. JobCenter und Agentur für Arbeit, so Frey-Wegele, stehen dem Projekt bereits positiv gegenüber. Interessenten für das kostenlose Angebot gibt es. Bis zu zehn Migranten und ihre Familien kann jeder der drei Coachs pro Jahr betreuen. Der gesamte Coaching-Prozess dauert zwischen drei und zwölf Monate und erfordert eine aktive Mitarbeit der Interessenten. Mit ihm ist laut Thelen nicht nur eine Sprach- und Reflexionsübung, sondern vor allem auch eine Stärkung des Selbstbewusstseins verbunden. Denn viele Migranten hätten das Gefühl, sie können nichts, obwohl sich im Gespräch dann herausstellt, wie viele Fähigkeiten sie besitzen, berichtet Ilga Ahrens von der Caritas aus ihrer Erfahrung. Zumal die Eigendarstellung in vielen Kulturen etwas ganz Fremdes ist, ergänzt Sabine Hüsken von der Diakonie Oberland, ebenfalls Kooperationspartner des Projekts. Sie freut sich riesig über LICKA: Denn das sei eine „klassische Hilfe zur Selbsthilfe“ und ergänze die Arbeit der Migrationsberatung „ganz perfekt“. Kontakt: Tel. 08191/911890; Flyer sind erhältlich bei den Kooperationspartnern und der Stadt Landsberg.

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