Ist Liebe nur ein Rollenspiel?

Wie viel Realität verträgt eine Beziehung? Kann man die Liebe retten, indem man sie als immerwäh­rendes Rollenspiel begreift? Die Suche nach dem ultimativen Gefühl zeigte in der vergangenen Woche das Burg­-theater Wien mit „Das wun­- dervolle Zwischending“ im Stadttheater.

Anne und Johann (Stefanie Dvorak und Johannes Krisch) drehen einen Film über ihre Beziehung, die letzten sieben Jahre ihrer Liebe. Das klingt einfach: Camcorder raus und los geht’s. Doch Anne und Johann sind Künstler, leben in ihrem eigenen Kosmos mit eigenen Regeln und zum Teil absurden Ritualen, der kaum noch Berüh­- rungs­punkte mir der Außenwelt hat, kaum haben soll. Doch das stellt sie vor Probleme. Zeigt man nur den eigenen Blick oder bezieht man die Bildsprache der „anderen“ mit ein? Ist die eigene Geschichte überhaupt drehbuchtauglich, ohne Veränderung, ohne Tiefpunkte? Wird es ein Liebes-, ein Dokumentar- oder gar ein Horrorfilm? „Wir begreifen uns als Kunst, das hilft bei Problemen“, erklärte Anne dem „Mann vom Amt“ (Roland Kenda), dem einzigen Vertreter der „Außenwelt“, der ab und zu bei den Sozialhilfeempfängern vorbeischaut. Doch es schafft andere, lähmt es doch das Empfinden und weckt Erwartungen, die nicht befriedigt werden können. Das „echte“ wird zensiert und an Soap-Format-Dramatik angepasst. Da fallen dann Sätze wir „Treue ist nicht aufregend“, oder „Wie kann ich mich verändern, wenn Du mich ständig liebst“. Selbst Beleidigungen werden hingenommen, ein Seitensprung inszeniert, um die Spannung zu steigern. Martin Heckmanns „Wundervolles Zwischending“ ist nicht nur ein Stück über zwei Menschen auf der Suche und Veröffentlichung ihrer Liebe, es trifft auch den Nerv einer Gesellschaft, die den öffentlichen Ex­hi­bitionismus zelebriert. Der Mensch wird zum Objekt, präsentiert und seziert durch die Kamera wie eine Fliege unter dem Mikroskop. Dass dies funktioniert und nicht durch den moralischen Zeigefinger abschreckt, liegt an den beiden großartigen Protagonisten. Stefanie Dvorak zeigt als Anne eine überzeugende Gratwanderung zwischen abgeklärter Möchtegern-Künstlerin und kratzbürstigem Teenie. Johannes Krischs Johann ist ein resignierter Typ, der in seinen eigenen Projekten gefangen ist und seine wahren – unverstandenen, weil drehbuchuntauglichen – Gefühle in selbstverfasste Songs verpackt. Was ihnen letztlich bleibt, ist das nächste Rollenspiel, die nächste Szene…

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