Lieber Haschisch als magere Milch

Der Schein trügt: Mitten in der ländlichen Idylle von Hofstetten florierte auf dem landwirtschaftlichen Anwesen von Markus M. der Rauschgifthandel. Foto: Osman

Kühe melken, Ställe ausmisten, matschige Wiesen statt Drogensumpf – das ist die Idee des Programms „Therapie statt Strafe“ für rauschgiftsüchtige Gesetzesbrecher. Sie leben und arbeiten neun Monate lang auf einem Bauernhof, profitieren von der Arbeit in der Natur, dem Umgang mit Tieren und dem Familienanschluss. Ein erfolgreiches Konzept, doch im Falle eines Landwirts aus Hofstetten ging der Schuss nach hinten los. Er bekam über einen Drogenabhängigen, den er bei sich aufnahm, selbst Kontakt zur Szene – und wurde zum Dealer, was er nun vor Gericht offen gestand.

Einer seiner Kunden stand jetzt vor dem Amtsgericht Landsberg, sein eigener Prozess steht noch bevor. Der Kunde berichtete, dass er fast fünf Jahre lang von Markus M. (Name geändert) regelmäßig Haschisch gekauft habe . „Er bewahrte das Rauschgift im Lichtschacht seines Heizungskellers auf“, so Peter T. Überhaupt sei der 33-jährige Landwirt recht gerissen vor- gegangen. So habe er zum Beispiel jeglichen Telefonkontakt mit seinen Abnehmern vermieden, um so keiner Telefonüberwachung ins Netz zu gehen. Peter T.: „Er wollte nie, dass ich ihn anrufe. Ich sollte einfach auf gut Glück vorbeikommen.“ „Ich bin durch finanziellen Mangel auf das Drogengeschäft gekommen“, gab Markus M. zu. Den eigenen Prozess wohl schon vor Augen und eine mildere Strafe erhoffend zeigte er sich vor dem Amtsgericht geständig. In der Verhandlung gegen Peter T. sagte er als Zeuge aus. „Als Landwirt lebt man am Existenzminimum.“ Und: Er habe außer Peter T. noch weitere Kunden gehabt. Das Haschisch überließ er ihnen auf Kommission und kassierte 5,50 Euro pro Gramm, wenn seine Abnehmer den Stoff weiterverkauft hatten. „Ich habe nicht mal besonders hohe Gewinne gemacht“, so M. vor Gericht. Rückblickend bezeichnete er sein Verhalten „reine Dummheit“. Gleichwohl ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Hofstettener, der bereits ein Monat lang in Untersuchungshaft saß. Tatsächlich ist es die wirtschaftliche Notlage, die so manchen Betrieb dazu veranlasst, einen Delinquenten bei sich aufzunehmen. Außer Kost und Logis brauchen sie für dessen Arbeitskraft nichts zu bezahlen. „Aber natürlich muss auch die Einstellung passen“, sagt Jochen Griek, Leiter der Einrichtung „Therapie im Pfaffenwinkel“ (TIP), die die Therapie­plätze in der Landwirtschaft akquiriert und vermittelt. „Es geht schließlich nicht nur ums Arbeiten, sondern auch darum, sich zu verstehen.“ Und vor allem darum, dem Abhängigen eine ganz neue Welt zu eröffnen. „Die familiäre Bindung und die Wertvorstellungen auf einem Bauernhof sind ganz anders als in der Drogenwelt. Die meisten Bauern wissen gar nichts über Drogen.“ An den Betrieb in Hofstetten kann sich Jochen Griek noch sehr gut erinnern, obwohl die Zusammenarbeit seit einem Jahr beendet ist. „Der Umgang dort war locker, nicht so konservativ wie auf anderen Höfen.“ In einem Fall sei ein Delinquent auch nach Ablauf der Therapie dort geblieben. „Danach kam es zu keiner neuen Belegung von unserer Seite“, so Griek. „Manchmal hat man so ein gewisses Gespür, ohne zu wissen warum.“

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