Luxushotel statt Reiterhof?

So soll das Fünf-Sterne-Hotel "WaldHofResort" am Minihof in Entraching mal aussehen. Ob es tatsächlich verwirklicht wird, entscheiden die Bürger Finnings am 19. Dezember mittels eines Ratsbegehrens. Foto: Phase Zero Architekten und Ingenieure GmbH

Die Meinungen gehen auseinander und der Gemeinderat allein will’s nicht entscheiden: Weil auch die Bürgervertreter noch recht unentschlossen sind, ob Entraching ein Fünf-Sterne-Luxushotel auf dem Gelände der jetzigen Reiterpension Minihof braucht, soll jetzt ein Ratsbegehren Klarheit bringen. Am Sonntag, 19. Dezember, sind die Bürger gefragt: Sie fällen das Urteil über das geplante Millionenprojekt.

Seit Bekanntgabe der Planungen des Uttinger Architekturbüros Mack & Schmeller in der Gemeinderatssitzung im September sind die Meinungen recht gespalten. Vor allem die Tatsache, dass der Investor des auf 50 Millionen Euro geschätzten Projekts bisher noch im Dunkeln bleibt, stößt einigen Bürgern sauer auf. Auftraggeber der Hotelkonzeption ist die Familie Rubey, Eigentümer und Betreiber des jetzigen Reiterferienhofes. Dieser wird Ende des Jahres aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Daher ist geplant, alle Gebäude auf dem Gelände komplett abzureißen, um Platz zu schaffen für ein Fünf-Sterne-Hotel in ökologischer Bauweise für insgesamt 204 Gäste in 101 Zimmern. Die geplante Anlage beinhaltet 46 Suiten mit jeweils rund 85 Quadratmetern Fläche, 54 Residenzen mit rund 70 Quadratmetern im Bootshausstil, gelegen an fünf Schwimmteichen, sowie eine Residenz mit einer Wohnfläche von rund 245 Quadratmetern. Hinzu kommen ein Parkdeck mit 90 Stellplätzen, fünf Restaurants sowie ein großer Wellnessbereich. Ob eventuell noch ein Golfplatz oder ein Hubschrauberlandeplatz folgen werden, ist Teil der wilden Spekulationen, die derzeit in der Bevölkerung kursieren. Pro und Contra Insbesondere die Landwirte, die die angrenzenden Äcker und Felder bewirtschaften, befürchten durch den Betrieb des WaldHofResorts, so der Projektname, große Einschränkungen, beispielsweise beim Ausbringen von Gülle oder bei der Ernte. Aber auch der zu erwartende enorme Wasserverbrauch durch Hotel und Wellnessbereich oder die steigende Verkehrsbelastung durch An- und Abreise werden von den Gegnern als Argumente genannt. Die ebenfalls zahlreichen Befürworter des Projekts rechnen hingegen mit neu entstehenden Arbeitsplätzen und sehen das Hotel als Gewinn für die Gemeinde und vor allem für den Fremdenverkehr in der Region. In der jüngsten Gemeinderatssitzung lag nun die Bauvoranfrage der zuständigen Projektentwicklungsgesellschaft „Phase Zero Architekten“ aus Utting zum Bau der Hotelanlage auf dem Tisch. Sie wurde weder diskutiert noch wurde darüber abgestimmt. „Wir haben zur Meinungsfindung bereits zwei Bürgerinformationsabende veranstaltet“, sagte Finnings Bürgermeister Fritz Haaf. „Es wurden viele Punkte behandelt und es gab Gespräche mit den Architekten, auch mit dem Landratsamt und der Regierung von Oberbayern.“ Von Anfang an sei es Ziel gewesen, die Bürger bei der Entscheidungsfindung mit einzubinden. „Und da die vorliegende Anfrage eine große Bedeutung für die Gemeinde hat, schlage ich vor, ein Ratsbegehren von Seiten der Gemeinde einzuleiten“, erklärte Haaf. Im Gremium stieß dieser Vorschlag auf breite Zustimmung: „Die Hotelanlage ist ein großer Einschnitt. Ich bin der Meinung, dass darüber nicht nur 13 Gemeinderäte, sondern auch die Bürger entscheiden sollten“, sagte Egmund Löbhard (Unterfinning). Gleicher Meinung war auch der zweite Bürgermeister Siegfried Weißenbach (Unterfinning), der das Ratsbegehren angesichts vieler Gegenstimmen für den richtigen Weg hält: „Ich selbst habe auch noch keine eindeutige Meinung dazu finden können.“ Roland Brenner (Entraching) verspricht sich vom Entscheid der Bürger mehr Planungssicherheit und ein Projekt, „das dann auf sicheren Füßen steht, wenn die Bürger dafür stimmen sollten.“ Das Votum fiel daraufhin einstimmig zugunsten des Ratbegehrens aus. Laut Artikel 18 der Gemeindeordnung ist „ein Ratsbegehren (…) sinnvoll und zweckmäßig, wenn der Gemeinderat in einer besonders bedeutsamen Angelegenheit nicht selbst entscheiden will, sondern die Entscheidungskompetenz an die Bürgerschaft delegiert.“ Für Architekt Reinhard Mack ist das Ratsbegehren „ganz in unserem Sinn“, wie er im Gespräch mit dem KREISBOTEN sagte. „Für uns bedeutet das Planungssicherheit. Denn hätte der Gemeinderat beispielsweise mit knapper Mehrheit dafür gestimmt, hätten wir munter weiter geplant, Geld investiert und wenn dann ein initiiertes Bürgerbegehren das Ganze abgelehnt hätte, wäre viel Geld verloren.“ Der Architekt selbst hat „ein gutes Gefühl“, was den Ausgang des Ratsbegehrens betrifft. Nach seiner Erfahrung aus den Gesprächen mit den Bürgern seien rund 75 Prozent für das Projekt. Ob er recht behält, wird sich am Sonntag, 19. Dezember, zeigen. Dann sind alle Bürger der Gemeinde Finning mit Ober- und Unterfinning sowie Entraching dazu aufgerufen, über das Hotelprojekt abzustimmen. Die Fragestellung auf dem Stimmzettel wird wie folgt lauten: „Sind Sie dafür, dass auf dem Gelände des Minihofes in Entraching eine neue Hotelanlage entsteht und die Gemeinde den hierfür erforderlichen Bebauungsplan aufstellt?“ Vorab sollen die Bürger, so Rathauschef Fritz Haaf, noch einmal mit einem Schreiben informiert werden. Die Wahlkarten werden bereits ab 26. November verteilt.

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