Macht die Milchquote noch Sinn? – Erzeuger und Verwerter diskutieren

Ob es ein Fluch oder ein Segen wird für die Milchbauern der Region, wenn der Milchmarkt ab 2015 ohne eine Milchquote auskommen muss, das konnte auch die Podiumsdiskussion in Achselschwang nicht klären, zu der der Bayerische Bauernverband (BBV) eingeladen hatte. Etwa 200 Landwirte und Interessierte waren gekommen, um zu hören, dass es nicht um die Quote an sich, sondern um deren Wirksamkeit gehe. Da waren sich sowohl der Vertreter der Privatmolkerei als auch der der Genossenschaft einig, dass diese bereits „vor dem eigentlichen Ende 2015 keine Bedeutung mehr“ habe.

Zunächst erläuterte BBV-Kreisobmann Leonhard Welzmiller die momentane Situation auf dem Milchmarkt. Sein Fazit: Der Spitzenpreis, den die Erzeuger in der zweiten Hälfte von 2007 erhalten hatten, ist längst wieder im Keller. Besonders markant sei dabei, dass der Butterverbrauch, obwohl schon längst wieder günstig zu haben, stetig weiter sinkt. „Am Preis kann’s also nicht liegen“. Im Schnelldurchlauf ging er auf die inzwischen vorgesehene Quotenerhöhung um jeweils ein Prozent von 2009 an bis 2013 ein. Welzmiller erläuterte die Auswirkungen der Fettkorrektur und verwies auf die Förderung der Bayerischen Staatsregierung, die immerhin 235 Millionen Euro pro Jahr betrage. Ludwig Huber, als Vertreter der genossenschaftlich organisierten Bayerischen Milchindustrie (BMI) vom Werk Landshut, und Ernest Schäffer von Karwendel Buchloe waren nun gefragt, wie sie sich die Zusammenarbeit mit den Milchbauern und deren Überlebenschancen nach dem Auslaufen der Milchquote vorstellen. Beide verdeutlichten, dass die Quotierung schon heute immer weniger Bedeutung habe. Als „Marktmolkerei“ werde Karwendel einkaufen, was benötigt wird über drei bis fünf Jahre laufende Verträge. Eine Vorratshaltung sei nicht möglich und darum werde nur verarbeitet, was auch verkauft wird. Eine Milchmengenerweiterung hänge somit grundsätzlich an einer „sinnvollen Verkaufserweiterung“. Für die BMI erläuterte Huber, dass man eine andere Struktur habe, weil die Lieferanten auch Gesellschafter seien. Die Anlieferungsmenge variiere zwar, werde aber intern ausgeglichen. Auf eine Nachfrage der Zuhörer nach freien Kapazitäten betonten beide, dass die auch nötig seien um plötzliche Nachfragesteigerungen bedienen zu können. Ebenso ablehnend beschieden beide die Frage nach einer gesteuerten Michpreiserhöhung, analog dem Bierpreis. Dies ließe sich am Markt nicht durchsetzen, weil ein Lebensmittelpreis, und das sei die Milch im Gegensatz zum Bier, vom Markt bestimmt werde. Außerdem wäre Ankündigung nicht gleich Durchsetzung, denn 54 Prozent der Milchprodukte werden über Discounter vertrieben. Eine weitere Frage ging um den Konzentrationsprozess bei den bayerischen Molkereien. Der werde sicher weitergehen, waren sich Schäffer und Huber einig. „Wachsen ja, aber nicht um jeden Preis“. Kostensenkung, sinnvolle Verwertung – jetzt müssten die Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Ein „Nachrüsten“ sei wenig effektiv. Dennoch machte Schäffer den Milchbauern Mut, denn Lebensmittel würden schließlich auch zukünftig gebraucht. Kampf nicht aufgeben Aber die Landwirte, das wurde zum Ende der Veranstaltung deutlich, wollen den Kampf um die Beibehaltung der Quote noch nicht aufgeben. Die EU habe noch nicht endgültig entschieden, merkte Manfred Schertich, der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) an. Er wisse, dass viele Bauern für eine Mengensteuerung seien und die Fettkorrektur belassen wolle. Darum müsse man sich weiter dafür stark machen. Den freien Markt würde keiner durchhalten, somit brauche man einen kostendeckenden Preis. Für diese Bündelung der Interessen boten sich an diesem Abend sowohl der BDM wie auch die Bayern MeG an. Deren Vertreter Reinhold Mayer glaubt auch weiterhin Einfluss auf die Preise gewinnen zu können, weil sein Verband das Vertrauen vieler Milcherzeuger-Gemeinschaften habe.

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