Mädchen ist nicht gleich Mädchen

Im Internet erwischt: Ein 30-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis hat in einem Chatroom ein aus seiner Sicht 13-jähriges Mädchen zu sexuellen Handlungen an sich selbst aufgefordert. Was er nicht wusste – das Mäd­chen war nicht echt, sondern die Jugendschutzhelferin des Chatroom-Betreibers. Für diesen versuchten sexuellen Missbrauch hat das Amtsgericht Landsberg den Mann am letzten Mittwoch zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Der Angeklagte ist Angestellter bei der Versicherungskammer Bayern und verheiratet. In dem kostenlosen Chatroom hatte er sich selbst als 14-Jährige ausgegeben. Dafür hatte er sich mit verschiedenen Frauennamen angemeldet. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Joachim Feller, erklärte dies als „erotische Phantasie“ des Angeklagten, bei der er sich vorstellte, dass auch die anderen erwachsenen Chatroombesucher sich bewusst als junge Mädchen vorgestellt hätten. Staatsanwalt Dr. Karl Pobuda hielt in der Anklage vor, dass der Mann damit rechnen musste, dass Minderjährige sich auf dieser Internetseite aufhalten. Und wie Richter Alexander Kessler vom Angeklagten erfragte, würde das Alter der Chatter bei der Anmeldung nicht überprüft. Zuerst sei er im Erotikchatroom gewesen, dann habe er auch in dem allgemeinen Bereich gechattet. Dort sei er auf Sex angesprochen worden und sprach dann auch von sich aus, eine angebliche Minderjährige an und forderte sie zu sexuellen Handlungen auf. Seine Tat tut dem 30-Jährigen heute leid. Von sich aus hat er eine psychotherapeutische Behandlung begonnen und die hätte ihm „schon sehr geholfen“. Die letzte Sitzung war gerade zwei Tage vor der Verhandlung. Zu den Therapie- kosten – pro Termin 100 Euro – sagte der Mann selbst: „Ich sehe das als Strafe, dass ich das zahlen muss.“ Der Vorfall schien für ihn noch mehr – eine Lebenswende – zu bedeuten: „Das ist eine Chance für mich! Nach 30 Jahren muss ich einen Neubeginn machen und mich weniger mit dem Computer und Internet beschäftigen.“ Seine Computertechnik (Laptops) hat die Polizei bereits beschlagnahmt – der Angeklagte gab sein Einverständnis dazu. „Man erschreckt, was dort passiert“, meinte Kessler als er das Urteil verkündete. Die Bewährungsstrafe für den 30-Jährigen begründete er damit, dass der Angeklagte einen guten Eindruck gemacht hätte und sich ändern wolle durch die Psychotherapie. Der Mann soll sich so lange therapieren lassen bis der behandelnde Psychologe keinen Behandlungsbedarf mehr feststellen könne. Zudem nachweisen, dass er in der Therapie war.

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