1. April am Dampfersteg

Das Freibier am Steg war kein Scherz

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Ein Prost auf den gelungenen April-Scherz des KREISBOTEN (von links): Redaktionsleiter Toni Schwaiger, Claus Bakenecker und Dr. Martin Hug vom Craft-Bräu Dießen und Anselm Bilgri, der einst Andechs zur Bierhochburg gemacht hat.

Dießen – Jetzt werden sich alle ärgern, die dem April-Scherz des KREISBOTEN nicht getraut haben! Es gab nämlich wirklich Freibier am Dampfersteg in Dießen. Die emsigen Jungs vom Craft-Bräu hatten extra einen „Marienbock“ gebraut, der künftig im Biergarten des Marienmünsters ausgeschenkt werden sollte.

Sollte..., wenn nämlich unser April-Scherz Wirklichkeit werden würde: Per U-Bahn oder Gondel direkt vom Dampfersteg hoch zum Marienmünster, das als Ausflugsziel und Biergartenoase Andechs Konkurrenz machen will. Der Bericht in unserer letzten Ausgabe stieß auf unterschiedliche Resonanz. Manche haben den Scherz gecheckt und herzlich gelacht, viele fanden die Idee grundsätzlich hervorragend, wiederum andere waren schlichtweg empört ob der Verschandelung und Kommerzialisierung von Seepromenade und Marienmünster.

Am originellsten reagiert hat Anselm Bilgri, der einst Andechs zum Markenzeichen für Bierkultur gemacht hat. Er kam nicht nur persönlich zum Anzapfen des ersten „Marienbock“-Fasses nach Dießen, er schrieb auch einen treffenden Kommentar zum KREISBOTEN-Bericht:

„Es ist wirklich ungeheuerlich, dass man in Deutschland keine zukunftsweisenden Großprojekte wie den Transrapid, Stuttgart 21 oder eben dieses einmalige Projekt der U-Bahn in Dießen planen kann, ohne dass schon im Vorfeld durch geschickte Indiskretionen die Öffentlichkeit aufgeschreckt wird. Ich hoffe, dass die Investoren aus dem Reich der Mitte durch die voreilige Berichterstattung nicht abgeschreckt werden. Aber zum Trost: Die meisten Ideen, die ich in meiner Zeit als Andechser Cellerar im dortigen Bräustüberl bei Bockbier und Schweinshaxen ausgeheckt hatte, haben bis heute Bestand. Ich finde es deshalb gut, dass die Dießener Bürger die Vorteile des zukünftigen Biertourismus live am Dampfersteg erleben können. Ein Hoch auf den Bürgermeister mit dem politischen Weitblick und den Pfarrer mit seiner Initiative für eine moderne, dem Geschmack des Publikums entgegenkommende Leib- und Seelsorge!“

Sowohl Bürgermeister Herbert Kirsch wie auch Pfarrer Josef Kirchensteiner fehlten leider beim „Marienbock“-Anstich. Kirsch entschuldigte sich in letzter Minute wegen dringender Amtsgeschäfte und Pfarrer Kirchensteiner hatte genau zu dieser Zeit eine Beerdigung. Aber er wünschte dem Freibier-Ausschank am Dampfersteg viel Erfolg und mailte:

„Ein Biergarten vor dem Münster wäre zwar ein interessantes Angebot, ich bin dennoch eher für eine Arbeitsteilung. Ich trinke gerne Andechser Bier im Biergarten zu Andechs und lade alle Interessierten zu einer Führung im Marienmünster ein. Es ist uns ja allen klar, was wäre Andechs ohne Dießen. Schließlich liegen die historischen Ursprünge auf dem Sconenberg auf der Westseite des Ammersees. Zudem würde mir eine Gondel vom Dampfersteg zum Burgberg mit Zwischenstation am Marienmünster besser gefallen. Ich denke, das wäre romantischer und der Ausblick unübertroffen.“

Unter den vielen Mails, die die KREISBOTEN-Redaktion nach dem Bericht erreichten, möchten wir Ihnen zwei nicht vorenthalten. So schrieb ein Bürger:

„Wir sind Landsberger und ehemalige Herrschinger und kennen daher Dießen, Ammersee und Kloster Andechs bestens. Eine Bieroase mit kleiner Brauerei am Marienmünster oben wäre ein Traum für alle und eine kleine Ohrfeige gegen die Arroganz vom Kloster Andechs. Und eine schnelle Verbindung schaffen mittels U-Bahn oder Gondelbetrieb zwischen See und Münster wäre ein Traum, der unbedingt weiter verfolgt werden sollte. Dies wäre auch eine massive Aufwertung der Region rund um Dießen. Und der Mitstreiter Anselm Bilgri könnte dann die Geschäftsführung übernehmen. In diesem Fall ist der Erfolg sicher!“

Überaus kritisch reagierte Markus H. auf die U-Bahn-Fiktion. Er schrieb:

„Vor lauter abstruser Streiterei über Seekiosk, U-Bahn oder gar Seilbahn sollten sich manche mal darauf besinnen, dass Dießen die mit Abstand unattraktivsten, langweiligsten und nüchternsten Seeanlagen rund um den Ammersee hat. Zu einer vernünftigen Seeanlage mit schöner Uferpromenade gehört ein gemütlicher Biergarten, in dem man sich eine gegrillte Haxn und eine Maß Bier schmecken lassen kann, meinetwegen auch einen Steckerlfisch. Aber mit Sicherheit nicht beim Ausblick auf halb verfallene und verkackte Bootsstege. Hier hat man schon eine sehr befremdliche Auffassung von bayerischer Gemütlichkeit. Vielleicht sollten unsere Herrschaften mal einen Ausflug rüber nach Herrsching machen, um sich Inspirationen zu holen.“

Darüber machten sich auch die gut zwei Dutzend neugierige Dießener Gedanken, die dem Ruf des Freibiers nicht widerstehen konnten und am Dampfersteg darauf anstießen, dass alles so bleibt wie es ist: Keine U-Bahn durch die Marktgemeinde und kein Biergarten beim Marienmünster. Aber alle, einschließlich Bier-Profi Anselm Bilgri, waren sich einig, dass der „Marienbock“ aus Dießen vorzüglich schmeckt. Und das nicht nur am 1. April.

Dieter Roettig

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