Maroder Schutzwall am Lech

Viele Bereiche westlich des Lechs (Bild oben) wären bei einem Bruch der Schutzmauer überflutet. Grafik: Wasserwirtschaftsamt

Die Bilder gingen Mitte Januar um die Welt: Sie zeigten die Einwohner Brisbanes, wie sie sich mit Booten durch die Hauptstadt des australischen Bundesstaates Queensland bewegten. Verheerende Regenfälle hatten den Brisbane River über die Ufer steigen lassen, die Wassermassen überschwemmten die Millionenmetropole so schlimm wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr. In Landsberg ist eine derartige Katastrophe zwar schon ein Jahrhundert her, ganz gebannt ist die Gefahr aber deswegen nicht. Denn noch älter sind jene Mauern entlang des Lechs, die die Stadt im Ernstfall vor dem Wasser schützen sollen. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim plant daher derzeit, die maroden Bauwerke zu sanieren.

Die Erkenntnis freilich ist nicht neu. Bereits 2006, ein Jahr nachdem ein weiteres Jahrhunderthochwasser den Lech hatte gefährlich anschwellen lassen und die Mauern vorsichtshalber mit Sandsäcken erhöht worden waren, teilte die Behörde dem Bauausschuss der Stadt den Sanierungsbedarf mit. Doch damals fehlte es dem Freistaat Bayern an den nötigen finanziellen Mitteln, weshalb er die Maßnahme erst einmal verschob – bis jetzt. Nun sollen sowohl die Schutzmauer entlang der Straße Am Englischen Garten als auch die Ufermauer auf der Ost-Seite erneuert werden. Vor allem erstere entspreche nicht mehr dem „aktuellen Stand der Technik“, erklärt Herrmann Bamgratz, im Wasserwirtschaftsamt zuständig für den Landkreis Landsberg. Was passiert, wenn die baufällige Mauer dem Wasserdruck bei einem hundertjährigen Hochwasser nicht mehr standhalten kann, demonstrierte Bamgratz bereits vor fünf Jahren anhand einer Computersimulation. Demnach stünde vor allem das Gebiet „Schindler Gärten“ bis zu zwei Meter tief unter Wasser, auch der Bereich zwischen Post und Landratsamt wäre großflächig überflutet. Damit ein solches Schreckensszenario in Zukunft ausgeschlossen werden kann, will das Wasserwirtschaftsamt das Bauvorhaben nun so schnell wie möglich umsetzen. Ein Ingenieursbüro habe die Mauern bereits näher untersucht, noch in diesem Jahr wolle man die Planungen und das Genehmigungsverfahren abschließen, sagt Bamgratz. Fraglich ist derzeit noch, wie hoch die Ufer- und Schutzmauern in Zukunft ausfallen müssen. Da nach dem Pfingsthochwasser im Jahr 1999 das Rückhaltevermögen des Forggensees stetig verbessert wurde, ist das Hochwasserrisiko für die Lechstadt zuletzt deutlich gesunken. Bamgratz schließt daher nicht aus, dass die Schutzmauer auf der West-Seite sogar niedriger werden könnte. „Höher werden beide Seiten auf keinen Fall.“ Ebenso ist noch nicht entschieden, wie mit den Bäumen verfahren wird, die mittlerweile bis nahe an die westliche Mauer reichen. Diese würden die Baumaßnahmen erschweren, erklärt Bamgratz: „Wir lassen daher gerade untersuchen, ob wir sie entfernen dürfen.“ Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) begrüßt derweil das Vorhaben des Wasserwirtschaftsamtes, denn der Hochwasserschutz sei nach wie vor ein „sensibles Thema“. Vor fünf Jahren hatte die Stadt daher sogar erwogen, die Maßnahme vorzufinanzieren, war dann jedoch angesichts der Verbesserungen am Forggensee wieder davon abgerückt. Die Kosten für die Sanierung schätzt Bamgratz auf eine Million bis 1,2 Millionen Euro, die laut Lehmann allein der Freistaat trägt. „Der Erhalt ist eine Pflichtaufgabe des Staats.“ Baubeginn 2012? Sollte das Genehmigungsverfahren planmäßig noch heuer abgeschlossen werden, könnten die Bauarbeiten bereits im kommenden Jahr beginnen. Dann allerdings erst im Herbst, erklärt Bamgratz – wenn die jährliche Hochwassergefahr vorbei sei.

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