Zum Glück blieb es bei zehn Fällen

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Kleiner Pieks mit großer Wirkung: die Schutzimpfung gegen Masern – im bayernweiten Vergleich liegt der Landkreis Landsberg etwas unter dem Durchschnitt.

Landkreis/Kaufering – Für einige Zehntklässler der Realschule Kaufering wäre die Abschlussprüfung in diesem Jahr um ein Haar geplatzt – weil sie nicht gegen Masern geimpft waren. Über die Impf-Situation im Landkreis unterhielt sich der KREISBOTE deshalb mit Dr. Lorenz Schröfl, Leiter des Gesundheitsamts Landsberg.

Herr Schröfl, wie viele Masern-Fälle gab es in jüngerer Zeit im Landkreis?

Schröfl: „Seit Pfingsten hatten wir im Landkreis insgesamt zehn an das Gesundheitsamt gemeldete Masern-Fälle. Betroffen waren Schüler der Realschule Kaufering, der Mäd­- chen-Realschule Dießen und des Ignaz-Kögler-Gymnasiums, aber auch Einzelpersonen, die mit keiner der Schulen in Verbindung standen. Eigentlich ist es verwunderlich, dass es bei zehn Fällen geblieben ist. Da haben wir, relativ betrachtet, noch Glück gehabt.“

Dr. Lorenz Schröfl: „Fünf Prozent der Schulanfänger haben überhaupt keine Schutz­- impfung.“


Wie hoch ist die Durchimpfungsrate im Landkreis?

Schröfl: „Die Durchimpfungsrate ermitteln wir anhand einer jährlichen Überprüfung der Impfbücher aller Sechstklässler. Demnach haben im Schuljahr 2010/11 exakt 92,6 Prozent der Schüler die erste Masern-Impfung erhalten und 84,9 Prozent auch die zweite. Damit liegen wir im Landkreis etwas unter dem bayerischen Durchschnitt, der 95,7 Prozent für die erste und 88,4 Prozent für die zweite Masern-Impfung beträgt.“

Gibt es in den letzten Jahren tendenziell mehr Impfverweigerer?

Schröfl: „Es gibt zwei Entwicklungen: Einerseits wird die Grundimmunisierung immer besser, das heißt, die Eltern, die ihre Kinder impfen lassen, achten auf Vollständigkeit der Impfungen. Andererseits hat leider auch die Zahl der kompletten Impfverweigerer deutlich zugenommen. Die Schuleingangsuntersuchungen 2012 haben ergeben, dass fünf Prozent der Kinder überhaupt keine Impfungen hatten. Das ist sehr problematisch, vor allem für die betroffenen Kinder selbst. Eine Tetanusimpfung beispielsweise ist existenziell, denn jedes Kind spielt draußen in der Erde und kann sich dort mit Tetanuserregern infizieren. Dazu muss es noch nicht einmal mit anderen Kindern in Kontakt kommen.“

Die Entscheidung für oder gegen Impfen ist Sache der Eltern. Vorfälle wie der an der Realschule Kaufering zeigen aber, dass die private Entscheidung durchaus weitreichende Konsequenzen haben kann. Ein Dilemma – wie gehen Sie als Behörde damit um?

Schröfl: „Unser gesetzlicher Auftrag lautet, die Bevölkerung vor Infektionen zu schützen. Wie das Beispiel Kaufering zeigt, vollziehen wir diesen Auftrag im Einzelfall mit großem Augenmaß. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt bei Aufklärung und Beratung, etwa im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen und der Überprüfung der Impfbücher aller Sechstklässler. Bei fehlenden Impfungen erhalten die Eltern entsprechende Informationen und die Empfehlung, diese bei ihrem Arzt nachholen zu lassen. Mit Merkblättern weisen wir auf die Wichtigkeit von Impfungen hin.“

Werden Impfungen von allen Kinderärzten empfohlen, mit denen Sie zusammenarbeiten, oder gibt es auch hier Skeptiker?

Schröfl: „Alle Kinderärzte in der Umgebung empfehlen grundsätzlich das Impfen, ebenso das Gros der übrigen niedergelassenen Ärzte.“

Warum sind eigentlich Kinderkrankheiten für Erwachsene gefährlicher als für Kinder?

Schröfl: „Das kann man so nicht sagen. Der Krankheitsverlauf ist immer individuell und kann bei Kindern wie Erwachsenen mehr oder weniger schwerwiegend sein. Erwachsene fühlen sich vielleicht stärker beeinträchtigt, weil sie durch die Erkrankung im Arbeitsalltag ausfallen.“

Kann man sich als Erwachsener noch gegen Masern und andere Kinderkrankheiten impfen lassen?

Schröfl: „Natürlich, und das sollte man unbedingt tun, wenn man nicht geimpft ist oder die Krankheiten durchgemacht hat. Ganz besonders gilt dies für das Personal in Schulen und allen Bereichen der Kinderbetreuung. Gerade für Frauen im gebärfähigen Alter ist es wichtig, gegen Masern, Windpocken, Mumps und Röteln geschützt zu sein. Seit 2010 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Insitut in Berlin für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen eine ein­- malige Impfung mit dem sogenannten MMR-Impfstoff (Masern, Mumps, Röteln), wenn bisher nicht gegen Masern geimpft wurde, in der Kindheit nur einmal geimpft wurde oder der Impfstatus unklar ist. Eine zusätzliche Impfung schadet nicht, selbst dann, wenn sie überflüssig sein sollte – und auch dann nicht, wenn man eine der Krankheiten bereits , ausbrütet."

Welche Impfungen sollte jeder Mensch unbedingt haben?

Schröfl: „Die STIKO veröffentlicht jedes Jahr aktualisierte Impf-Empfehlungen. Die muss man sich aber nicht selbst im Internet herausgoogeln. Jeder Haus- und Kinderarzt kennt die Empfehlungen und kann seine Patienten entsprechend beraten – auch in Bezug auf ihr persönliches Risikoprofil, das unter Umständen neben der Grund­- immunisierung noch weitere Impfungen erforderlich macht – zum Beispiel gegen FSME, Tollwut oder Tropenkrankheiten.“

Herr Schröfl, wir danken Ihnen im Namen unserer Leserinnen und Leser für das Gespräch und die Informationen.

Ulrike Osman

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