Malura musikalisch

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Begeisterten im Oberdießener Malura Museum: Frederic Hollay, Julia von Miller und Anatol Regnier

Oberdießen – Bis auf den letzten Platz besetzt war das Malura Museum jüngst bei der Matinée „Malura Museum Musikalisch“. Trotz Sommerhitze zeigte das gedrängt sitzende Publikum, herbeige- strömt aus dem Umland und aus München, keine Ermüdung, forderte vielmehr begeistert Zugaben, die noch einmal rauschenden Applaus einbrachten.

Geboten wurde in der Tat Mitreißendes: eine musikalisch-kabarettistisch-historische Performance mit dem Titel „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein“. Untertitel: „Deutsche Schlager von 1929 bis 1969 – eine musikalisch-literarische Zeitreise“ – kredenzt von einem Profi-Trio, dem die Freude an der eigenen Darbietung aus den Augen leuchtete.

Anatol Regnier, Gitarrist, Rezitator, Chansonsänger, Autor einer der profundesten Beschrei- bungen des Holocaust („Damals in Bolechow“) und – als Enkel von Frank Wedekind – Biograph seiner an Berühmtheiten reichen Familie, lieferte nicht nur das Gesamtkonzept, sondern war auch als Sprecher und Sänger dauerpräsent. Stimmlich sekundiert, solo und im Duett, wurde er von der zauberhaften Sängerin Julia von Miller, auch sie Nachfahrin großer Ahnen, jener Millers, denen München die Bavaria und das Deutsche Museum verdankt. Seit 15 Jahren tritt sie mit unterschiedlichen Formationen auf, unter anderem den „String of Pearls“ und dem „Odeon Tanzorchester“, aber, ebenso musikalisch wie humorbegabt, leiht sie ihre fast allen Höhen und Tiefen gewachsene Stimme mit besonderer Vorliebe ausgefallenen Projekten wie dem in Oberdießen gebotenen.

Als wahrhaft idealer Begleiter am Traumstadtflügel erwies sich einmal mehr Frederic Hollay. Münchner seit den 70-er Jahren, tourte er durch ganz Europa – unter anderem mit Udo Jürgens, Roberto Blanco, den Kessler-Zwillingen und Harald Juhnke.

Wie sich die drei Künstler bei ihrer „Zeitreise" von der Weltwirtschaftskrise über Drittes Reich, Weltkrieg, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder bis hin zu den 68-ern gegenseitig die Bälle zuwarfen, erregte nicht nur Heiterkeitsstürme, sondern forderte auch manche verstohlene Träne.

Evergreens wie „Wenn ich mir was wünschen dürfte“, „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein“, „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ oder „Lili Marleen“ verführten zu nostalgischem Mitsummen, weitgehend „versunkene“ Schlager holten vergessene Facetten des damaligen Zeitgeists in die Erinnerung zurück. Den Vogel aber schossen einige der Ohrwürmer aus etwas jüngerer Vergangenheit ab, allen voran Gittes „Ich will ’nen Cowboy als Mann“ Conny Froboess’ „Pack die Badehose ein“. Beides kess und mit einer großen Portion Ironie hingeschmettert von einer Sängerin, die kurz davor mit rauchigen Zarah-Leander-Tönen ergriffene Stimmung im Saal verbreitet hatte. All dies bereichert und gewissermaßen „verständlich“ gemacht durch kluge, historische Zwischentexte, die den musikalischen Vortrag zu einer sinnenhaft fassbaren Zeitgeschichte von 1929 bis 1969 ergänzten.

Der Dank von Monika Groner im Namen der „Freunde des Malura Museums“ sprach allen Anwesenden aus der Seele. Es gab Stoff genug, sich nachher noch vor den wunderbar passenden Bildern von Joachim Jung oder auch im neu gestalteten Garten des Museums über alte – und neue – Zeiten zu unterhalten.

Brigitta Rambeck

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