Spitzfindigkeiten mit Cello

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Klassisches politisches Kabarett mit Cello: Matthias Deutschmann eröffnete die Saison im s´Maximilianeum.

Landsberg – Er hat offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht. Begnügen sich die meisten Künstler, die Stadt und Bühne wechseln, mit einem „Hallo Landsberg“, spickte der Kabarettist Matthias Deutschmann, der am Donnerstag die Saison des s’Maximilianeum eröffnete, sein Programm mit Landsberger Interna.

Warum tut sich die deutsche Politik so schwer? Weil die klingenden Namen fehlen. „Zu Guttenberg“ klingt wie ein Maschinengewehr, bei „Wulff“ zischelt das Doppel-F. Und ein „Dreckskerl“ wie Berlusconi habe sich auch nur wegen des wohlklingenden Namens so lange halten können. Auf seinem Cello tändelnd, klopfend, teilt Deutschmann in bester Polit-Kabarett-Manier aus, keiner bleibt verschont. Ob Stuttgart 21, Helmut Schmidt („die versteinerte Galapagos-Schildkröte“) oder die FDP („besser vier Jahre ohne FDP als ein Veggie-Day“), ob GEMA, die bald für einzelne Tonleitern kassieren will oder Verfassungsschutz („wenn man den Verfassungsschutz auflöst, ist auch die NPD kaputt“).

Doch Deutschmann kritisiert nicht nur, er macht auch durchaus konstruktive Vorschläge, wie den der Fusion der Südstaaten Baden-Württemberg und Bayern. Oder: jeder Bundesbürger zahlt für jedes griechisch-stämmige Wort 50 Cent in eine Euro-Rettungskasse. Fragt sich nur, hält der Euro bis zur Eröffnung des Berliner Flughafens? Dazwischen Barocklyrik und der Vergleich der CO²-Werte der katholischen, der evangelischen und der islamischen Hölle und die Überlegung, wie man die Grabinschriften auf deutschen Friedhöfen interessanter gestalten könnte.

Im Gegensatz zur eher schleppenden ersten Hälfte lief Matthias Deutschmann nach der Pause zur Höchstform auf und ließ sich auch nicht lange zu einer Zugabe überreden („ist doch albern, wenn ich jetzt ein paar Mal hin und herlaufe“). Darin der bewies der Kabarettist dann auch, dass das Cello nicht nur Requisit ist und lieferte noch interessante musikalische Absurditäten, ergebe doch die Europahymne rückwärts gespielt die Hymne der DDR. Sprachs und ging ab, denn „wer die Wahrheit verkündet, sollte sein Pferd gesattelt lassen“.

Patricia Eckstein

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