Kaufering zeigt sich weltoffen

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Der positive Städtpartnerschafts-Beschluss des Kauferinger Gemeinderates hat im isländischen Isafjördur (Foto) große Freude ausgelöst.

Kaufering – Ginge es nach den Jugendlichen Kauferings, würde sich der Blick für eine Städtepartnerschaft eher gen Großbritannien richten, weiß Antje Bommel nach einer entsprechenden Erhebung. Die Übersetzerin hat allerdings eine andere, durchaus exotische, Möglichkeit aufgetan: Isafjördur.

Isafjördur liegt an der Nordwestspitze Islands und ist mit 2700 Einwohnern immerhin die 14.-größte Stadt der Insel. Mit den Randgemeinden wohnen dort rund 4000 Menschen. Der Marktgemeinderat in Kaufering stimmte kürzlich den Vorbereitungen einer Partnerschaft im Grundsatz zu. Vier Räte der UBV sprachen sich gegen die Partnerschaft aus. „Ich wäre eher dafür, wenn unsere Vereine im Vorfeld besser eingebunden würden“, kritisierte Dr. Börries Graf zu Castell. „Jetzt, wo wir so gnadenlos einsparen, müssen wir uns auch das sparen“, fand Wolfgang Zeit. „Schmuck kann ich mir auch nur dann kaufen, wenn es mir gut geht.“

Dem wiederum wollte Bürgermeister Erich Püttner (UBV) absolut nicht folgen. „Der Einsatz an Geld ist bei dieser Geschichte so gering und der Wert und die Lebensqualität, die wir bekommen, so hoch, dass wir das unterstützen sollten. Ich sehe das an wie eine Beziehung: wenn es nicht funktioniert, kann man sich ja wieder trennen. Es wäre auf jeden Fall auch sozial eine Bereicherung.“ Auch das sah Zeit anders: „Sozial ist für mich, wenn man im Kindergarten bei uns vor Ort eine Schaukel oder eine Rutsche aufstellt.“

14 Räte allerdings votierten pro Isafjördur, ein Beschluss, der laut Antje Bommel in Island große Freude ausgelöst hat, als sie ihn dem dortigen Bürgermeister mitteilte. Die Übersetzerin war bereits mehrfach vor Ort, zuletzt in diesen Tagen, und präsentierte den Kauferinger Räten die wichtigsten Fakten zu dem kleinen Ort. Trotz der eher geringen Größe gibt es zahlreiche Vereine, alle Schulen und sogar eine Universität – diese wird vom gebürtigen Bayer Peter Weis geleitet, Deutsch ist nach Englisch und Dänisch dritte Fremdsprache in Island.

Partnerschaftskomitee

Von Kauferinger Seite aus soll sich künftig ein Partnerschaftskomitee um die Beziehung zu Isafjördur kümmern, erste Kontakte gab es bereits, auch über Lehrer. Ausgerechnet die Schulen in der Marktgemeinde ziehen allerdings noch nicht so richtig mit. So hat die Mittelschule laut Bürgermeister Püttner „bisher noch keine Bereit­schaft signalisiert, mitzumachen“, die Realschule sei „eher an Frankreich dran“. Ein Beinbruch sei das allerdings nicht, denn, so Püttner: „Wir wollen keinen reinen Schüleraustausch, sondern über diese Ebene hinaus alle jungen Kauferinger ansprechen. Es sollten ganze Jugendgruppen, aber auch Vereine die Möglichkeit haben, sich zu besuchen.“

Antje Bommel selbst wünscht sich Teilnehmer im Alter von 13 bis 25, „in Ausnahmefällen bis 30 Jahren“. Auch Gabriele Hunger sieht in der Zurückhaltung der Schulen kein Hindernis. „Wenn die Mittelschule nicht teilnehmen will, ist das doch kein Problem, es können die Kinder aus der Schule ja trotzdem dabei sein.“

Sehr teuer dürfte die angestrebte Partnerschaft für die Gemeinde nicht werden. Bei der Europäischen Union gibt es für derartige Vorhaben erhebliche Fördermittel und Erich Püttner hatte sich auch bei der Stadt Landsberg schon einmal erkundigt. „Die haben gleich mehrere Städtepartnerschaften und dafür heuer gerade einmal 8000 Euro im Haushalt.“ Dem entsprechend bewilligte der Marktgemeinderat für den Anschub der angestrebten Partnerschaft mit Isafjördur maxi­- mal 5000 Euro.

Tradition aufleben lassen

Wolfgang Zeit hatte auch bei dieser Summe Bedenken. „Wir haben bei der Feuerwehr seit 30 Jahren eine Partnerschaft mit Mühlhausen, deswegen weiß ich, dass der Aufwand höher sein wird. Mit der Summe wie in Landsberg werden wir da nicht hinkommen.“ Dagegen brach GAL-Rätin Gabriele Triebel eine Lanze für den Austausch. „Wir sollten die Tradition der Jugendbesuche wieder aufleben lassen und zeigen, dass wir eine weltoffene Gemeinde sind.“

Christoph Kruse

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