Eine Küche im Container?

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Auch der Speiseraum der Mittagsbetreuung (Foto) reicht nicht mehr aus, um die zukünftig rund 180 Kinder zu verpflegen. Unser Foto zeigt v.l. Renate Kindermann (Leiterin Mittelschule), Henriette Beltz (Leiterin Grundschule) im Speiseraum der Mittagsbetreuung zusammen mit Sabine Rieß, Raya Göbel und der 2. Vorsitzenden des Vereins Mittagsbetreuung, Gabriele Miler.

Kaufering – Es war wie ein Paukenschlag. Der Marktgemeinderat hatte in seiner jüngsten Sitzung die Mensapläne gekippt, trotz früher anders lautender Beschlüsse. „Zu teuer“, befanden die Marktgemeinderäte. Bei den Schulleiterinnen der Grund- und Mittelschule, Henriette Beltz und Renate Kindermann löste die Entscheidung Enttäuschung aus.

Mehr noch. Sie sind verärgert, weil sie nun vor dem Problem stehen, den Kindern im Rahmen der Ganztagsbetreuung die notwendige wie auch politisch gewollte Mittagsverpflegung zu gewährleisten. Bei steigenden Schülerzahlen in der Ganztagsbetreuung reichen die bisherigen Kapazitäten nicht mehr aus. Die neueste Kalkulation der Fachplaner hatte ergeben, dass die Kosten für die verschiedenen Alternativen des Neubaus einer Mensa mehr als doppelt so hoch sind als ursprünglich angenommen. 

Rund zwei Millionen Euro kämen auf die Marktgemeinde zu. Selbst nach Abzug der Zuschüsse sind die Kosten für die hochverschuldete Kommune nicht tragbar, befanden die Marktgemeinderäte einstimmig. Der Planungsausschuss hatte dem Marktgemeinderat empfohlen, den Tagesordnungspunkt abzusetzen und nach Alternativen zu suchen. „Damit sind wir wieder an dem Punkt, wo wir vor drei Jahren auch waren“, sagte Grundschulleiterin Henriette Beltz. 

Immer wieder hätten sich Planungen hinausgezögert, betonte Henriette Beltz, während wir zusammen mit dem „Förderverein Mittagsbetreuung“ mit viel Aufwand improvisiert haben, um den Kindern der Ganztagsbetreuung ein gesundes Mittagessen auf den Tisch zu stellen. 

Nach den Sommerferien kommt die dritte Ganztagsklasse an die Schule. Dann reicht der Platz definitiv nicht mehr aus, betonte die Schulleiterin. „Wir haben den Eindruck, dass unserer Arbeit und unser Anliegen an eine gesunde Ernährung nicht wertgeschätzt wird“, betonten beide Schulleiterinnen gegenüber dem KREISBOTEN. 

„Ich hätte mir gewünscht, dass vor einer Entscheidung die Verantwortlichen der Marktgemeinde sich mit der Schulleitung nochmal an einen Tisch setzen und gemeinsam nach Einsparmöglichkeiten sucht“, merkte die Schulleiterin Henriette Beltz kritisch an. 

Zwei Tage nach der Marktgemeinderatssitzung gab es dann eine Art „Krisengipfel“ zwischen Bürgermeister Erich Püttner und den Schulleiterinnen. Zweieinhalb Stunden wurde um Lösungen gerungen, denn die Zeit drängt. Zwei Alternativen wurden herausgearbeitet, die noch bis zu Beginn des neuen Schuljahres realisierbar wären, erzählte Henriette Beltz. Entweder wird das Essen woanders gekocht und dann zur Schule geliefert oder die Marktgemeinde beschafft einen Küchencontainer und nutzt die personellen Kapazitäten der Mittagsbetreuung. 

Wichtigstes Anliegen von Henriette Beltz und ihrer Kollegin von der Mittelschule ist es, dass die Kinder gesundes Essen bekommen. Sie lobte ausdrücklich die Köchinnen der Mittagsbetreuung, die mit ihren frisch gekochten Speisen den Qualitätsanforderungen an Schulverpflegung mehr als genügen. „Oft ist die Schulverpflegung für die Kinder die einzige warme Mahlzeit am Tag“, sagte Beltz. „Wir wollen die Kinder nicht nur abspeisen“, sagte die Leiterin der Grundschule. 

Hinter der Mittagsverpflegung stehe ein pädagogisches Konzept. Dazu gehöre, dass die Kinder lernen, einen Tisch zu decken und wieder abräumen. Sie lernen auch, wie man sich bei Tisch benimmt oder in Einzelfällen auch, wie man mit Messer und Gabel isst. 

Mittelschulleiterin Renate Kindermann hatte der Verwaltung angeboten, die kleine Aula der Mittelschule vorübergehend als Speisesaal zur Verfügung zu stellen. Der als Speisesaal entfremdete Gruppenraum in der Grundschule reicht für die drei Ganztagsklassen nicht mehr aus. Auch der Speiseraum der Mittagsbetreuung ist zu klein, um die insgesamt 180 Kinder der beiden Schulen zu verpflegen. 

Die Schulleitungen von Grund- und Mittelschule favorisieren die Containerlösung mit dem Personal der Mittagsbetreuung, auch wenn viele technische Fragen wie Standort oder Anschlüsse für Spülen noch geklärt werden müssen. Nun liegt es an der Verwaltung, die Kosten zu ermitteln und dem Marktgemeinderat zur Entscheidung vorzulegen.

Siegfried Spörer

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