Der Mensch in seiner Vielfalt

Josef Lang und sein „Jongleur“. Foto: Eckstein

Kleine Kinder und scharfe Messer sind für heutige Eltern keine gute Kombination. Im Fall des Bildhauers Josef Lang schon, denn bereits als kleiner Junge begann er zu schnitzen und versorgte die Nachbarskinder mit hölzernen Spielzeugpistolen. Aus dem Hobby wurde Beruf, seine überdimensionalen Holzskulpturen findet man auf Ausstellungen und im öffentlichen Raum in ganz Europa.

Holz und Plastilin waren für den kleinen Josef schon immer wichtiger als „normales“ Spielzeug oder Block und Stifte, denn Malen und Zeichnen erschienen ihm unzulänglich: „Ich wollte immer wissen, wie die Dinge von hinten aussehen“, erzählt er im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Doch erst als ihm seine Eltern ein Buch über Michelangelo schenkten, wurde ihm bewusst, was er eigentlich tat. „Vorher war das eher unbewusst, einfach so.“ Doch auf dem Land, zwischen Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit, wurde „Künstler“ als Berufswunsch eher skeptisch aufgenommen. Lang begann auf Drängen seiner Eltern zunächst eine kaufmännische Lehre, welchem er ein Abendstudium der Betriebswirtschaft anschloss. Doch neben Beruf und Familie besuchte er verschiedene Volkshochschulkurse in München wie Holzschnitzen oder Modellieren. Das Umschwenken auf den ursprünglichen Weg passierte eher zufällig, als er mit einem seiner VHS-Kurse die Bronzegießer der Akademie der Bildenden Künste in München besuchte und dort die Bekanntschaft von Prof. Erich Koch machte. Dieser erkannte Langs Begabung und nahm ihn unter Abkürzung des üblichen Bewerbungsprozesses als Studenten auf. Die Zeit vor Studienantritt nutzte Josef Lang für eine Steinmetzlehre. Auf Michelangelos Spuren begab er sich während eines Stipendiums der Accademia di Carrara. Langs Thema war und ist der Mensch. Bereits während seines Studiums begnügte er sich nicht mit der äußeren Form, sondern besuchte regelmäßig die Anatomie, um zu verstehen, wie Bewegung entsteht. „Mich hat immer interessiert, den menschlichen Körper künstlerisch zu erfassen. In unserer Klasse wurde viel Wert auf Naturstudien gelegt, denn erst, wenn die Basis stimmt, kann die eigene Interpretation beginnen“, erläutert der Künstler, der seit 1990 als freischaffende Bildhauer in Denklingen lebt. „Nur wenn das Innere stimmt, lebt die Figur.“ Und das ist wohl das Geheimnis seiner Figuren, die nur auf den ersten Blick einfach aussehen. Betrachtet man sie näher, erzählen sie ganze Geschichten, kommunizieren mit dem Betrachter. Nach einiger Zeit mit Stein und Bronze ist Josef Lang nach seiner Rückkehr aufs Land wieder zu seinem ersten Werkstoff Holz zurückgekehrt. Steht ein neuer Stamm auf der Drehscheibe seiner Werkstatt, verbringt Josef Lang erst einige Tage, um ihn genau zu betrachten, auf sich wirken zu lassen. Dann entsteht ein Bild, eine Idee, danach greift er zur Kettensäge. „Mit der Kettensäge kann man relativ spontan arbeiten und verschiedene Oberflächenstrukturen herausarbeiten. Wichtig ist auch, dass man damit die Bearbeitungsspuren erkennen kann“. Zwar arbeitet Lang auch kleinformatig, doch die großen Skulpturen haben es ihm angetan. „Es macht wahnsinnig Spaß, mit dieser Größe zu arbeiten.“ Wer glaubt, die farbigen Riesen, die zurzeit die Landsberger Altstadt bevölkern, seien damit gemeint, der täuscht sich. Langs größte Skulptur, die vor einem Gebäude in Burgau steht, misst sechs Meter, nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine technische und logistische Meisterleistung. Doch egal ob klein oder gigantisch, Lang bleibt seinem Thema treu: „Der Mensch ist so vielfältig, es ist unmöglich, ihn ganz und gar zu ergründen. Deshalb lässt mich das Thema nicht los.“ Die Ausstellung „Josef Lang - Skulpturen aus Holz“ ist noch bis zum 30. Oktober im Neuen Stadtmuseum und in der Altstadt von Landsberg zu sehen. Mit dem Thema „Die menschliche Figur in der Kunst“ befasst sich ein Vortrag von Prof. Andreas Kühne am Donnerstag, 13. Oktober, um 19 Uhr, ebenfalls im Neuen Stadtmuseum Landsberg.

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