Schlangenlinien auf der B17

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Landsberg – Sie fuhr Schlangenlinien auf der B17 und schlief schließlich am Straßenrand ein. Deshalb wurde eine 42-Jährige aus Füssen jetzt vom Amtsgericht Landsberg zu einer Geldstrafe verurteilt. Außerdem ist sie für insgesamt ein Jahr ihren Führerschein los. Erstaunlich an dem Fall war der relativ geringe Blutalkoholwert von 0,57 Promille. Das machte Richter Andreas Niedermeier misstrauisch.

Die Frage, ob noch andere Substanzen im Spiel gewesen seien, verneinte die Angeklagte aber. Sie sei Alkohol nicht gewohnt und habe sich an jenem Tag in einer psychischen Ausnahmesituation befunden, nachdem sie vom Selbstmord eines Bekannten erfahren habe. Darum hätten bereits die zwei Bier, die sie bei Freunden in München getrunken habe, ihre Fahrtüchtigkeit massiv beeinflusst. 

Wie das aussah, schilderte eine Zeugin, die am späten Abend des 25. April hinter der Angeklagten fuhr. Vom großen Kreisel im Landsberger Westen bog man auf die B17 Richtung Schongau. „Das Auto überholte mich und zog rüber bis auf das linke Bankett“, so die 49-Jährige. „Ich dachte, da schläft jemand am Steuer ein.“ Sie blieb hinter dem Fahrzeug, schaltete die Warnblinkanlage ein und drückte jedes Mal auf die Hupe, wenn der Wagen vor ihr zu weit nach links oder rechts ausscherte. Über ihre Freisprechanlage verständigte die Zeugin die Polizei, während das Auto vor ihr mit Tempo 60 immer weiter Schlangenlinien beschrieb. 

Inzwischen hatte die Angeklagte selbst gemerkt, dass sie nicht weiterfahren konnte. Sie steuerte auf Höhe Römerkessel eine Bucht am Straßenrand an und parkte dort. Als die Polizei eintraf, schlief sie tief und fest – ebenso ihr 13-jähriger Sohn, der auf der Rückbank lag. Die Beamten mussten mehrmals gegen die Scheibe klopfen, bis die 42-Jährige erwachte. Ihr Führerschein wurde an Ort und Stelle kassiert. Im Auto sahen die Beamten mehrere leere Bierflaschen. Diese hätten ihre Freunde ihr mitgegeben, damit sie das Pfand einlösen konnte, beteuerte die Angeklagte. „Ich muss leider aufs Geld schauen.“ Die Frau kommt als Künstlerin („ich fotografiere, entwerfe Kleidung und male“) offenbar kaum über die Runden. Unter ihren sechs Vorstrafen fand sich bereits eine Alkoholfahrt, auch war sie schon mehrmals als Temposünderin aufgefallen. 

Richter Niedermeier glaubte der Füssenerin, dass sie sich am fraglichen Tag in einer Krise befunden hatte. Die erhebliche Strecke, die sie in ihrem Zustand gefahren war – noch dazu mit ihrem Sohn im Auto – wertete Anklagevertreter Stephen Soßna allerdings als erschwerend. Die Angeklagte habe eine erhebliche Gefährdung für andere dargestellt. Soßna: „Wir können froh sein, dass die Zeugin so gut aufgepasst hat.“ 

Das Urteil – eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 20 Euro – entsprach dem Antrag des Staatsanwalts. Außerdem wird der Führerschein der 42-Jährigen für weitere sieben Monate einbehalten.

Ulrike Osman

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