Mesner mit Leib und Seele

Mehr als drei Jahrzehnte war Josef Böglmüller in Ludenhausen Mesner. Für viele war Böglmüller wohl kaum mehr aus der Ludenhausener Pfarrkirche wegzudenken. Jetzt – nach 32 Jahren treuem Dienst – hört der 78-Jährige, der jede Ecke und jeden Winkel des Gotteshauses kennt, als Mesner auf.

So ganz gewöhnt hat sich Böglmüller jedoch noch nicht daran, dass er jetzt im „Ruhestand“ ist: „Das Absperren der Kirche geht mir schon ab.“, bemerkt er mit einem Augenzwinkern – und man merkt, dass er den Dienst für die Ludenhausener Kirche wirklich mit Leib und Seele gemacht hat. Auch wenn es für ihn in früheren Jahren nicht immer einfach war, seine Landwirtschaft und die Arbeit des Mesners unter einen Hut zu bringen. Dies war überhaupt nur deswegen möglich, weil seine Frau Elfriede sowie auch Sohn Josef und Tochter Gabriele ihn bei seinen Aufgaben als Mesner immer so tatkräftig unterstützt haben und stets eingesprungen sind, wenn Not am Mann war. „Das war fast wie ein Familienbetrieb“, erzählt Böglmüller. Seine Ehefrau hat auch 28 Jahre lang die Kirche geschmückt. Eigentlich war es ja sowieso Böglmüllers Sohn gewesen, den der damalige Pfarrer Thomas Baumgartner vor 32 Jahren für den Mesnerdienst auserkoren hatte. Der Pfarrer habe damals immer zu seinem Sohn, der Oberministrant war, gesagt: „Josef, geh du machst das“, erinnert sich Böglmüller senior heute noch genau. Denn als Mesner Ferdinand Stark aus gesundheitlichen Gründen aufhörte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Weil der Oberministrant aber dann in Weilheim eine Lehrstelle zum Elektriker antrat, übernahm sein Vater die Aufgabe, sich um die Ludenhauser Kirche zu kümmern – und das hat Josef Böglmüller senior bis heute gemacht. Sechs Pfarrer und vier Kirchenpfleger hat es in Ludenhausen in dieser Zeit gegeben. Und natürlich hat sich in den mehr als drei Jahrzehnten auch sehr viel verändert: So kann der Mesner heutzutage die Glocken von zu Hause aus läuten, und eine Alarmanlage schützt jetzt vor Einbrechern. Außerdem erzählt Böglmüller, dass früher die Kirche nur mit Blumen aus Ludenhauser Privatgärten geschmückt worden sei. Aus seiner Mesnerzeit kann der gebürtige Ludenhausener so einiges berichten. Einer der Höhepunkte war der Besuch von Bischof Josef Stimpfle. „Mit dem Mann hat man sich sehr gut unterhalten können“, erinnert sich Böglmüller, der dem Bischof auch beim Umziehen helfen durfte, weil dessen Gehilfe gerade damit beschäftigt war, vor der Sakristei Zigaretten zu rauchen. Die Nachfolge des 78-Jährigen hat inzwischen Brigitte Seelau angetreten. Was der ehemalige Mesner jetzt mit seiner gewonnenen Freizeit macht? „Holz machen“, antwortet Josef Böglmüller – und zwar nicht nur für sich und seine Frau, sondern auch für seinen Sohn und seine Tochter.

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