"Die Lügen der Papageien"

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Die Metropol-Schauspieler überzeugten: Autor des Stücks in „Die Lügen der Papageien“ Matthias (Matthias Dudeck) erklärt Regisseurin Kathrin (Kathrin von Steinburg), warum er sein perfides Werk verfasst hat.

Landsberg – Theaterleiter Florian Werner sagt es gleich zu Beginn: „Das Stück beruht auf einer wahren Begebenheit“ – und das war so: Am Staatstheater Stuttgart gab es mal einen kleinen Schauspieler namens Ronnie. Der beging den fatalen Fehler, in der Kantine des Theaters – der Ort, an dem nichts geheim bleibt – über den Dramaturgen und Autor des Hauses zu lästern: „Nur papiernes Zeug“, man solle ihn rausschmeißen. Dieser Autor hieß Andreas Marber.

Marber schlug zurück und schrieb ein Stück. Extra für Ronnie. Darin muss die Hauptrolle, ein Schauspieler namens Ronnie, auf die Bühne gehen und sagen, dass er „ein Stück Scheiße“ ist. Weiterhin kommt darin ein Autor namens Andreas Marber vor. Der ist bei Weitem nicht sympathisch, er lacht sich über den Schauspieler kaputt, hetzt und lügt wie gedruckt. Aber er erklärt, warum er vom Hauptdarsteller verlangt, sich als Exkrement zu bezeichnen: Schauspieler plapperten immer nur alles nach, egal ob wahr oder falsch. Dieses Stück nannte Marber „Die Lügen der Papageien“.

In Stuttgart wurde es nie aufgeführt. Dafür schnappte sich Leander Haußmann Marbers Skript und brachte es 1995 in Bochum auf die Bühne. Eine weitere Perfidie, die Marber verlangte: „Bei der Aufführung sind die Namen der Personen durch die Namen der Darsteller zu ersetzen.“ So spielte im Stadttheater Martin Dudeck einen Schauspieler namens Martin Dudeck, Matthias Grundig war der Autor Grundig und Kathrin von Steinburg verzweifelte als Regisseurin Kathrin. Schauspieler Martin müht sich ab, den tragenden Satz „Ich bin ein Stück Scheiße“ überzeugend umzusetzen. Er verzweifelt daran, ebenso wie „die kleine, unbedeutende Regiemaus“ Kathrin. Da tritt der Autor Matthias auf: Er will sich am Schauspieler rächen, will sehen, wie er sich selber demütigt. Denn diese Szene „verhilft Martin zur Selbsterkenntnis“. Doch Martin kann es einfach nicht.

Vielleicht „hätten wir doch gegen den Typ besetzen sollen“, sagt der Autor. Die Kostüme von Cornelia Petz machen die Schauspieler noch lächerlicher: Alle drei tragen zerzausten Rokoko-Perücken. Am Ende versucht Martin ein letztes Mal, in seine Rolle zu schlüpfen. Er schafft es nicht. Denn laut Autor haben „Papageien auch Angst, etwas nachzusprechen, was sie nicht verstehen“. Das Licht wechselt, Martin nimmt die lächerliche Perücke ab. Er schlüpft endlich aus seiner Rolle heraus – ist somit auch nicht mehr Schauspieler. Die Akteure des Metropoltheaters sind in diesem „Stück über das Theater“ absolut überzeugend. Insbesondere Matthias Grundig als perfider, gehässiger Autor reißt mit und amüsiert.

Das Stück „Die Lügen der Papageien“ hingegen ist eher ein kleiner Witz, mit dem sich der Autor rächen wollte. Es ist amüsant, nett, erzählt den Zuschauern ein bisschen über Theaterschaffende, die auch nur Menschen sind. Mehr nicht. Das Metropoltheater erlaubt sich noch einen kleinen Seitenhieb: Damals in Stuttgart verlor ein Theaterkritiker, der selber ein unsägliches Stück geschrieben hatte, seinen Job. Dieser Kritiker kommt in Marbers Stück auch vor, beim Metropoltheater heißt er Egbert und arbeitet bei „Münchner Kultur“. Die gebe es doch gar nicht mehr, antwortet Schauspieler Martin. Die Antwort des Autors: „Genau, und da arbeitet Egbert.“ Wer damit gemeint ist, mag jeder selbst herausfinden.

Susanne Greiner

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