Ungewisse Zukunft

Es fehlen die Voraussetzungen

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Nur zu gelegentlichen Sonderfahrten verkehrt die Fuchstalbahn zwischen Schongau und Landsberg. Zu wenig Potenzial sieht auch Verkehrsminister Dobrindt für eine Reaktivierung.

Landsberg/Schongau – „Es fehlt schlicht die Nachfrage.“ Diese Worte bezieht Verkehrsminister Alexander Dobrindt auf das Fahrgast-Potenzial, das für eine Reaktivierung der Fuchstalbahn zwischen Landsberg und Schongau notwendig ist. Bei den Bemühungen mangele es weder am politischen Willen der Landkreise und Gemeinden noch am Einsatz auf Landes- und Bundesebene.

Zurzeit verkehren zwischen Landsberg und Schongau nur Güterzüge. Nach Auskunft der Augsburger Localbahn ist es von Montag bis Samstag täglich meist eine Hin- und eine Rückfahrt bis Schongau. Bei Bedarf käme ein zweiter Transport bis Schongau hinzu. Nicht so oft, aber regelmäßig werden auch Bahnhöfe im Fuchstal angefahren, so die Auskunft bei der Localbahn.

Die Strecke verdanke ihre Existenz der Tradition als Güter-Bahn seit 1886, beantwortet Minister Dobrindt eine Anfrage des KREISBOTEN. Die Mitglieder der Initiative Fuchstalbahn würden das Erbe dieser traditionsreichen Strecke pflegen und mit ihren Sonderfahrten außerdem „auf die grundsätzliche Möglichkeit“ einer Streckenreaktivierung hinweisen. Doch fügt Dobrindt hinzu: „Nach meiner Kenntnis wird aber innerhalb der Initiative nicht angezweifelt, dass die notwendigen Voraussetzungen dafür momentan fehlen.“

Der Minister und Bundestagsabgeordnete für den Stimmkreis Weilheim verweist vielmehr auf die „gemeinsame Agenda“ von Bund, Land und Landkreis Weilheim-Schongau für die Pfaffenwinkelbahn. Sie werde schneller, sicherer und komfortabler. „Für einen Bahnhaltepunkt am Krankenhaus Schongau prüfen wir momentan die Möglichkeit einer Realisierung“, heißt es in der Antwort aus Berlin.

Ergänzender Beschluss

Der Landsberger Landrat Thomas Eichinger verweist darauf, dass der Kreisausschuss in seiner Sitzung im Juni 2016 dem Fortschreibungsentwurf des Regionalplans München grundsätzlich zugestimmt habe und ergänzend beschlossen habe, die „Wiederaufnahme des Betriebes der Bahnstrecke Landsberg-Schongau auch zukünftig im Regionalplan zu verankern und den Entwurf zur Gesamtfortschreibung des Regionalplans zu ergänzen“. Dies habe der Landkreis bei seiner Stellungnahme vom 15. Juni 2016 im Rahmen des Beteiligungsverfahrens beim Planungsverband auch entsprechend gefordert.

Die Weilheim-Schongauer Landrätin Andrea Jochner-Weiß findet es „selbstverständlich sehr schade“, dass der Satz „Der Betrieb auf der Strecke Landsberg – Schongau soll wieder aufgenommen werden“ aus dem neuen Regionalplan entfernt werden soll. Freilich gibt sie zu bedenken, dass der Freistaat Bayern auf Reaktivierungsstrecken Zugbestellungen nur dann prüft, wenn drei bayernweit geltende Kriterien erfüllt werden.

Drei Kriterien

So müsse eine vom Freistaat anerkannte Prognose ein Potenzial von mindestens tausend Reisenden pro Werktag nachweisen. Zudem müsste die Region bereit sein, die Strecke ohne finanzielle Beteiligung des Freistaats zu ertüchtigen und dauerhaft zu betreiben. Dazu gehören die Strecke selbst, Unterbau, Oberleitungen, Ingenieurarbeiten, Bahnsteige mit einer Höhe von 55 Zentimetern und einer Bahnsteiglänge von 120 Metern, Maßnahmen zur Erhöhung der Geschwindigkeit (Strecke derzeit nur für Langsamfahrt ausgelegt) und eine Auflassung oder technische Sicherung der Bahnübergänge. Und drittens: Die Nutzungsentgelte für die Infrastruktur dürften das Niveau vergleichbarer Strecken bei der Deutschen Bahn AG nicht übersteigen.

Landrätin Jochner-Weiß fährt fort, dass nach den Einschätzungen der Fachbehörden „erhebliche Zweifel“ daran bestünden, die Zahl von tausend Reisenden pro Werktag und Bahn-Kilometer zu erreichen. Ursache seien die verhältnismäßig dünne Besiedlung der Region, die siedlungsferne Lage vieler Bahnstationen und die gute Ausbauqualität der parallel laufenden Bundesstraße 17.

Der Landsberger Landtagsabgeordnete Alex Dorow verdeutlicht, dass der Freistaat Bayern zu einer möglichen Reaktivierung des Personenverkehrs bisher keine Investitionen vorgenommen habe, da dies einen Beschluss der beteiligten Landkreise voraussetze. Dies sei bislang nicht geschehen.

Dorow ergänzt freilich seine Erfahrung, die er in zahlreichen Gesprächen mit Bürgern und Vertretern von Unternehmen gemacht habe, die innerhalb des Stimmkreises entlang der Strecke nach Schongau liegen. Da gebe es bisher keine „signifikanten Forderungen“ bezüglich einer Wiederaufnahme des Personenverkehrs durch die Fuchstalbahn.Bisher kein Cent

Zurzeit schwierig

Denklingens Bürgermeister Michael Kießling sieht die Reaktivierung zurzeit als schwierig an. Abgesehen von den Kosten erscheint ihm die tatsächliche Nachfrage für diese Anbindung gering zu sein. „Denn seitens der Bürger wurde an mich diese Forderung ,nur‘ über die Initiative Fuchstalbahn herangetragen“, bekundet der Rathauschef.

In vielen persönlichen Gesprächen mit Bürgern und Vertretern aus Unternehmen, die er in den letzten Jahren geführt hat, habe die Wiederaufnahme des Personenverkehrs mit Hilfe der Fuchstalbahn keine oder wenn, dann nur eine untergeordnete, Rolle gespielt. Dies sei auch der Grund, warum die Fuchstalbahn im Gemeinderat noch kein Thema war – mit Ausnahme des Stichworts Bahnübergänge. Für eine mögliche Wiederaufnahme des Personenverkehrs müssen laut Kießling Bedarf und Wirtschaftlichkeit untersucht werden. „Den Regionalplan sehe ich in diesem Punkt als zweitrangig.“

Weiter vertreten

„Selbstverständlich bleibt die politische Forderung unseres Vereines nach einer Wideraufnahme des Personenverkehres weiterhin bestehen.“ Dies betont Tyll-Patrick Albrecht aus Denklingen, Vorsitzender der Initiative Fuchstalbahn mit ihren 60 Mitgliedern. Daran werde man festhalten – auch deswegen, weil die Strecke für den Güterverkehr unerlässlich sei und deswegen ja gerade von DB Netz in den letzten Jahren nachhaltig ertüchtigt worden sei. Und dass in Denklingen und Asch/Leeder in den nächsten Jahren automatische Bahnübergänge errichtet werden müssen, sei auch klar.

Albrecht kommentiert es so: „Wir können nicht nachvollziehen, dass man ein solches „Juwel“ – eine sehr gute Infrastruktur in Form einer Bahnlinie – nicht auch für den Personenverkehr nutzt, zumal die Orte Denklingen und Asch/Leeder in den letzten Jahren gewaltig gewachsen sind und sich seit der Einstellung des Personenverkehrs 1984 fast verdoppelt haben.“ Das Argument mit der Entfernung der Dörfer von der Strecke sei daher ein „Totschlagargument“. Es zeige aber, dass diejenigen, die es verwenden, die Realität nicht wirklich wahrnähmen.

Spannend sei, dass die Bayerische Regiobahn ab 2018 auch die Strecke nach Landsberg übernimmt – also von Augsburg dann am Ammersee entlang auf der einen Seite nach Weilheim und weiter nach Schongau fährt und auf der anderen im Lechfeld von Augsburg nach Landsberg. Beide Strecken gehörten doch verbunden.

Johannes Jais

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