Jubiläum im s'Maximilianeum

Musik mit totem Bock

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Ein Instrument oder doch eher ein totes Tier, das Tom Hake (rechts) im Arm hat? Lokalmatadoren Mistcapala beim 25-Jährigen des s’Maximilianeum. Neben Hake Vitus Fichtl an der Gitarre, Armin Federl am Akkordeon und Tobias Klug am Bass.

Landsberg – Kabarett, Comedy und Musik: Zum 25-Jährigen der Kleinkunstbühne s’Maximilianeum tischten die Veranstalter nur vom Feinsten auf. Am von B2 aufgezeichneten ersten Tag wetteiferten Maxi Schafroth und Rolf Miller um die besten Pointen, während Poet Philipp Scharri als „manisch-kreativer Bühnenderwisch“ slamte. Den Staffelstab übernahm am zweiten Abend in exzellenter Boshaftigkeit Kabarettist Max Uthoff und übergab ihn zum Abschlussabend an die Lokalmatadore Mistcapala, die schon den allerersten Abend der Kleinkunstbühne 1991 bestritten hatten. Mit dem Programm „Wurst statt Käse“ verschafften sie dem begeisterten Publikum einen Abend mit massiver Lebensfreude, schrägem Humor und seltsamsten Instrumenten.

Da wäre zum Beispiel der fränkische Dudelsack, der eher einer toten Ziege denn einem Instrument gleicht. Nicht umsonst heißt er auch Bockpfeife. Weshalb er auch Einreiseprobleme in die saubere Schweiz verursacht: Tom Hake überzeugt mit Schweizer Dialekt und minimalistisch träger Mimik als Eidgenosse, der sich am toten Bock stört. Hake spielt eigentlich Gitarre, greift aber auch gern zu Mandoline, Drehorgel, einer Percussion-Computertatstatur oder gar zum Theremin: einem elektrischen Instrument von 1919. Gespielt wird es ohne Berührung – oder von Mistcapala anders formuliert: „Man rudert orientierungslos in der Luft. Viele Spieler sind sehr früh verstorben“, weshalb „Thereminator“ Hake in einen Schutzanzug schlüpft, um mit kleinem Orchester und Popcornmaschine eine Sarabande von Händel zu spielen – so lange, bis er raucht.

Armin Federl, Mitbegründer und damit „Vereinsmumie“ vom s’Maximilianeum, ist mit seiner Quetschen das Gerüst der Band. Was er noch kann: mit Schuhspannern Musik machen und gnadenlos schlechte Witze erzählen. Oder auch Gedichte: Sein absurdes Reim-Dich-Oder-Ich-Fress-Dich-Frühlingsjagdgedicht ließ kein Tier am Leben und sorgte für fast schon manische Heiterkeitsausbrüche. Tobias Klug ist der tragende Bassist, zeichnet sich aber auch durch seine volle Haarpracht aus, während der Rest der Truppe laut Hake eher „Basteln mit Resthaar“ veranstaltet. Klug kann aber auch den jodelnden Sachsen auf bajuwarisch karierter Ukulele. Und Vitus Fichtl an der Gitarre wandelt gerne in fremden Kulturen: Als chinesischer Kungfu-Blockflötist oder als „Ronny Rakete“, Countrylegende aus Kleinkitzighofen, schrappt er nur knapp am kompletten Unsinn vorbei.

Die Musiker firmieren auch als böhmische Kurband „Jaroslav Miller und seine vier Halunken“. Um Queens „Bohemian Rhapsody“ standesgemäß zu spielen, muss auch noch Ralf aus dem Publikum dazu: Minicymbals sind sein Instrument, auf dessen Einsatz er gebannt wartet. Hake wimmert stilgerecht alias Mercury „Mama“ ins Mikro, Federl und Klug flippen beim schnellen Teil fast aus – und auch Ralf darf: ein kleines „Pling“ am Ende. Doch damit er nicht zu kurz kommt, wird er noch zum Flirtobjekt, wenn Hake in rosa Jackett, zu viel Parfüm und triefenden Tönen Howard Carpendale imitiert. Und letztendlich machen die Vier noch Werbung. Das Superangebot: Melodicas, deren Tauglichkeit Mistcapala synchron samt Anblasschlauch und Sonnenbrille vorführen.

Nach zwei Zugaben, zu sehen dabei auch die mittelalterlich teilweise knapp behosten „Spielleut Ohrenpein“, beendeten Mistcapala die Jubiläumsfeier. Erster Vorsitzender Rolf Lang war glücklich: „Es war zwar auch etwas anstrengend, aber wir hatten sehr viel Spaß und einfach drei grandiose Abende. Das ist ein tolles Team.“ Besonders gefreut habe er sich auch über die Grußworte von Norbert Kreuzer und Helmut Schleich. Alle Veranstaltungen waren komplett ausverkauft. Und das heißt: Um der Kleinkunstbühne s’Maxiilianeum zu ihrem immer hervorragenden Programm der letzten 25 Jahre zu gratulieren, kamen über 1000 begeisterte Gäste.

Susanne Greiner

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