"Mit so einem Zeitablauf nicht mehr!"

Kinderfest oder nicht – mit mobilen Nintendo-Stationen unterhielt der Media Markt im InCenter die junge Kundschaft beim verkaufsoffenen Sonntag, der auch ohne „City Management Landsberg“ zu einem Riesenerfolg wurde. Foto: Schwaiger

Nicht zum ersten Mal hat der Verein „City Management Landsberg“ um seinen 1. Vorsitzenden Peter Purrmann für Verwirrung und Verärgerung gesorgt. Viel zu spät war der Antrag für das Kinderfest als Grundlage für den jüngsten verkaufsoffenen Sonntag in Landsberg eingereicht worden, viel zu spät kam danach seine Absage. Vielen Händlern war das letztlich einerlei, sie öffneten die Ladentüren wie geplant und hatten damit einen Riesenerfolg. Aus Sicht der Stadt hat Purrmann das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht, das zieht Konsequenzen nach sich. Der KREISBOTE sprach darüber mit Oberbürgermeister Ingo Lehmann.

Herr Lehmann, das Durcheinander um den verkaufsoffenen Sonntag hat viele Bürger, aber auch Einzelhändler sehr verärgert. Was sagen Sie dazu? Lehmann: „Auch ich habe mich darüber geärgert, dass die Sache so gelaufen ist. Man sollte aber bei dem Ärger nicht alles in einen Topf werfen, sondern genauer hinschauen, wer wofür verantwortlich ist.“ Also dann die direkte Frage: War hat an dem Schlamassel schuld? Lehmann: „Diese Frage kann man dann leicht beantworten, wenn man sich vor Augen hält, wie ein Genehmigungsprozess normalerweise verlaufen sollte. Ein möglichst frühzeitig gestellter Antrag eines Veranstalters auf Genehmigung kann von unserem Ordnungsamt bearbeitet werden, es bleibt Zeit für Rückfragen beim Antragssteller und auch hinterher noch Zeit, um über Auflagen zu diskutieren und Alternativen zu besprechen. Es ist auch Aufgabe eines Veranstalters sich bereits frühzeitig selbst und verantwortungsbewusst Gedanken zu machen, welche Maßnahmen notwendig sind, um einen ordnungsgemäßen Verlauf der Veranstaltung zu sichern. Eventuelle Mängel im Veranstaltungs­konzept versucht das Ordnungsamt dann durch entsprechende Auflagen zu reparieren.“ Also ist es hier anders gelaufen? Lehmann: „Absolut! Wir haben einen genehmigungsfähigen Antrag sechs Werktage vor der Veranstaltung bekommen. Dies zu einem Zeitpunkt, als der Veranstalter bereits nach außen kommuniziert hatte, dass der Marktsonntag stattfindet. Ich wundere mich, dass sich die Firmen auf dieses Risiko eingelassen haben, groß in die Werbung zu gehen, ohne dass der Marktsonntag genehmigt ist. Richtig ist es andersrum: erst die Genehmigung und dann die risikolose Werbung für den Marktsonntag.“ Und weiter? Lehmann: „Am Mittwoch vor dem Marktsonntag haben wir morgens den Veranstalter angerufen, der Bescheid könne abgeholt werden. Die Abholung erfolgte aber erst am Donnerstag vormittag. Herr Purrmann, der Vorsitzende des Vereins Citymarketing hat den Bescheid und die Auflagen durchgelesen und sich nur gegen die Auflage gewandt, einen Toilettenwagen bereit zu stellen. Alles andere wurde zu diesem Zeitpunkt nicht in Zweifel gezogen.“ Waren denn die Auflagen überzogen? Lehmann: „Wenn ein Veranstalter 5000 Besucher in der Innenstadt ankündigt, muss die Frage Toilettenwagen geprüft werden, insbesondere bei einem Kinderfest. Ich möchte diejenigen, die dies für überzogen halten, hören, wenn ohne Toilettenwagen entsprechende Probleme auftauchen. Bei Stadtfest oder Lumpiger Donnerstag ist dies selbstverständlich, bei anderen Großveranstaltungen auch.“ Sie waren ja bereit, auf den Toilettenwagen zu verzichten? Lehmann: „Das ist das Dilemma bei dem geschilderten Zeitablauf. Unser Ordnungsamt steht eineinhalb Tage vor der Alternative, diese Veranstaltung mit dem ganzen Aufwand für den Einzelhandel am Toilettenwagen scheitern zu lassen. Deshalb hätten wir dann, gegen unsere Überzeugung, in dieser Frage nachgegeben, da sie nicht unmittelbar sicherheitsrelevant ist. Wenn man aber dann aus diesem Nachgeben den Schluss zieht, die Auflage wäre überzogen gewesen, wie dies der Veranstalter mir geschrieben hat, dann verbaut man sich die Gesprächsmöglichkeiten für die Zukunft.“ Hätte dann der Marktsonntag nicht ohne das Kinderfest stattfinden können? Lehmann: „Die Rechtslage ist eindeutig: ohne Markt, Messe, Ausstellung oder gesondertes Ereignis wie etwa ein großes Kinderfest darf kein Marktsonntag stattfinden. Kirchen und zahlreiche Verbände, aber auch die betroffenen Arbeitnehmer beklagen die Ausweitung von Marktsonntagen nur aus Kommerzgründen und ohne oder nur mit Alibi-Anlass. Das darf nicht sein. Da muss man sich für den Anlass schon Mühe geben.“ Für die Zukunft heißt das? Lehmann: „Wenn ich sehe, welchen Aufwand insbesondere die großen Einzelhändler, von Media-Markt bis zu den Baumärkten, die alle am Stadtrand liegen, in ihre Werbung stecken, dann erwarte ich dieses Engagement und diese Professionalität auch beim Kinderfest oder anderen Ereignissen, die den Marktsonntag rechtfertigen. Und ich weiß auch, dass einige bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Jedenfalls ist eines klar: auf diesen Zeitablauf kann sich die Stadt nicht mehr einlassen. Das Ordnungsamt wird einen frühzeitigen Termin festlegen, bis zu welchem die Unterlagen komplett vorliegen, danach geht nichts mehr.“

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