"Mit Offenheit, Geduld und Freude"

„Wir wollen helfen!“ Wolfgang Danner, Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der Jugendhilfeeinrichtung BRÜCKE Landsberg“. Foto: Eckstein

Straffällige Jugendliche: es gibt sie, doch was genau mit ihnen passiert, was aus ihnen wird, wenn sie einmal vor Gericht gestanden haben, wissen meist nur die Betroffenen selbst. Wer genau hinschaut und sich darum kümmert, dass diese Jugendlichen wieder den Weg zurück in die Gesellschaft finden, ist der gemeinnützige Verein „BRÜCKE Landsberg e.V.“.

Das Angebot der „BRÜCKE“, einem geschützten Namen, unter dem deutschlandweit Jugendhilfe angeboten wird, besteht aus mehreren Komponen­- ten: zum Einen werden hier die gerichtlich angeordneten Arbeitsweisungen, die sogenannten „Sozialstunden“ koordiniert. „Das bedeutet, wir suchen die geeigneten Stellen aus und schauen, welcher Jugendliche dazu passen könnte. Zudem kontrollieren wir, ob die Stunden auch erfüllt werden“, erklärt Wolfgang Danner, Diplom-Psychologe und seit einem halben Jahr Geschäftsführer des Vereins. Rund 300 Jugendliche wurden im vergangenen Jahr zur Ableistung ihrer Arbeitsstunden vermittelt. „Die Jugendlichen arbeiten hauptsächlich in sozialen und öffentlichen Einrichtungen, im Bauhof, den Parkgaragen oder auch in Altersheimen. Allerdings wären wir froh, wenn noch mehr Einrichtungen oder auch Firmen solche Stellen anbieten würden, die die Jugendlichen stundenweise und ohne große Einarbeitung ausfüllen könnten“, wünscht sich Wolfgang Danner. „Es geht ja auch darum, einen sozialen Auftrag anzunehmen.“ Ein weiteres Feld sind die sogenannten Betreuungsweisungen. Dabei werden die Jugendlichen vom Jugendrichter ange­- wiesen, sich für einen bestimmten Zeitraum der persönlichen Betreuung durch die „BRÜCKE“ zu unterstellen. „Das begreifen die meisten als Riesenchance. Sie müssen zwar verpflichtend kommen, merken aber schon bald, dass sie es eigentlich gerne tun“, erklärt Danner. Ursachenforschung Durch diese Maßnahmen, die zwischen sechs und zwölf Monate dauern, sollen die Jugendlichen bei der Bewältigung ihrer Lebenssituation unterstützt werden, Alltagsprobleme werden analysiert, aber auch die Taten selbst werden aufgearbeitet. „Dabei handelt es sich vorwiegend um Körperverletzung, Eigentumsdelikte, Computerbetrug, aber auch um Ordnungswidrigkeiten wie ständiges Schulschwänzen. Uns geht es dabei vorrangig um die Ursachenforschung“, erklärt der Psychologe. An Jugendliche, die bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, richtet sich der „Soziale Trainingskurs“. Auf richterliche Anweisung absolvieren sie ein dreimonatiges Training, das die Stärkung des Sozialverhaltens und die Förderung des beruflichen und sozialen Alltags zum Schwerpunkt hat. „Ziel ist hier, die soziale Kompetenz zu stärken“. Ein neues BRÜCKEN-Angebot ist das „Soziale Intensivtraining“, das sich nicht nur an Ersttäter richtet, sondern auch an Jugendliche, die von den Schulsozialarbeitern als auffällig eingestuft werden. „Die möchten wir damit gleich auffangen, bevor Schlimmeres passiert“, betont Danner. Der erste Kurs Mitte Januar sei sehr erfolgreich ge­- wesen, „das ist super gelaufen!“ Mit Gerichtshilfe Gemeinsam mit der Jugendgerichtshilfe organisiert die „BRÜCKE“ auch den Täter-Opfer-Ausgleich. „Dabei geht es um eine außergerichtliche Einigung, bei der sich Täter und Opfer annähern und die Täter eine Wiedergutmachung leisten.“ Praktisch für die Zusammenarbeit ist, dass die Jugendgerichtshilfe zwar eine eigen­- ständige Einrichtung des Landratsamtes ist, aber seit Januar Untermieter in den Räumen der „BRÜCKE“ in der Vorderen Mühl­gasse. Zudem ist der Leiter der Jugendgerichtshilfe, Robert van der Vlies, gleichzeitig Gründer und Vorstand der „BRÜCKE“. „Das ist Zufall, aber ein guter und praktischer Zufall“, sagt Wolfgang Danner. Froh ist er auch darüber, dass die „BRÜCKE“ seit einen halben Jahr eine eigene Geschäftsstelle hat. „Der Verein wurde zwar bereits 2007 gegründet, bis Juli letzten Jahres lief aber alles ehrenamtlich“. Ins soziale Gefüge Seit seiner Gründung hat sich der Verein die Präventionsarbeit und die Resozialisierung straffälliger Jugendlicher auf die Fahnen geschrieben: „Wir wollen helfen, dass nichts passiert, und die Jugendlichen dabei unterstützen, wieder in das soziale Gefüge hineinzukommen.“ Doch dazu braucht es Geld. Finanziert wird der Verein hauptsächlich durch Zuschüsse des Jugendamtes und aus Bußgeldern der Gerichte, aber es ist knapp. „Die Straftaten werden vielfältiger, so dass wir ständig neue Kurs- und Hilfsmodelle ent­wickeln, die aber finanziert werden müssen“, erklärt der Geschäftsführer, „Wir möchten auch, dass die Öffentlichkeit sieht, was wir mit den Jugendlichen arbeiten. Leider denken viele, die kommen nur her zum Kickerspielen und Reden“. Wolfgang Danner hofft, dass der Verein durch einen größeren Bekanntheitsgrad Fördermitglieder oder Spenden gewinnen kann. „Denn wir sind mit unserem Konzept auf einem erfolgreichen Weg, wir können die Rückfallquote deutlich reduzieren, die Wiederholungstäter sind weniger geworden. Wir wollen die Jugendlichen auf einen guten Weg bringen, mit Offenheit, Geduld und Freude.“ Kontakt: „BRÜCKE Landsberg e.V.“, Vordere Mühlgasse 189, Tel. 08191/30 55 722, Internet: www.bruecke-landsberg.de.

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