Smartphone-Konkurrenz:

Eine Stadt, zwei "Apps"

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Der Smartphone-Nutzer in Landsberg hat die Qual der Wahl: Lieber die App der Einzelhändler (oben) oder die Mobile Website der Stadt (rechts)? Beide Angebote weisen jeweils Stärken und Schwächen auf.

Landsberg – Vielerorts ist es Standard: mit einem Smartphone Daten über die nähere Umgebung finden zu können. Auch in Landsberg hat man die Thematik erkannt. Das Problem: Monatelang strickten Teile der Einzelhändler und die Stadtverwaltung an ihren Anwendungen – wohlwissend getrennt voneinander.

Jetzt ist das Kind endgültig in den Brunnen gefallen, Monate nach der „App“ der Einzelhändler-Fraktion wurde jetzt mit einem offiziellen Pressetermin auch die „Mobile Website“ der Stadt vorgestellt. In der Verwaltung hat man sich nach intensiver Vorarbeit mit mediaprint aus Mering, einem Ableger des ehemaligen WEKA-Verlages, einen Partner gesucht, der Ähnliches bereits in mehreren bayerischen Städten (und auch außerhalb des Freistaates) umgesetzt hat. mediaprint bietet das standardisierte Angebot für die Stadt kostenfrei an. Finanzieren soll es sich für den Verlag innerhalb der nächsten drei Jahre (solange läuft der Vertrag) über Einzelhändler, die auf dem Angebot werben. Diese Zielgruppe ist allerdings längst bei der „City-Einkauf-Landsberg“-App am Start.

Diese gab die AG Innenstadt, die einen Teil der Einzelhändler repräsentiert, im vergangenen Jahr bei „Röhler Marketing“ aus Landsberg in Auftrag. Beim AG-Stammtisch wurde das Konzept vorgestellt, seit Sommer 2012 ist man online. Eine Konkurrenz zur Stadt Landsberg wollte man durch rechtzeitige Gespräche vermeiden; doch genau diese Konkurrenzsituation scheint es jetzt zu geben. „Wir haben eine für den Nutzer völlig unbefriedigende Situation“, sagt Tobias Frage von der AG Innenstadt. „Leider hat die Stadt hier Verträge geschlossen, obwohl wir offiziell informiert haben, dass wir eine App planen. Das Ergebnis kann niemand zufriedenstellen.“

Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) freute sich wiederum bei der Vorstellung der mobilen Version des Internetauftritts der Stadt darüber, dass man mit der mobilen Website „den Nerv der Zeit getroffen“ habe – über die konkurrierende „App“ verlor man kein Wort. „Wir setzen auf mobile Websites“, so Thomas Eberling vom mediaprint infoverlag bei der Vorstellung. „Das steigende Angebot der Apps betrachten wir eher kritisch. Wir denken nicht, dass sich das auf Dauer durchsetzen wird.“ Interessant: Der Verlag vermarktet das Angebot ausgerechnet unter der Internetadresse cityapp.de und hat der Konkurrenz auch landsberg-app.de weggeschnappt.

Kleiner Unterschied

Für den Nutzer, der auf solche Spitzfindigkeiten keinen Wert legt, ist der Unterschied eher akademischer Natur. Wer vom Smartphone www.landsberg.de aufruft, wird ab sofort auf das mediaprint-Angebot weitergeleitet. Wer über den QR-Code, cityeinkauf-landsberg.die-app.de oder die Facebook-Seite der Einzelhänder geht, kommt zur Anwendung der Einzelhändler. OB Neuner steht zu der getroffenen Entscheidung der Stadt: „Wir präsentieren hier keine App, sondern eine mobile Website, das ist ein Unterschied.“

Die Inhalte sind im Moment allerdings bei beiden Angeboten noch ausbaufähig. Die Suche nach „Öffentlichen Toi­- letten“ etwa, ist im Angebot der Stadt vorbildlich abgebildet, wie auch die städtischen Spielplätze, Kindergärten und Behörden. Sauber umgesetzt ist auch der Stadtplan mit Sehenswürdigkeiten (von Google), der bei der Konkurrenz fehlt.

Dafür hakt es bei der Stadt an anderen Stellen erheblich. Unter „Gesund&Schön“ findet der Besucher exakt zwei Punkte: „Inselbad“ und „Lebenshilfe für Behinderte e.V.“. Sucht man nach Sportmöglichkeiten, findet man dort als einzigen Eintrag „Städtisches Sportzentrum“, Verweise auf die großen Landsberger Vereine, Hallen, Plätze oder den Sportpark fehlen.

Die Berufsschule in der Spitalfeldstraße ist nicht etwa unter „Berufsschulen“ eingetragen (dort ist das Agrarbildungszentrum aufgeführt), sondern unter „Realschulen“. Einkaufs- möglichkeiten fehlen komplett. „Das wird in den nächsten Monaten dazukommen“, so Eberling. „Wir wollen dabei relativ diskret auf die Händler zugehen und klarmachen, dass wir ein nachhaltiges und solides Produkt haben.“

Die „App“ ist da schon weiter und hat die potenziellen Werbekunden längst abgeklappert. Somit ist das Suchangebot breiter aufgefächert, doch sind in den Fachbereichen renommierte Landsberger Geschäfte nicht zu finden – es taucht nur auf, wer bezahlt hat. Dementsprechend findet man als mobiler Nutzer derzeit nur sechs Gastronomiebetriebe, einen einzigen Arzt, eine Bank und einen Steuerberater, öffentliche Einrichtungen fehlen komplett.

Mit Lücken

Beim Thema Hauptplatzumbau schlägt die „App“ die Stadt klar: Das private Angebot bietet Videos mit den Anfahrtswegen, Bilder vom Umbau und viele Informationen (wenn auch nicht sehr aktuell). Die Site der Stadt ist rein textbasiert und verweist auf die „günstigen Parkmöglichkeiten“, die bekanntlich inzwischen so günstig nicht mehr sind. Bei der „App“ wiederum hat man die drastische Erhöhung der Parkgebühren noch gar nicht registriert und nennt die alten Tarife.

Fazit: Sollten sich beide Seiten nicht aufeinander zubewegen, wird es für Besucher der Stadt Landsberg, die sich mit mobilen Geräten informieren wollen, auf Jahre dabei bleiben, dass sie mindestens zwei Angebote abfragen müssen – die beide ihren Anspruch noch nicht erfüllen. Für mobile Nutzer: www.cityeinkauf-landsberg.die-app.de und www.landsberg.de; für PC-Nutzer: www.cityeinkauf-landsberg.de und www.landsberg-app.de.

Christoph Kruse

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