Radeln in Landsberg

"Das Flickwerk beenden"

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Einfädeln mitten auf dem Schongauer Dreieck (Bild links)? Mit einer anderen Linienführung (Fotomontage Mitte) oder einer Radwegmarkierung (Fotomontage rechts) wäre das Problem gelöst.

Landsberg – „In Landsberg hat man Radwege meist aus Autofahrersicht geplant. Ziel war, die Radler von der Fahrbahn zu entfernen. Das Ergebnis ist ein Flickwerk.“ Das sagen die Grünen-Stadträte Moritz Hartmann und Henrik Lüßmann. Bei einer Tour quer durch die Stadt, an der auch Stadtbaumeisterin Birgit Weber teilnahm, machten sie jetzt auf kritische Stellen aufmerksam. Im anschließenden Gespräch mit dem KREISBOTEN wurde deutlich, dass viele Probleme einfach lösbar wären.

Bei ihrer Rundfahrt haben sie sich auf Straßen konzentriert, in denen „Tempo 50“ gilt. „Bei Tempo 30 gibt es wenig Probleme – da schwimmen Radfahrer im Verkehr einfach mit“, sagen Hartmann und Lüßmann, zumal der Radverkehr durch die zunehmende Zahl von E-Bikes schneller geworden sei. Allerdings bedeute dieser technologische Sprung auch: „Radfahrer frei“ auf Gehwegen „wird zu einem größeren Problem als es jetzt schon ist“.

Die Stadträte Moritz Hartmann (links) und Henrik Lüßmann auf dem Weg zum KREISBOTEN-Gespräch.

Die beiden Stadträte wissen, wovon sie reden. Hartmann fährt 10.000 Kilometer im Jahr mit seinem Pedelec und auch Lüßmann ist viel mit dem Rad unterwegs, unter anderem täglich von Landsberg nach Kaufering. In Landsberg habe man oft versucht, Straßen mit Hilfe von Schildern umzufunktionieren, anstatt bauliche Maßnahmen zu treffen. Zwar plädieren auch sie nicht für hemmungsloses Geldausgeben – zumal: „Wenn wir Straßen umbauen, zahlen die Anwohner ja immer mit.“ Aber wenigstens bei ohnehin stattfindenden Veränderungen könne man dem Radverkehr mehr Rechnung tragen. Und außerdem gebe es auch noch kostengünstige Möglichkeiten von Markierungen über Temporeduzierung bis hin zu Pflanzkübeln.

Das Kernargument von Moritz Hartmann und Henrik Lüßmann lautet: „Der Autoverkehr läuft nur dann flüssig, wenn wir die Straßen entlasten. Wir müssen erreichen, dass Menschen für kurze Strecken und innerstädtische Wege mehr das Fahrrad nutzen. Wir müssen Fahrradstadt werden, um Autofahrerstadt zu bleiben.“

Dass es dabei manchmal nur um Kleinigkeiten geht, zeigt das Beispiel • Spöttinger Straße. Am Hungerbachweg werden Radfahrer aus Richtung Hindenburgring ausgebremst, um Autofahrern Vorrang zu geben; direkt daneben, im Kreisverkehr, hätten sie Vorfahrt. Hundert Meter weiter, am Jugendzentrum, sei ein Schleichweg entstanden, weil die offizielle Auffahrt vom Radweg auf die Straße fast im 90-Grad-Winkel verläuft. Anstatt dem Rechnung zu tragen, habe die Stadtverwaltung den Schleichweg durch Anpflanzungen versperrt. Neue Radwege seien an der Spöttinger Straße aber nicht sinnvoll. „Da kommt bald ohnehin zweimal Tempo 30, wegen Kindertagesstätte und Altenheim“, da wäre eine Zwischenlösung falsch.

An der • Iglinger Straße habe man „Scheinsicherheit“ geschaffen, indem man Radfahrern trotz Tempo 30 die Gehweg-Mitbenutzung erlaubte. „Ein Schild soll‘s richten“. Optisch handele es sich aber nach wie vor um zwei Wege. „Viele glauben, das sei ein Gehweg mit einem danebenliegenden Radweg. Radfahrer meinen daher, dass sie in beiden Richtungen den Radweg benutzen sollen. Richtig ist: Sie sollen in Schrittgeschwindigkeit rechts fahren, je nach Richtung entweder auf dem Rad- oder auf dem Gehweg“. Ebenso unbekannt sei, dass Radfahrer an jeder Einmündung, zum Beispiel an der Lindenallee, kreuzenden Verkehrsteilnehmern Vorrang einräumen müssen, selbst wenn diese von links kommen. „In solchen Fällen helfen nur noch Bodenmarkierungen“.

An der • Augsburger Straße  bestehe die gleiche Problematik. Zwar sei es positiv, dass Radler, von Kaufering kommend, auch auf der „Einkaufsseite“ fahren dürfen, damit sie die Straße nicht wiederholt kreuzen müssen. Aber Autofahrer, die an den Geschäftsparkplätzen ein- und ausfahren, rechneten nicht mit Radverkehr aus nördlicher Richtung. Die erste Bodenmarkierung sei zudem falsch gewesen und habe die ungewöhnliche Fahrtrichtung nicht verdeutlicht. Nun gebe es zwar eine neue Markierung, aber sie sei auf dem Radweg angebracht. Auch hier solle aber der Gehweg mitbenutzt werden.

Am • Königsberger Platz  führten unterschiedlich geschaltete Ampeln dazu, dass Radfahrer aus Richtung Spöttinger Straße dreimal auf Grün warten müssen – mit zwei Zwangsstopps zwischen den Fahrbahnen. „Man reist ja gerne auf eine Insel, aber nicht auf eine Verkehrsinsel“. Zwar gebe es dort eine „Zuschaltmöglichkeit“, um den „Inselaufenthalt“ zu vermeiden, aber nur, wenn der Fahrradfahrer wie bei einem Spielautomaten den Anforderungsknopf in den ersten Sekunden betätige. Das Argument, andere Lösungen „irritierten“ Autofahrer, weil es dann unterschiedlich lange Rotphasen gebe, teilen die Grünen-Stadträte nicht.

Ebenfalls eine Kleinigkeit: Der Fahrradweg in der • Erpftinger Straße  endet am Schongauer Dreieck. Durch die Linienführung ist ein Einfädeln der Radfahrer auf der Kreuzung in die Autospur erforderlich. Eine andere Linienführung würde das vermeiden. Das Problem sei bekannt gewesen; die Stadtverwaltung habe es bei der Neugestaltung der Kreuzung aber vergessen. So etwas müsse in einer Schublade liegen, auf der stehe „Bei Straßenneubau zugunsten des Radverkehrs kostengünstig miterledigen“.

An der • Neuen Bergstraße  sei bergab eine Verlängerung der Kennzeichnung des Radwegs projektiert und werde 2017 verwirklicht. Bergauf sei eine bauliche Maßnahme beschlossen, werde aber von Stadträten wieder infrage gestellt, um Einsparungen zu erzielen. Letztlich gehe dort an „Tempo 30“ kein Weg vorbei. Die Stadtverwaltung verlange dafür, dass ein Unfallschwerpunkt wegen zu hohem Tempo vorliege. Nach der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung reiche aber schon, wenn die Geschwindigkeit „unangemessen“ ist und dadurch „häufig gefährliche Verkehrssituationen entstehen“. Stadtbaumeisterin Birgit Weber konnte sich von dieser Gefahr persönlich überzeugen. Bei der Rundfahrt rauschte ein PKW an ihr mit zehn Zentimetern Abstand vorbei.

Nicht radfahrerfreundlich

Bei der Bürgerbefragung im Rahmen der Strategieentwicklung „Landsberg 2035“ haben 55 Prozent der Teilnehmer gesagt: „Landsberg ist nicht radfahrerfreundlich.“ Der Zustand und der Ausbau des Radwegenetzes sei unzureichend (62 Prozent). Mit der Berücksichtigung der Belange der Radfahrer sind die Bürger zu zwei Dritteln „weniger zufrieden“ oder unzufrieden. Hartmann und Lüßmann sehen sich durch diese Zahlen bestätigt. Sie sagen: Wir müssen etwas tun.

Werner Lauff

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