Schönwetter-Maurer sucht Polen

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Landsberg – Ein verschwundener Pole geisterte jüngst durch eine Verhandlung am Amtsgericht Landsberg. Ob es den Mann tatsächlich gibt oder er nur ein Phantom ist, das der Fantasie des Angeklagten entsprang, blieb offen. Dem 36-jährigen Landsberger lagen zwei Fälle des Diebstahls zur Last.

Laut Anklageschrift hatte der Maurer im Februar einen Feldstadel in der Nähe des großen Kreisels im Landsberger Westen aufgebrochen und eine Motorfräse im Wert von 1.000 Euro geklaut. Kurz darauf soll er nach dem gleichen Muster eine Scheune bei Friedheim geknackt und zwei Oldtimer-Mopeds mitgenommen haben.

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe. Die Motorfräse habe er gemeinsam mit einem polnischen Freund aus dem Stadel geholt. „Er hat mir gesagt, das ist sein Lager. Die Tür stand offen.“ Die Mopeds habe derselbe Bekannte ihm einfach so vorbei gebracht, obwohl er sie gar nicht haben wollte. Dass er die Fräse und die Kleinkrafträder weiterverkauft hatte, gab er zu, wollte aber nicht gewusst haben, dass er sich damit strafbar machte.

Die Sache flog auf, als der rechtmäßige Eigentümer der Motorfräse sein Gerät bei einem Landsberger Maschinenhändler entdeckte. Der Besitzer der Mopeds stieß auf einer Internetseite auf sein gestohlenes Eigentum. Der 36-Jährige bekam daraufhin Besuch von der Polizei und erzählte den Beamten die Geschichte von dem Polen, dessen Nachnamen er ebensowenig kennen wollte wie seine Handynummer. Man habe sich immer nur zufällig auf dem Netto-Parkplatz an der Waldheimer Straße getroffen, wo der Pole sich öfter zum Trinken aufhalte. Wohnen sollte er angeblich in Friedheim.

Der Mann erwies sich jedoch als unauffindbar. Weder kannte man ihn in einer Leiharbeitersiedlung in Friedheim, noch tauchte er je wieder auf dem Netto-Parkplatz auf. „Man könnte auf den Gedanken kommen, dass es ihn gar nicht gibt“, argwöhnte Richter Alexander Kessler.

Dem Angeklagten, der auf seiner Geschichte beharrte, ließ sich das Gegenteil letzten Endes nicht beweisen. Das Verfahren wegen der gestohlenen Mopeds musste deshalb eingestellt werden. Wegen der Motorfräse wurde der dreifache Vater aber zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten ver­ur­teilt. Außerdem muss der Mann 1.000 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen.

Die persönlichen Verhältnisse, die während der Sitzung ans Licht kamen, bezeichnete Richter Kessler als „gruselig“. Der geschiedene Vater von drei kleinen Kindern hat ein Alkoholproblem, brach eine Therapie aber nach drei Tagen ab. Er ist arbeitslos, verdient aber nach eigener Aussage 1.000 Euro im Monat mit Flohmarktverkäufen.

Da er offenbar kein Gewerbe angemeldet hat, muss er nun weiteren Ärger befürchten. Denn die Einnahmen seien deutlich zu hoch, um noch als Hobby durchzugehen, so Kessler. Man könne fast auf die Idee kommen, der Angeklagte arbeite nicht in einem regulären Job, um sich vor den Unterhaltszahlungen an seine Kinder zu drücken.

Das wies der Landsberger aber ebenfalls weit von sich. Bis November habe er auf dem Bau gearbeitet. „Aber im Winter bin ich nicht gern draußen. Ich bin ein Schönwetter-Maurer.“ Er wolle aber das Urteil zum Anlass nehmen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Dabei wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite stehen.

Ulrike Osman

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