Müller, Meier, Schulze? 29 Mal Computerbetrug

Im Internet bestellen, die Ware kommt – aber wer bezahlt eigentlich? Darüber hatten ein 30-Jähriger und seine 19-jährige Freundin nicht groß nachgedacht. Wegen Vermögensdelikten – Computerbetrug und Dieb stahl – standen sie sich am vergangenen Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht Landsberg. Für die junge Frau hielt Richter Alexander Kessler noch eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten für angemessen. Den Mann verurteilte er zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung.

„Es ist so einfach gewesen“, erklärte der Angeklagte, der als Reinigungskraft arbeitet. Die Klingelschilder ihrer Wohnung in Landsberg hatten sie immer geändert, wenn die Bestellungen eintrafen. Dafür seien nur Klebestreifen und ein Zettel mit einem neuen Namen nötig gewesen. In 29 Fällen, unter unterschiedlichen Namen und Firmenbezeichnungen, hatte dabei vor allem der Angeklagte in den letzten zwei Jahren Computerspiele bestellt, die Angeklagte unter anderem einen LCD-Fernseher und Möbel. Die Firmen, Verlage und Versandhäuser lieferten gerne. Die Rechnungen kamen später, beglichen werden konnten diese nicht. Mehrmals stand der Gerichtsvollzieher bei dem jungen Paar vor der Tür, zu dem inzwischen Vater und Brüder der Frau hinzugezogen waren, sodass bald acht Leute dort zusammenwohnten. Heute leben sie getrennt voneinander. Am Ende der Beziehung kam es noch zu heftigen Auseinandersetzungen – auch mit Handgreiflichkeiten. Die gemeinsame Tochter ist ein gutes Jahr alt und zurzeit beim Vater. Ein zweites Kind soll im Juni zur Welt kommen. Der 30-Jährige und die 19-Jährige haben inzwischen neue Partner. Um an Geld zu kommen und sich Wünsche zu erfüllen, hatte das frü-here Paar auch nicht davor zurückgeschreckt, mit einer fremden Bankkarte einzukaufen und Geld abzuheben. Die Karte „fand“ der Mann bei der Arbeit, als er in einem Firmengebäude putzte. „Leichtsinnig“ nannte er sein Verhalten. „Warum macht man das?“, fragte Richter Kessler, in finanzieller Not habe der Angeklagte offensichtlich nicht gesteckt. So viele Computerspiele zu kaufen, begründete er damit, spielsüchtig gewesen zu sein. Heute habe er sich wieder im Griff. Dass beide ihre Schuld einsahen, werteten Richter Kessler und auch Staatsanwältin Cornelia Böttcher zu ihren Gunsten. Als straferschwerend sahen sie jedoch bei den Angeklagten, dass keiner aufgrund früherer Verurteilungen sein Verhalten gebessert hatte, sondern erneut straffällig geworden war. Den durch die junge Mutter verursachten entstandenen Schaden bezifferte Böttcher auf 12500 Euro, beim ihrem Ex-Freund kamen rund 13500 Euro zusammen. Weil die Angeklagte die Delikte im Alter von 17 und 18 Jahren begangen hatte, wurde sie nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Zudem gab Rob van der Vlies von der Jugendgerichtshilfe seine Einschätzung zu der jungen Frau ab. In schwierigen Familienverhältnissen sei sie aufgewachsen. Die Eltern hätten Probleme mit Alkohol gehabt, Streit habe es häufig gegeben. Mit 13 Jahren kam die Angeklagte in eine Wohngruppe, das Jugendamt übernahm das Sorgerecht für das Mädchen. Eine begonnene Ausbildung zur Altenpflegerin musste sie aufgrund ihrer Schwangerschaft abbrechen. „Sie neigt dazu, ihre Schulden zu verdrängen“, erklärte van der Vlies. Ihr Verhalten würde sie zunächst einsehen. Doch dann, nach einiger Zeit, ließe ihre Einsicht wieder nach und sie verfalle in die alten Verhaltensmuster. „Mit den Warenbestellungen hat sich die Angeklagte einen Ausgleich schaffen wollen“, so der Jugendgerichtshelfer. Dem pflichtete auch Rechtsanwältin Anita Trautwein bei: „Sie kompensiert ihre schwierige Lebenssituation mit Bestellungen. Das was sie immer entbehrt hat, will sie damit ausgleichen.“ Rechtsanwalt Peter Ahmend forderte für seinen Mandanten Bewährung und führte dabei auch Wiedergutmachungszahlungen an die, die dieser bereits geleistet hatte. Vor dem Richterspruch hatte der Angeklagte unter Tränen gebeten: „Geben sie mir eine Chance, es wiedergutzumachen!“ Und die Angeklagte beteuerte dazu: "Mir tut es leid.“ Doch die Vorstrafen des Mannes, zudem eine noch laufende Bewährungsstrafe, wogen für Kessler zu schwer. „Ein dicker Brocken“, so der Amtsrichter. Bei derart vielen Vergehen sei ihm nicht mehr zu helfen. Der 19-jährigen Mutter wurden Unreife und unerfahrenes Verhalten bescheinigt. Neben den Bewährungsauflage, wies Kessler die junge Frau auf Vorschlag von van der Vlies an, an einem Kurs für werdende Mütter teilzunehmen.

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