Das mulmige Gefühl bleibt – Bürgerversammlung: Kaum Bewegung in der Edeka-Debatte

Der Ansiedlung Edekas stehen die Kauferinger Bürger offensichtlich verhalten gegenüber. Diesen Eindruck konnte man zumindest am Donnerstag auf der Bürgerversammlung gewinnen. Auch wenn sich Bürgermeister Dr. Klaus Bühler, flankiert von Ingenieur Michael Gammel und Förster Ludwig Pertl unermüdlich für das Logistikzentrum einsetzte, konnten offenkundige Unsicherheiten, verstärkt durch die aktuelle Klausner-Entwicklung nicht ausgeräumt werden.

Vor rund 100 Kauferingern betonte Bühler noch einmal, dass der Einstieg bei Edeka erst ökologisch orientiert war. Mit Blick auf die „dra- matische Entwicklung“ in der Wirtschaft habe sich nun die Priorität geändert: „Wir müssen Arbeitsplätze schaffen.“ In der ersten Ausbaustufe könne Edeka 290 Stellen bringen, denen in Stufe zwei weitere 210 folgen könnten. 30 Prozent davon seien in Teilzeit, was zukünftig verstärkt benötigt würde. Daher könne er nicht verstehen, dass die Stadt Landsberg „kein Interesse“ habe, diese Arbeitsplätze in den Landkreis zu holen. Zumal dies bei der Klausner-Entscheidung schon eine Rolle gespielt habe: „Wer zu Klausner Ja sagt, muss doch auch zu Edeka Ja sagen. Wir müssen den Mut haben, vorwärts zu blicken und es anzupacken.“ Tariflohn und Betriebsrat Doch auch an diesem Donnerstagabend zeigten sich einige Bürger verunsichert. Bei Klausner habe man ebenfalls das Argument der Arbeitsplatzschaffung ins Feld geführt, was sich nun als Fehler herausstellt hat, sagte eine Bürgerin, mit Blick auf die niedrigen Löhne und die Zeitarbeitsverträge. Laut Dr. Bühler stünde Edeka jedoch unter anderen Vorzeichen. „Hier haben wir Tariflöhne, Festanstellungen sowie einen Betriebsrat.“ Und: Bei Edeka könne nicht einfach der Markt wegbrechen. Lebensmittelverteilung werde es immer geben. Unsicher waren einige Bürger in Bezug auf die zu erwartende Lärmbelastung durch den Lkw-Verkehr. Bei dem Großsäger habe man darauf vertraut, dass die Richtlinien eingehalten würden, so ein Bürger. Bühler machte deutlich, dass sich allein durch die B17neu der Verkehr in Kaufering halbieren werde – von 32300 auf 17000 Fahrzeuge pro Tag. Durch die Edeka-Ansiedlung würden rund 175 Fahrten durch Kaufering hinzukommen. Kompromisse eingehen Weiterer Kritikpunkt waren die Ausmaße des Logistikcenters. „Ja, es ist ein wuchtiger Bau“, räumte Bühler ein, jedoch werde das Areal an der B17 nicht zur Naherholung genutzt. Mit Blick auf die zu erwartenden Arbeitsplätze müsse man Kompromisse eingehen. Die Argumentation mancher Landsberger Stadtratsmitglieder, die aus städtebaulicher Sicht Probleme mit der Anlage haben, könne er ohnehin nicht verstehen. Bühler verwies auf den Groppebau in der Weilheimer Straße, der rund 17 Meter hoch sei, sowie auf das neue Fachmarktzentrum in Landsbergs Osten, das mit rund 13,20 Metern Höhe und 370 Meter Länge ähnliche Ausmaße wie das Logistikzentrum in der ersten Ausbaustufe aufweisen würde. Ein wesentlicher Unterschied sei jedoch, dass das FMZ auf sehr fruchtbaren Boden errichtet wurde. Bühler geht davon aus, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt der Stadtrat wohl mit 12:19-Stimmen gegen Edeka aussprechen würde. „Es wäre doch schön, wenn Landsberg das Ergebnis des Kauferinger Bürgerentscheides akzeptieren könnte.“ Kein Wärmeüberschuss Weiterhin räumte Bühler mit dem Gerücht auf, er gehe in Landsberg hausieren, weil das Biomasseheizkraftwerk unwirtschaftlich sei. Er betonte noch einmal, dass die Anlage samt Sommersenke kalkuliert worden sei und schwarze Zahlen schreibe. Es dürfe doch erlaubt sein, noch mehr aus der Anlage herauszuholen. Laut Gammel könnte man bei voll durchlaufender Anlage zusätzlich 12000 Megawatt-Stunden im Jahr produzieren und verkaufen. Hinzu käme natürlich noch die elektrische Energie. Auch Gammel betonte, dass diese Summe nicht in der ursprünglichen Kalkulation eingerechnet, sondern nur ein Zusatz sei. „Es gibt somit, wie oft behauptet, keine überschüssige Wärme, die nun unbedingt an den Mann gebracht werden müsse. Vielmehr könnte man sie, falls man einen Abnehmer findet, erzeugen.“ Auch bei der Erzeugung von Kälte durch Wärme sieht der Fachmann kein Problem. „Raumkühlungen sind Standard und vielfach praktiziert.“ Wolfgang Haberecht von den Kauferinger Grünen sieht gerade dieses Verfahren als problematisch an, da es für Edeka einfach zu teuer werde. Er befürchte , dass das Unternehmen kein Interesse daran habe, Kauferinger Wärme abzunehmen. Darauf Bühler: „Im schlimmsten Fall verkaufen wir keine Wärme, jedoch sind die Arbeitsplätze wichtiger.“ Er geht aber davon aus, dass man sich vertraglich mit Edeka einigen werde.

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