Das muss man dem Bürger sagen

Zu jedem Themenkomplex beim Politischen Aschermittwoch im s’ Maximilianeum hatte erst mal der Bürger das Wort – Kurzinterview in der Fußgängerzone Ludwigstraße. Die OB-Kandidaten Lembeck, Tillmann, Lehmann, Neuner und Hartmann (von links) verfolgten die zum Teil recht humorvollen Bürgermeinungen mit großem Interesse. Fotos: Kruse

Seit 18 Jahren gab’s auf der Landsberger Kleinkunstbühne „s Maximilianeum“ keinen Politischen Aschermittwoch mehr, um so überraschter war man nun vom enormen Zuspruch: Innerhalb von drei Tagen war die Veranstaltung restlos ausverkauft, über 150 Zuhörer drängten sich im Foyer des Stadttheaters und lauschten den – größtenteils recht zahmen – Antworten der fünf OB-Kandidaten. Die Fragen stellte ihnen Sepp Wörsching.

„Transparenz“ fordern alle vier, die Ingo Lehmann (SPD) beerben wollen, auch wenn Mathias Neuner (CSU) meinte: „Das Thema ist dann in einem halben Jahr auch erledigt.“ Heißes Eisen Hauptplatz? Nicht für die fünf Kandidaten. Alle sind für den Umbau, nur ein paar „Kleinigkeiten“ möchte Ludwig Hartmann (Grüne) verbessern, die Straßen­führung bemängelt Andreas Tillmann (FDP), „aber der Verkehr muss raus“, meinte Mathias Neuner und Eric Lembeck (Piraten) macht sich Sorgen um die Einzelhändler. Der Oberbürgermeister ist schon froh, dass er das Projekt unversehrt auf den Weg gebracht hat. „Nach dem zweiten Bürgerentscheid hat meine Frau schon gesagt, sie lässt sich scheiden, wenn ich das Thema noch einmal anfasse“, berichtete Lehmann, „gottseidank bin ich trotzdem noch glücklich verheiratet.“ Differenzierter wurde es da schon beim Thema „Lechsteg". Lehmann will am Bau festhalten, soviel wurde deutlich, und er verhandelt derzeit wieder mit der Familie Pöttinger über einen Kauf des Geländes der ehemaligen Pflugfabrik. Jetzt gab er erstmals bekannt, wann die Brücke wieder Thema wird: „Wenn die Wege beiderseits überplant sind, kommt es im April noch einmal in den Stadtrat.“ Lembeck lehnt das Bauwerk ab: „Wenn ich wüsste, da kommen 500 Wohneinheiten hin, dann o.k.. Aber so verbinden wir das Landratsamt mit dem Inselbad und haben eine Brücke, die in zehn Jahren eventuell überflüssig ist." Hartmann forderte, zunächst Lechstrand und Inselbad aufzuwerten. „Danach kann man das Thema wieder angehen, aber nicht in den nächsten ein, zwei Jahren. Ob die Brücke dann zehn Meter weiter links oder rechts kommt, muss man sich nochmal anschauen.“ Auch Neuner forderte, „noch einmal in die Planung zu gehen. Das wurde schlecht angegangen.“ Den breitesten Raum nahm erwartungsgemäß das Thema „Zins-Derivate“ ein, bei dem sich vor allem Ludwig Hartmann und Ingo Lehmann in die Quere kamen. Hartmann: „Wenn der Bericht des Kommunalen Prüfungsverbandes wirklich bekannt gewesen wäre, frage ich mich, warum ihn am Samstag alle Stadträte unbedingt lesen wollten – den kannte niemand. Ich habe das Thema vorher jedesmal angefragt, wenn es auf der Tagesordnung war.“ Und weiter: „Darin wird etliches bemängelt, unter anderem, dass es keine Dienstanweisung gegeben habe. Aber heute haben wir ihn wieder in die nicht-öffentliche Stadtratssitzung geschoben. Soviel zum Thema Transparenz.“ Das wollte Lehmann natürlich nicht auf sich sitzen lassen: „Wenn Sie sich jetzt so aufs hohe Ross setzen, warum sind Sie dann nicht zur Rechtsaufsicht gegangen?“ Hartmann warf dem Amtsinhaber auch vor, mit den Zahlen über die Landsberger Finanzsituation zu tricksen: „Da ist von Schuldenabbau die Rede. Wenn man aber alles zusammenrechnet, auch die Eigenbetriebe und die Kassenkredite, sind unsere Schulden in zehn Jahren von 45,6 auf 69,4 Millionen gestiegen – das ist die Wahrheit.“ Das dürfe nicht sein, meinte Eric Lembeck: „Wir leben in einer der potentesten Regionen Deutschlands. Unser Problem müsste sein, dass wir nicht wissen, wohin mit dem Geld. Diese Schulden müssen jetzt bezahlt werden.“ Mit Blick auf die millionenschweren Verbindlichkeiten der Stadtwerke warnte Ingo Lehmann seine Mitbewerber: „Bei Wasser und Abwasser dürfen Sie kein Vermögen aufbauen. Wenn Sie dann investieren und wollen keine Schulden machen, geht das nur über Ergänzungsbeiträge. Das müssen Sie den Bürgern auch sagen.“ Nur die Bierdeckel-Oberbürgermeister-Wahl war nicht repräsentativ Landsberg – Nach der Podiumsdiskussion im Landsberger Jugendzentrum hat sich das OB- Kandidaten-Quintett am Mittwoch im s’ Maximilianeum zum zweiten Mal zusammen der Öffentlichkeit gestellt. Auf Initiative des „Wessobrunner Kreises“ gibt es am kommenden Dienstag ab 18 Uhr noch eine Anhörung mit Diskussion im Historischen Rathaus. Nachfol­- gend ein Kurzüberblick, wie die Kandidaten auf der Kleinkunstbühne abschnitten. Ingo Lehmann (SPD): Das Stadtoberhaupt versuchte, souverän und kompetent zu wirken und schaffte das über weite Strecken auch. Lediglich im Umgang mit Ludwig Hartmann wurde der OB beim Thema „Derivate“ etwas giftig. Dass er inhaltlich nicht viel Neues zu bieten hatte, war klar: Die Positionen des Amtsinhabers sind mittlerweile bestens bekannt. Irgendwie scheint Lehmann derzeit aber nur mit 90 Prozent Einsatz zu kämpfen. Ludwig Hartmann (Grüne): Unumstritten der Gewinner des Abends. Keiner brachte in seiner Redezeit so viele Wörter unter wie der Landtagsabgeordnete, der Amtsinhaber Lehmann teilweise scharf und pointiert attackierte und dabei ausgezeichnet vorbereitet wirkte. Hartmanns Problem dürfte eher darin liegen, dass ihm immer noch nicht alle Landsberger abnehmen, dass er insgeheim nicht doch lieber im Landtag bliebe. Mathias Neuner (CSU): Sah seinen Auftritt später selbst kritisch. Griff Lehmann nur einmal an, weil sich dieser nicht vor seinen Kämmerer gestellt habe. Ansonsten vermied Neuner jede Abgrenzung vom OB und leistete sich zwei Ausrutscher – Pflege und Transparenz. Neuner will nach dieser vergebenen Chance in der verbleibenden Zeit bis zur Wahl deutlich härter argumentieren und seine Positionen klarer machen. Andreas Tillmann (FDP): Ausgerechnet der Liberale meinte beim sozialen Thema „Pflege im Heilig-Geist-Spital“: „Da sollten wir uns als Stadt Landsberg auch einmal etwas leisten.“ Tillmann vertrat recht vergnügt vernünftige Positionen ohne große Visionen. Er bleibt in der Außenseiterrolle, hat damit aber offensichtlich kein Problem. Eric Lembeck (Piraten): Hatte einen schweren Stand gegen die etablierten Politiker, wurde mit zunehmender Veranstaltungsdauer scheinbar immer nervöser. Man merkte, dass den Piraten zu manchen Themen noch Erfahrung und Meinung fehlt. Dass der Funke nicht so richtig übersprang, mag auch daran gelegen haben, dass das Publikum an diesem Abend im s’ Maximilia­- neum mehrheitlich ganz sicher nicht die Piratenzielgruppe darstellte. Die abschließend durchgeführte s’ Maximilianeum-Bierdeckel-OB-Wahl ergab folgen­- des, nicht repräsentatives Ergebnis: Von den 144 abgegebenen gültigen Stimmen ent­- fielen 62 (43,1%) auf Hartmann, 50 (34,7) auf Lehmann, 28 (19,4) auf Neuner, 3 (2,1) auf Lembeck und 1 (0,7) auf Tillmann.

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