Der Hund und der Gartenzaun

1,60 schafft er nicht!

+
Klappe halten, das gilt für Hund und Herrchen gleichermaßen.

Epfach – Ein Hund, der ausgebüxt ist und einen 15-jährigen Buben beim Zeitungsaustragen im Hof am Oberschenkel verletzt hat, ein Maulkorb- und Leinenzwang, den die Gemeinde verlangt, die Klage des Halters gegen diese Anordnung, das Erhöhen des Gartenzaunes auf 1,50 Meter (im Bebauungsplan sind 1,20 Meter erlaubt), die kontroverse Debatte der Gemeinderäte und die Reaktion der Hundehalter, die sich dazu „wegen eines laufenden Verfahrens“ selbst einen Maulkorb auferlegen und (noch) nichts sagen wollen: All das ist kennzeichnend für ein aktuelles Thema aus Epfach, das im Dorf, ja in der ganzen Gemeinde die Gemüter bewegt.

Der Hundehalter wollte schnell handeln; er hat den hölzernen Zaun auf knapp eineinhalb Meter erhöht, damit das Tier aus dem Garten nicht mehr auf die Straße oder in den Hof springen kann. Zur jüngsten Gemeinderatssitzung hatte er dann (nachträglich) den Antrag eingereicht, sein Grundstück möge von den Festsetzungen im Bebauungsplan „Eichat“ befreit werden. Bei dem Tier handelt es sich um „keinen Kampfhund“, wie Johann Hartmann von der Gemeinde Denklingen bei der Diskussion vor den Räten betonte. Im Beschlussvorschlag stand, dass diese Ausnahme gestattet werden könne. Festgeschrieben war weiterhin: Der Zaun muss wieder auf höchstens 1,20 Meter zurückgebaut werden, wenn das Tier abgegeben wird oder verstirbt.

Das Thema sorgte im Gemeinderat für kontroverse Ansichten. Allerdings: Letztlich war es ein Mehrheitsbeschluss: 8:6.

Einige Räte vermissten ein konsequentes Vorgehen. Nur 14 Tage vorher wurde im Gremium der Antrag eines Eigentümers abgelehnt, der sein Grundstück im Gewerbegebiet Malfinger Steig im Osten Denklingens mit einem 1,60 Meter hohen Zaun einfrieden wollte. Da hieß es, dies entspreche nicht den Festsetzungen im Bebauungsplan; außerdem spielte eine Rolle, dass ein Nachbar mit Klage drohte, falls die Gemeinde die Erhöhung des Geländes und des Zaunes billige.

Klein Blatt vor den Mund nimmt die Mutter des Buben, der von dem Hund angefallen wurde. Sie hält eine Maulkorbpflicht für den Mischlingshund im Wohngebiet Eichat für unerlässlich, sobald das Tier aus dem Haus komme. Sie könne nur davor warnen, den Fall zu bagatellisieren. Den Vorfall habe sie bei der Gemeinde gemeldet und bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Außerdem klagen die Eltern des Buben gegenüber dem Ehepaar mit dem Hund auf Schmerzensgeld.

Der Sohn wurde, wie die Mutter im Gespräch mit dem KREISBOTEN schildert, bei dem Zwischenfall im Frühjahr von hinten angefallen und in den Oberschenkel gebissen. Der Junge habe gerade ein Wochenblatt zum Briefkasten am Haus gebracht und sei bereits wieder auf dem Weg zum Fahrrad gewesen; er hatte es vorne an der Straße abgestellt.

Der 15-Jährige wurde ambulant im Schongauer Krankenhaus behandelt. Er habe nach Darstellung der Mutter wegen des Hundebisses ein „starkes Antibiotikum“ bekommen. Fünfmal sei ihm der Verband im Krankenhaus gewechselt worden. „Gott sei Dank hat der Junge eine lange Hose angehabt“, sagt die besorgte Mutter.

Die Frau aus Epfach sah sich veranlasst, Polizei und Gemeinde zu informieren – vor allem deswegen, weil eine Ärztin in der Klinik darauf hingewiesen habe, dass es schlimm enden könne, wenn der Hund kleinere Kinder am Oberkörper oder am Kopf angreife. Für die Mutter des verletzten Buben steht fest: „Der Hund ist für mich gemeingefährlich“.

Johannes Jais

Meistgelesene Artikel

Mit High-Tech auf Raserjagd

Landsberg – Wird in Landsberg besonders brav Auto gefahren? Diesen Schluss legen die Zahlen nahe, die Ordnungsamt-Chef Ernst Müller am Mittwochabend …
Mit High-Tech auf Raserjagd

Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Landsberg – Aus Irland direkt in die Lechstadt: Richard Kingston (CMC Capital) hat am Mittwoch mit Erfolg für das neue Lechland-Center geworben. Eine …
Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Längst überfälliger Neubau

Landsberg – Allein bei dem Gedanken, dass Menschen im Stadtgebiet noch in Holzbaracken wohnen, wird dem Oberbürgermeister ganz „unwohl“. Als …
Längst überfälliger Neubau

Kommentare