"Purer Luxus" mit Ökostrom

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Freuen sich über ihr Nachbarschafts-E-Auto: (v.l.) Gabriele Übler, Christian Vordemfelde und Rainer Michler.

Dießen – Er ist klein, weiß und schnurrt seit Mai leise und emissionsarm durch Dießen. Gemeint ist der Renault Zoe mit dem Kennzeichen LL-ZO-33E, das erste Nachbarschafts-E-Auto in Dießen, das die Familien Übler, Kanzler, Michler und Vordemfelde gemeinsam nutzen. Für Rainer Michler und Christian Vordemfelde ist der kleine Renault „eine sinnvolle und kostensparende Variante des Zweitwagens“, für Gabriele Übler und ihren Lebensgefährten ist er sogar „purer Luxus“.

„Wir haben es ganz bewusst viele Jahre ohne Auto geschafft“, erzählt Übler, die am liebsten mit dem Zug und mit dem Fahrrad unterwegs ist. Über das umweltfreundliche Auto freut sie sich trotzdem: „So komme ich zu Kunden in der Umgebung, die mit dem Zug schlecht zu erreichen sind“. Und sie genießt gelegentliche Ausflüge zu Kulturveranstaltungen in der Region, ohne dabei auf Fahrpläne oder auf das Wetter achten zu müssen. Die „spannende Idee eines privaten Elektroauto-Carsharing“ entstand laut Übler aus einem Strategieworkshop der Dießener Grünen zum Thema Mobilität am Ammersee: Nach gründlicher Recherche wurde ein Vertragsmodell aus dem Internet auf die Bedürfnisse der Gruppe angepasst, verwaltet wird das Auto über eine App. Auf dem PC und bald auch auf dem Smartphone ist für alle Nutzer des Nachbarschaftsautos sichtbar, wo sich ihr Fahrzeug gerade befindet, welche Nutzungen bereits gebucht sind und über wieviel Energie das Auto derzeit verfügt.

Getankt wird in der Regel Ökostrom aus der Photovoltaikanlage der Nachbarschaftshaushalte Michler/Vordemfelde. Seit Mai sind die Nachbarn fast 2.000 Kilometer mit ihrem E-Auto gefahren.

Fahrstil ändern

Monatlich bezahlt jede Partei 60 Euro für Leasing und Versicherung, für jeden gefahrenen Kilometer kommen 20 Cent hinzu. Die Reichweite des Fahrzeugs liegt bei zirka 160 Kilometer. Je nach Fahrstil etwas mehr oder weniger. „Mein Fahrstil hat sich durch das E-Auto schon sehr verändert“, erzählt Gabriele Übler. Da das Auto kaum zu hören ist, sei sehr viel mehr auf Fußgänger und Fahrradfahrer zu achten. „Man fährt automatisch achtsamer. Und beim Berg­abfahren macht es viel Freude zu sehen, wie der Motor Energie zurückführt und die Batterie auflädt, solange man kein Gas gibt“, erzählt sie.

Das sehen auch die anderen Nachbarschafts-E-Auto-Nutzer so, die das Fahrzeug ebenfalls gerne für private und geschäftliche Kurzstrecken in der Region nutzen. Allseits beliebt sind auch Fahrten ans Ostufer des Ammersees, wohin es bislang kaum öffentliche Verkehrsmittel gibt.

"Dießen I"

Christian Vordemfelde, der einst zu den Begründern der Initiative „Stattauto München“ gehörte, macht es Freude seine Erfahrungen nun zugunsten des Nachbarschafts-E-Autos einzubringen, und Rainer Michler, der seit Jahren ehrenamtlich Flüchtlinge betreut, nutzt das Nachbarschafts-E-Auto auch, um seine Schützlinge zu transportieren.

Grundsätzlich sind alle vier Nutzer des ersten Dießener Nachbarschaftsautos von ihrem kleinen weißen Flitzer begeistert und würden sich freuen, wenn ihre Initiative Schule macht, nicht zuletzt „um die Massen von Zweitwagen zu reduzieren“, wie Michler sagt. Seit einigen Tagen trägt der weiße Renault Zoe stolz einen Aufdruck mit der Aufschrift „Nachbarschaftsauto Dießen I“. Weitere Informationen dazu können jederzeit per E-Mail an org@gabriele-uebler.de angefragt werden.

Ursula Nagl

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