Der "Brückenbauer" geht

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Der ehemalige Landsberger Forstbetriebsleiter Nikolaus Stöger (vorne, 2. v. links) und seine Frau (links) wurden feierlich aus Landsberg verabschiedet. Nachfolger Robert Bocksberger (vorne rechts mit Frau und Sohn) wurde im Stadttheater vorgestellt und unter anderem von Landrat Thomas Eichinger (hinten links), Bürgermeisterin Doris Baumgartl (hinten, 2. v. links) und Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten, herzlich empfangen.

Landsberg – „Sie übergeben die Wälder in hervorragendem Zustand“, bescheinigte der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten Martin Neumeyer dem zurückgetretenen Forstbetriebsleiter Nikolaus Stöger, der Landsberg nach elf Jahren verlässt. In seine Fußstapfen tritt Robert Bocksberger, der sich bei seiner Einführung im Landsberger Stadttheater der Öffentlichkeit vorstellte. Neben den beiden Hauptakteuren Bocksberger und Stöger war auch Landrat Thomas Eichinger Gast der Veranstaltung und machte die große Bedeutung des Waldes für den Landkreis deutlich.

„Nachhaltig wirtschaften“ lautet der Slogan der Bayerischen Staatsforsten, deren Standort in Landsberg Anfang November den Betriebsleiter gewechselt hat. Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Staatsforsten, stellte auch in seiner Rede anlässlich der Landsberger Betriebsübergabe die Nachhaltigkeit in den Vordergrund. Jetzt sei der Zeitpunkt, für die nächsten Generationen sämtliche Funktionen des Waldes zu erhalten. Dabei seien diese Funktionen sehr vielseitig. Einerseits habe das Holz aus den Landsberger Wäldern eine ökonomische Rolle, wenn es beispielsweise um die Zusammenarbeit mit Sägewerken gehe. Als Quelle für saubere Luft und die Trinkwasserversorgung habe der Wald auch eine ökologische Funktion. Und auch der Aspekt der Erholung und der Freizeit, für die der Wald eine willkommene und beliebte Anlaufstelle sei, müsse berücksichtigt werden.

All diesen Funktionen müsse ein Wald die Waage halten, ohne auf nur einen Teilaspekt reduziert zu werden, fordert Neumeyer. Der scheidende Landsberger Forstbetriebsleiter Nikolaus Stöger habe diesen Spagat stets gemeistert. „Dass Nikolaus Stöger der ideale Brückenbauer ist, hat er immer wieder zum Ausdruck gebracht. Er konnte verschiedenste Interessen stets bündeln“, lobte Neumeyer die Arbeit des 61-Jährigen. Dabei sei der Anfang in Landsberg vor elf Jahren nicht immer einfach gewesen, wie Stöger berichtet. „Der Landsberger Forstbetrieb ist in insgesamt sechs Landkreisen vertreten. Kontakte zu knüpfen, ist deshalb manchmal etwas schwierig und zum Teil hat es mehrere Jahre gedauert, bis ein Kontakt zustande kam.“

In der Lechstadt hat er mehrere Projekte angestoßen, darunter zuletzt den Nassholzlagerplatz bei Stillern, der vor dem Abschluss steht. Ebenfalls ein großer Punkt sei die starke Modernisierung der Kommunikationstechniken und der Arbeitssicherheit gewesen. Insbesondere letzteres bewegte Stöger sichtlich, ehe er den Grund dafür nannte: „Es gab einen tödlichen Arbeitsunfall, bei dem der betroffene Kollege, der durchaus mit Umsicht gearbeitet hatte, verunglückt war.“ Das zeige das hohe Gefährdungspotenzial, das der Beruf mit sich bringe und verdeutliche außerdem, dass man die Arbeitssicherheit niemals vernachlässigen dürfe.

Dieser Forderung wird Stöger künftig in Oberammergau nachkommen, „was für ihn ein echtes Highlight und eine schöne Herausforderung“ bedeute. Dennoch blickt er auch mit einem weinenden Auge auf die Zeit in Landsberg zurück. „Wir hatten hier ein außergewöhnliches Betriebsklima und ich habe mich in der Mannschaft immer gut aufgehoben gefühlt.“ Der Wechsel in den Landkreis Garmisch-Partenkirchen sei keine einfache Entscheidung gewesen, allerdings sei er dort verwurzelt und „kenne Gott und die Welt“, deshalb nun der Abschied aus Landsberg.

Ein Nachfolger ist in Robert Bocksberger bereits gefunden, dieser hat seine neue Arbeitsstelle auch schon angetreten. Die 15.000 Hektar, die der 53-jährige Forstdirektor in Landsberg ab sofort verantwortet, seien „mit Reichtümern gesegnet“, so der gebürtige Penzberger.

Nachdem er zuvor als Schulleiter einer Waldarbeiterschule in Goldberg bei Kelheim fungierte, war er von 2001 bis 2005 an das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten abgeordnet. Seit der Gründung der Bayerischen Staatsforsten war Bocksberger schließlich als Teilbereichsleiter Aus- und Fortbildung tätig. Auf seine neue Aufgabe als Forstbetriebsleiter in Landsberg freut sich der Familienvater: „Ich übernehme hier einen der schönsten Forstbetriebe in ganz Bayern und freue mich, dass ich von der strategischen Arbeit in der Regensburger Zentrale nun wieder in die Praxis wechsle. Auch vieles von dem, was ich im Ministerium auf den Weg gebracht habe, holt mich nun in meiner praktischen Arbeit wieder ein.“

Allerdings hebt der neue Betriebsleiter hervor, die Forstarbeit sei „keinesfalls eine One-Man-Show“, vielmehr brauche es ein Kollektiv von nachhaltig und wirtschaftlich denkenden Forstleuten, um langfristig Erfolg zu haben. Auf diese Gruppe sei er nun in Landsberg gestoßen, wo der Großteil der Mitarbeiter schon viele Jahre im Betrieb sei und eine „konstruktive Zusammenarbeit“ herrsche.

Landrat Thomas Eichinger und die zweite Bürgermeisterin der Stadt Landsberg, Doris Baumgartl, bedankten sich bei Nikolaus Stöger für dessen Arbeit, für die Eichinger exemplarisch die gute Zusammenarbeit im Thema „Radwegenetz“ nannte. Eichinger freute sich aber auch, dass nun mit Robert Bocksberger „ein ausgewiesener Forstfachmann“ nach Landsberg komme und veranschaulichte anschließend die Bedeutung des Waldes für Landsberg. „25 Prozent des Landkreises sind bewaldete Fläche. Im Gegensatz zu umliegenden Landkreisen sind wir noch nicht von der Übersiedelung überrollt.“, stellte der Landrat klar. Da der Wald nicht nur ein Wirtschaftsgut sei sondern für die Landsberger Bürger die Heimat bilde, blickte Eichinger voraus: „Das wollen wir in Zukunft auch so beibehalten. Wir wollen nicht unser Gesicht verändern.“

Marco Tobisch

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