Nächtlicher "Freifall" ins Krankenhaus

Inselbadchef Jürgen Aicher, Abteilungsleiter Oskar Imhof und Stadtjuristin Susanne Faust (von links) sind mehr oder minder ratlos: Weder Totenkopf-Kette (links oben) noch Kamera, Scheinwerfer und Hupe (rechts oben) halten die meist jugendlichen Nachtschwärmer davon ab, die Freefallrutsche widerrechtlich zu benutzen. Fotos: Kruse

Auch knapp zwei Jahre nach dem Unfall eines damals 16-Jährigen geht die Diskussion um die „Freefall“-Rutsche im Inselbad weiter. Nachdem die Mutter des jungen Mannes sich unter anderem an die Regierung von Oberbayern gewandt hatte, gab es jetzt eine Ortsbegehung mit einem Anwalt der Regierung, Vertretern der Stadtwerke, des Landratsamtes und einigen erfahrenen Schwimmmeistern. Erörtert wurden bei dem Termin verschiedene Möglichkeiten, wie die Rutsche noch sicherer gemacht werden könnte. Ob das überhaupt realisierbar ist, bleibt vorläufig offen.

Wie berichtet, waren bei dem Unfall im August 2010 vier Jugendliche in das Bad eingestiegen und hatten die Rutsche benutzt. Nachts ist sie aber nicht in Betrieb. Der 16-Jährige hatte sich beim Rutschen ohne Wasser im „Auslaufbecken“ beide Fersenbeine gebrochen und musste vier Wochen im Krankenhaus verbringen. Die Mutter, die vom jüngsten Ortstermin im Inselbad nichts wusste, möchte sich auf Nachfrage dem KREISBOTEN gegenüber nicht näher zu ihrem Vorgehen äußern. Sie bestätigt aber, dass sie „die Behörden informiert“ habe. Grund: „Dort sind bereits so viele Menschen schwer verunglückt und haben Schäden für ihr weiteres Leben behalten, dass etwas getan werden muss. Man muss eben auch damit rechnen, dass junge Menschen nachts einsteigen.“ Ob die Rutsche ihrer Meinung nach abgebaut werden soll, will die Frau aus Erpfting nicht sagen. „Das müssen die Experten beurteilen.“ Totenkopf soll weg Norbert Köhler ist inzwischen fast schon ratlos, was den Vorgang angeht. Man habe entsprechende überstiegssichere Zäune angebracht, erläutert Stadtwerke-Vorstand, zudem wird die Rutsche mit einer Kamera überwacht und ist mit einer Kette mit Totenkopf-Sym­bolen gesichert. „Da hat uns doch die Gemeindeunfallversicherung geraten, die wieder abzunehmen, weil das den Anreiz eher erhöhe“, berichtet Köhler. Abhalten lassen sich die oft angetrunkenen Jugendlichen davon jedenfalls ebenso wenig wie von der Tatsache, dass Flutlichtstrahler aufflammen und laute Hupsignale ertönen, sobald sich nachts jemand der Rutsche nähert. Dass es auf der zehn Meter hohen Attraktion 13 oder 14 schwere Unfälle gegeben habe, wie die Mutter in einem öffentlichen Schreiben behauptet, will man bei den Stadtwerken jedenfalls nicht stehenlassen. Köhler: „Wir hatten in den acht Jahren, seit die Rutsche steht, zwei Unfälle im Betrieb. Die Rutsche ist selbstverständlich mehrmals vom TÜV abgenommen und auch von einem speziellen Gutachter, der als ,Bayerischer Rutschenpapst‘ gilt, geprüft worden. Dabei gab es keine Mängel.“ Nicht nur deshalb ist man prinzipiell froh, die Rutsche zu haben, da die Attraktivität des Bades, gerade bei den jüngeren Besuchern, dadurch deutlich gesteigert werden konnte. Vorschläge, was man nun noch tun könnte, um die nächtlichen Unfälle zu verhindern, gab es auch bei der Ortsbegehung wieder etliche – praktikabel scheint wenig davon zu sein. Eine Einhausung der Rutsche oder der Aufstiegstreppe etwa dürfte die Unfallgefahr eher noch erhöhen. Auch das Anbringen von Schaumgummi-„Stoppern“ in der Kunststoffrinne wurde schnell wieder verworfen. Die ins Spiel gebrachte Idee, das Wasser in der Rutsche auch nachts laufen zu lassen, um die Unfallgefahr so herabzusetzen, ist laut Köhler keinesfalls umzusetzen. „Zum einen geht uns da irgendwann die Pumpe kaputt. Ohne Überwachung ist das auch nicht möglich, das Wasser ist schnell herausgetragen, dann ist die Gefahr wieder genauso groß. Außerdem möchte ich mir gar nicht vorstellen, was nachts im Bad los ist, wenn sich herumspricht, dass die Rutsche eingeschaltet ist.“ Hausfriedensbruch Im diskutierten Fall hatten die Stadtwerke damals auf eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch verzichtet, weil man den Jugendlichen als mit seinen Verletzungen genügend gestraft ansah. Eine Gutmütigkeit, die Stadtwerke-Chef Köhler im Nachhinein angesichts der fortgesetzten Diskussionen um die Rutsche bereut. „Das würde mir nicht mehr passieren. Inzwischen gibt es in jedem Fall eine Anzeige, wenn wir jemand erwischen.“ Dass der gesunde Menschenverstand wohl eher dafür spräche, die Schuld an dem Unfall bei demjenigen selbst zu suchen, der nachts widerrechtlich in ein Bad einsteigt und alle Warnhinweise ignoriert, ändert allerdings nichts an der rechtlichen Situation. „Wir müssen leider zur Kenntnis nehmen, dass es im Moment dieses Verfahren bei der Regierung gibt und wir nicht vorhersagen können, wie es ausgeht“, sagt Susanne Faust, Juristin bei der Stadt Landsberg.

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