Gut für Dießens Ortsbild

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Möchten sich in einem neuen Arbeitskreis für die Baukultur in Dießen einsetzen (von links): Annunciata Forsti (Künstlerin und Kreisrätin), Ute Müller (Stadtplanerin) und Dr. Thomas Raff (Kunsthistoriker und Ortskenner).

Dießen – Überall wird in der Marktgemeinde derzeit über Baukultur diskutiert. Nun hat sich ein neuer „Arbeitskreis Ortsbild und Baukultur“ gegründet, zu dem sich die Stadtplanerin im Ruhestand, Ute Müller, die Künstlerin und Kreisrätin Annunciata Foresti und der Kunsthistoriker und Ortskenner Dr. Thomas Raff zusammengefunden haben. Sie möchten vorausschauend beobachten, wo sich im Ort Probleme baulicher Art ergeben könnten um dann beizeiten Stellung zu beziehen und vorab unvoreingenommen zu beraten.

Als Beispiel führt die Gruppe eine kleine Siedlung an der Bergmillerstraße/Von-Eichendorff-Straße an: Mitte der 60er Jahre entstanden dort elf Flachdachbungalows, die zwar nicht unter Denkmalschutz stehen, aber beispielhaft für die Architektur ihrer Zeit waren. Die Siedlung werde kaum wahrgenommen, da die Gärten mittlerweile stark eingewachsen sind. Erhaltenswert sei hier insbesondere die Einheitlichkeit der winkelförmigen Häuser, die den Siedlungscharakter ausmache, so der Arbeitskreis.

In der Vergangenheit wurde der Grundriss eines Hauses bereits stark verändert, ein anderes erhielt eine Art Walmdach. Der einheitliche Holzfries am Dachrand wurde entfernt. Eine Entwicklung, der der aktuell ausliegende neue Bebauungsplan „Dießen Nord“ weiter Vorschub leisten könnte, wie die Arbeitsgruppe befürchtet. „Es würde die Siedlung total verändern, wenn weitere Flachdächer durch flach geneigte Dächer ersetzt würden, die noch nicht einmal wirtschaftlichen Nutzen bringen“, so Raff.

In dem neuen Bebauungsplan findet sich eine Festlegung, die für das gesamte Gebiet bei erdgeschossigen Bauten Dächer mit einer Dachneigung bis zu 15 Grad erlaubt. Diese Festlegung sollte für die Flachdachbungalows an der Bergmiller-/Von-Eichendorff-Straße gestrichen werden, betont Städteplanerin Müller. Zu diesem Punkt wird der Arbeitskreis in Kürze einen Antrag vorlegen.

Dem Bauausschuss, aber auch privaten Bauherren, möchte der Arbeitskreis in diesen und ähnlichen Fragen bei Bedarf auch beratend zur Seite stehen. „Wenn wir die Mitglieder mit Knowhow zu Architektur- und Architekturgeschichte versorgen, können wir vielleicht manchmal etwas Einfluss nehmen“, hofft Müller. Im Hinblick auf die Siedlung an der Bergmiller-/Von-Eichendorff-Straße sei es wichtig, dass die Einheitlichkeit bestehen bleibe und kein Wildwuchs entstehe. Entwicklungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Verlängerung eines Schenkels der Winkelhäuser müssten deshalb nicht ausgeschlossen sein.

Für Architekturinteressierte möchte der AK Ortsbild und Baukultur in Kürze eine Führung durch die Siedlung anbieten.

In die Debatte um die Gestaltung des neuen Seekiosks oder um die zukünftige Nutzung des Blauen Hauses möchte sich er Arbeitskreis derzeit nicht einmischen. „Diese Themen werden bereits öffentlich diskutiert. Hinsichtlich des Blauen Hauses ist für uns ist wichtig, dass das Gebäude nicht abgerissen wird“, betont Raff. Und dies scheine nach der Präsentation eines Fachgutachtens im Gemeinderat mittlerweile gewährleistet zu sein. „Uns interessieren insbesondere Gebäude und Ensembles, die ansonsten durchs Raster fallen würden“.

Kontakt zum Arbeitskreis: baukultur-diessen@web.de.

Ursula Nagl

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