Planungen laufen an

Qualitätvolles Quartier ohne Ausgrenzung

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Zwischen Habichtstraße und Reischer Talweg soll ein Wohngebiet entstehen.

Landsberg – Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, das bislang unbebaute Gebiet zwischen Habichtstraße und Reischer Talweg zu überplanen. Dort soll ein Wohngebiet mit über 100 Häusern und „20 bis 30 Wohnungen“ entstehen. Ideen dafür soll im Herbst ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb liefern. Die Anwohner versuchten mit Unterstützung der UBV, frühzeitig auf das Bauvorhaben Einfluss zu nehmen; der beantragte Verzicht auf Geschosswohnungsbau wurde aber mit 15 zu 12 Stimmen abgelehnt.

„Geschosswohnungsbau können Sie am Bahnhof Kaufering machen“, meinte Reinhard Steuer (UBV). Das war keine nur so hingeworfene Bemerkung – tatsächlich plädiert der Rechtsanwalt dafür, unmittelbar südlich der Landsberger Stadtgrenze Wohnblöcke zu errichten, um sozial schwächere Mitbürger dort summarisch unterzubringen. Die Mehrheit des Stadtrats und die Stadtverwaltung sehen das ganz anders; sie wollen bei jedem größeren Neubaugebiet alle Bevölkerungsgruppen berücksichtigt wissen.

Im Nachgang zur Sitzung war es genau dieser Detailpunkt, der die Gemüter erhitzte. Steuers Vorschlag führe zur Ghettobildung, hieß es. Es gehe nicht an, sozial Schwächere an die äußerste Stadtgrenze zu verweisen. Außerdem habe Landsberg gerade für die Umwandlung von Acker- in Bauland das Prinzip der Sozialen Bodennutzung (SoBoN) beschlossen und ziele mit dem Landsberger Modell auf die Einbindung der Mittelschicht. Die Haltung der UBV wirke wie Klientelpolitik für die Anwohner, erklärten Vertreter von CSU, SPD und Grünen gegenüber dem KREISBOTEN.

Steuers Vorschlag „kein Geschosswohnungsbau“, den sein Fraktionskollege Wolfgang Neumeier unterstützte, fand daher auch keine Mehrheit im Stadtrat. Keine der drei Ideenskizzen der Stadtverwaltung, die dem Gremium vorlagen, gehe von Gebäudekomplexen wie am Ziegelanger aus. Ein Mehrfamilienhaus müsse ja nicht höher als ein Reihenhaus sein, gab Barbara Juchem (CSU) zu bedenken. Henrik Lüssmann (Grüne) wies darauf hin, dass Reihenhäuser für die meisten Landsberger zu teuer seien. Selbst er als Bezieher eines Einkommens, mit dem er durchaus zufrieden sei, könne sich in seiner jetzigen Lebensphase nur eine Wohnung und kein ganzes Haus leisten.

Auch Stadtbaumeisterin Birgit Weber plädierte dafür, neben den geplanten Reihen- und Doppelhäusern auch Wohnungen vorzusehen. Das Ergebnis werde dennoch ein „qualitätsvolles Quartier“ sein. Die Ausgrenzung einzelner Bevölkerungsgruppen sei nicht Politik der Stadt. „Wir wollen alle Schichten integrieren und eine Nutzungsmischung erreichen“. Weber sagte aber zu: „Es geht um 20 bis 30 Wohnungen“. Auch Oberbürgermeister Mathias Neuner hatte zuvor von einem „bisschen Geschosswohnungsbau“, möglicherweise nach dem Landsberger Modell, gesprochen.

Ob das die Anlieger beruhigt, die zwischenrufend und applaudierend im Sitzungssaal mitwirkten, kann bezweifelt werden. Die Bewohner der Habichtstraße haben offenbar darauf gehofft, dass ihr freier Blick in Richtung Süden ungetrübt erhalten bleibt. Allerdings stand der größte Teil des acht Hektar großen Baugrunds bereits bisher im städtischen Eigentum. Die Stadt will lediglich einige Flächen hinzukaufen, was der Stadtrat in der nichtöffentlichen Sitzung im Anschluss an die Beratung auch beschloss. Einige politische Gruppierungen – besonders die Landsberger Mitte – hatten bereits früher darauf hingewiesen, dass auch Bauflächen außerhalb des Stadtzentrums ausgewiesen werden sollten. „Noch mehr Verdichtung in der Innenstadt wollen wir nicht“, so Hans-Jürgen Schulmeister.

Dass das Gebiet angesichts des zu erwartenden Bevölkerungswachstums in Landsberg für Wohnzwecke genutzt werden muss, war daher auch einmütige Auffassung des Stadtrats, der noch Akzente in Sachen „Verkehr“ setzte. CSU-Fraktionschef Tobias Wohlfahrt erbat Stellungnahmen zur Auswirkung der Planung auf das PKW-Aufkommen in der Münchener Straße. Und Henrik Lüssmann setzte durch, dass das Vorhaben mit der beschlossenen ISEK-Planung konform sein muss; die von der Verwaltung ins Auge gefassten Quartiersgaragen passen bereits dazu. Außerdem sollen die Straßen im Baugebiet möglichst verkehrsberuhigt erstellt werden.

Die Stadtverwaltung beabsichtigt nach Angaben von Oberbürgermeister Mathias Neuner, das Gebiet selbst zu überplanen, also nicht an einen Entwickler zu veräußern. Daher hätten auch die Anwohner noch mehrfach die Möglichkeit, bei der Stadtverwaltung auf das Vorhaben Einfluss zu nehmen. Den von der Landsberger Mitte unterstützten Vorwurf der Anlieger, von dem Vorhaben erst durch den Bericht des KREISBOTEN erfahren zu haben, wies Neuner zurück. Die Verwaltung habe ja erst einen Vorschlag an den Stadtrat unterbreitet; ob das Gremium diesem Vorschlag folgt, sei offen gewesen. Außerdem halte er die Presse durchaus für ein geeignetes Instrument, die Bevölkerung zu informieren.

Werner Lauff

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