Vier-Säulen-Sofortprogramm

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Eva Aviles bei der Arbeit in ihrem Ladenbüro in der Dießener Bahnhofstraße 14.

Dießen – Zu ihrem Antrittsbesuch beim Marktgemeinderat kam Asyl-Integrationsberaterin Eva Aviles ins Dießener Rathaus. Sie besetzt seit Anfang September eine gemeinsam von der Arbeiterwohlfahrt AWO und der Gemeinde neu geschaffene Stelle, die sich in einem Vier-Säulen-Sofortprogramm um anerkannte Flüchtlinge kümmert. Was da sind Wohnungssuche, Eingliederung in den Arbeitsmarkt, Deutsch- und Integrationsunterricht sowie Betreuung und Erweiterung des Dießener Ehrenamtlichen-Kreises. Dafür hat Aviles gerade ein neues Ladenbüro in der Dießener Bahnhofstraße 14, das für ihr Klientel leicht zu finden und zu erreichen ist.

Die 32-jährige Eva Aviles kommt aus Schondorf, ist verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn. Sie studierte Politik- und Religionswissenschaften sowie Philosophie, bevor sie sich der Flüchtlingshilfe verschrieb. Beim Roten Kreuz in Landsberg war sie im Außendienst der Asylbetreuung für die Gebiete Utting, Windach und St. Ottilien tätig. Organisatorische Hilfe in den Unterkünften sowie Behörden- und Arztbesuche bis hin zur Erstellung von Putzplänen gehörten zu ihrem umfangreichen Aufgabengebiet. Das alles habe sie „gestählt“ für ihre neue Aufgabe in Dießen, die sie mit viel Herzblut angeht. Wobei momentan Bedarfserhebung und Analysen im Vordergrund stehen. Bei den 60 in Dießen anerkannten Flüchtlingen müsse ausführlich abgeklärt werden, welche Unterstützungsmaßnahmen vordringlich sind.

Eines der größten Probleme ist auch in Dießen die Wohnungssuche. Denn nach Zustellung des positiven Anerkennungsbescheides durch das Bundesamt für Migration sind die Flüchtlinge eigentlich verpflichtet, die Gemeinschaftsunterkünfte zu verlassen und sich auf dem freien Wohnungsmarkt eine Bleibe zu suchen. Laut Bürgermeister Herbert Kirsch ist ab der Anerkennung nicht mehr der Landkreis zuständig, sondern die jeweilige Gemeinde, wenn der Flüchtling selbst keine Wohnung findet.

Um privaten Vermietern Sicherheit zu geben, plane die Gemeinde Dießen, in Frage kommende Wohnungen selbst anzumieten und dann an die anerkannten Flüchtlinge unterzuvermieten. Die Gemeinde wiederum bekommt die Kosten für das Wohnen vom Landsberger Jobcenter erstattet, wobei sich Eva Aviles um einen einheitlichen Rahmen für ganz Dießen bemüht. Schließlich will sie sich mit dem Landratsamt kurzschließen, wenn Unterkünfte im Gemeindegebiet dicht gemacht werden. Auch hier würde der Markt Dießen anmieten und an Flüchtlinge untervermieten.

Um privaten Wohnraum zu akquirieren, plant Eva Aviles eine Briefwurfsendung im gesamten Gemeindegebiet, um auf die drohende Obdachlosigkeit der Flüchtlinge hinzuweisen. Auch eine öffentliche Veranstaltung zu diesem Thema sei geplant. Man wolle potentiellen Vermietern klar machen, dass von Seiten der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter alles transparent und fair geregelt werde – vom Untermietvertrag über Nebenkostenpauschalen bis zu Hausregeln.

Für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt organisiert Eva Aviles in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter noch im Oktober eine Infoveranstaltung, zu der Arbeitgeber aus Firmen und Handwerksbetrieben sowie Ausbilder aus der Region eingeladen werden. Hier sollen alle Fragen beantwortet werden.

Da für all diese Maßnahmen Deutsch- und Integrationskurse das Schlüsselthema seien, wird Eva Aviles alles daran setzen, die Voraussetzungen dafür direkt in Dießen zu schaffen, wobei hier die Suche nach passenden Räumlichkeiten bereits angelaufen ist.

Die vielen ehrenamtlichen Helfer, die im Gemeindegebiet Dießen bereits aktiv sind, bräuchten schließlich Verstärkung in allen Bereichen. Interessenten können gerne im Ladenbüro in der Dießener Bahnhofstraße 14 vorbeischauen und sich informieren. Eine telefonische Anmeldung wäre ratsam, da Eva Aviles auch oft im Außendienst unterwegs ist (Tel. 08807/3199601 und 0172/2985737). Offizielle Sprechstunden für Flüchtlinge sind hier übrigens Dienstags von 11.30 bis 14.30 Uhr und Donnerstags von 13 bis 16 Uhr.

Auch über die Webseite des AWO-Ortsvereins Dießen (www.awo-diessen.de) können in Kürze wichtige Informationen im Bereich Integration von Flüchtlingen abgerufen werden. Diese Infos sollen nicht nur auf Deutsch, sondern neben Arabisch auch auf Tigrinya zu Verfügung stehen. Dies ist die Heimatsprache in Äthiopien und Eritrea, von wo aus viele Flüchtlinge in Dießen gelandet sind.

Dieter Roettig

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