Wenn die Senioren raus sind:

Die Stadt "zerlegt" das Heilig-Geist-Spital

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Das Erdgeschoss des Heilig-Geist-Spital und seine künftige Nutzung.

Landsberg – Ab Mitte 2017 steht das Heilig-Geist-Spital leer; die Pflege wird im Neubau der Caritas fortgesetzt. Was soll aus dem Gebäude werden? Dazu hat eine Arbeitsgruppe einvernehmlich Vorschläge erarbeitet. Der Stadtrat wird in seiner Sitzung am morgigen Mittwoch darüber beraten. Eines steht bereits fest: Den „einen“ Nachnutzer für das Spital gibt es nicht. Vielmehr wird die Stadt das Gebäude wohl in die Teile VHS, Museum, Landsberger Tafel, Agrarbildungszentrum, Berufsschüler-Quartier, Wohnungen und Büros „zerlegen“.

So ist es nun geplant: Das Agrarbildungszentrum Landsberg übernimmt die Küche und die Lagerräume im Erdgeschoss und integriert sie in ihr Gesamtgebäude. Der östliche Nord-Südflügel des Heilig-Geist-Spitals könnte von der Volkshochschule (VHS) und dem Neuen Stadtmuseum genutzt werden. Im nördlichen Verbindungsflügel wird im Erdgeschoss die Landsberger Tafel untergebracht; im ersten Obergeschoss sollen Büros entstehen.

Der neu errichtete Pflegeanbau mit 24 Zimmern kann an den Landkreis zur Unterbringung von Berufsschülern (der KREISBOTE berichtete) vermietet werden. „Eine diesbezügliche Anfrage liegt vor“, heißt es in der Sitzungsvorlage. In den übrigen Gebäudeteilen mit den Blickrichtungen Süd, West und Nord können zu acht bis zehn Wohnungen ausgebaut werden, um preisgünstigen städtischen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Nur dort sind auch „intensivere bauliche Eingriffe erforderlich“.

Museumspädagogik

Die Museumsleitung begründet den Raumbedarf so: Mit der Schließung der drei oberen Stockwerke des Stadtmuseums sei der „Museumspädagogikraum“ verloren gegangen. 2012 hätten diesen Raum noch 2.400 Schüler aus vier Landkreisen genutzt. „Diese Zielgruppe ist durch die Schließung nahezu weggebrochen.“ Das Museum benötige daher dringend einen Raum für die Museumspädagogik und einen Mehrzweckraum für Vernissagen und Veranstaltungen, der sich bestuhlen lässt.

Eine dauerhafte Auslagerung dieser Funktionen ins Heilig-Geist-Spital wäre aufgrund der räumlichen Nähe zum Museum gut denkbar, zumal man dadurch „prominente Flächen“ im Erdgeschoss des Museums für Servicebereiche, wie Garderobe und Museumsshop, gewinnen könnte. Die Museumsmitarbeiter würden dann dauerhaft ins Spital umziehen. Weiterer Vorteil: Trotz kompletter Unterbrechung des Museumsbetriebes während der Sanierung könnte man das Bildungsangebot für Schulklassen aufrechterhalten, insbesondere durch Apothekenführungen und die mittelalterliche Schreibwerkstatt.

Für die VHS

Auch die VHS hat Raumbedarf. Ihre 14 Seminarräume in der Innenstadt seien von 8 bis 22 Uhr belegt. In erster Linie fänden hier Kurse aus den Bereichen Beruf/EDV, Sprachen, Gesellschaft und Kultur statt. Das Gebäude sei nicht barrierefrei, der Denkmalschutz lässt einen Aufzug nicht eingebaut werden. Zehn Prozent der Kursteilnehmer seien über 65 Jahre alt; „Menschen mit Behinderung sind von einer Kursteilnahme bisher nahezu ausgeschlossen“.

Der Programmbereich Gesundheit sei überwiegend in externe Räume (Schulen, Fitnesscenter, Praxen) verlegt. Die Mieten hierfür seien seit 2015 stark gestiegen. Die Volkshochschule benötige nach dem dauerhaften Wegfall der Räume in der Lechturnhalle dringend wieder eigene Räume für die Gesundheitskurse. Diese müssen die erforderliche Größe ab 50 Quadratmeter und einen geeigneten Grundriss haben. Sie sollten der VHS ganztags zur Verfügung stehen.

Die Volkshochschule benötige außerdem Werkräume für Kreativkurse mit strapazierfähigen Böden, Werkbänken und Wasseranschluss in jedem Raum. Die Bedingungen im Heilig-Geist-Spital seien dafür ideal. Sehr gut ließen sich auch die Kunstkurse der Erwachsenenbildung mit den museumspädagogischen Angeboten kombinieren. Die Räume müssten im Falle einer gemeinsamen Nutzung durch Volkshochschule und Stadtmuseum nur einmal ausgestattet werden. Sie stünden dann vormittags Schulklassen für die Museumspädagogik zur Verfügung und später der Erwachsenenbildung. Durch die Auslagerung einiger Kurse von der Innenstadt ins Spital sei es auch möglich, spezielle Kurse für Menschen mit Behinderung anzubieten.

Werner Lauff

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