Farbenfrohes Keramikspektakel

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Der Dießener Keramikpreis 2016 ging an die Münchner Künstlerin Christiane Wilhelm (rechts). Hier bei der Laudatio von Brennofen-Fabrikant Benjamin Rohde, der den mit 3.000 Euro datierten Preis gestiftet hat. Links Organisator und Marktleiter Wolfgang Lösche und Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch.

Dießen – „Es war der schönste und umsatzstärkste Töpfermarkt seit Bestehen! Die Aussteller waren mehr als zufrieden und das Publikum durch die Bank begeistert.“ So das Resümee von Organisator Wolfgang Loesche am Sonntagabend, als der 16. Dießener Töpfermarkt nach vier sonnigen Tagen mit einem neuen Besucherrekord endete. Rund 60.000 Keramik-Fans waren an das Ammersee-Westufer gekommen, darunter auch viele Gäste aus dem Ausland. Der Dießener Töpfermarkt gilt nämlich inzwischen als internationale Börse für das Keramikhandwerk und als Treffpunkt für Liebhaber, Sammler und Galeristen.

350 Künstler und Keramikwerkstätten hatten sich für einen Standplatz auf der Seepromenade beworben, nur 150 konnten aus Platzgründen angenommen werden. „Die Jury hat sensationelle Entscheidungen getroffen und europäische Töpfer ausgewählt, die mit handwerklicher Schöpfungskraft durch alle Form- und Stilmittel gehen“, so Marktleiter Wolfgang Loesche. „Die Bewerbungen bewegten sich auf höchstem Niveau und es tut uns für jeden leid, den wir nicht berücksichtigen konnten.“

Rund um die Keramik

Immerhin schafften es zu den „Stammgästen“ 15 neue Aussteller nach Dießen. 14 Nationen waren vertreten, am stärksten Frankreich, England und Italien. Aus Kreta kam Georgos Kavgalakis, der mit einer „lebenden Werkstatt“ an der Mühlbachmündung die Tradition seines kürzlich verstorbenen Großvaters Nikos fortführte und live vor Publikum Großgefäße töpferte. Die griechischen Amphoren, Vorrats- und Pflanzgefäße finden sich inzwischen in vielen Anwesen und Gärten rund um den Ammersee. Die weiteste Anreise hatte der chinesische Künstler Jackson Li aus Jingdezhen, bekannt durch hauchdünne Porzellane. Li präsentierte feinste Pinsel aus eigener Manufaktur, per Hand hergestellt aus Pferde-, Kamel oder Ziegenhaar.

Die Zukunft des Keramikhandwerks ist gesichert, was die Teilnahme der Keramikschule Landshut und der Keramikklasse der Muthesius-Hochschule in Kiel zeigte. Beim traditionellen Eröffnungsrundgang an Christi Himmelfahrt bestaunten die Ehrengäste das vielfältige und farbenfrohe Keramikspektakel. Darunter Bezirkstagspräsident Josef Mederer, die Landtagsabgeordneten Dr. Thomas Goppel (CSU) und Dr. Herbert Kränzlein (SPD) sowie die Bürgermeister Michael Kießling (Denklingen) und Herbert Kirsch (Dießen). Dabei auch Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. Schließlich brachten seine Dampfer mit Sonderfahrten Tausende Gäste von Herrsching aus über den See nach Dießen.

Gebrauchskeramik, künstlerische Keramik und Unikate gaben einen umfassenden Überblick über das Schaffen der deutschen und europäischen Werkstätten. Neben Tafelservice in hundertfachen Variationen und Farben gab es Dekokunst für Haus und Garten, Waschbecken und Ethanol-Öfen, Figuren wie Menschen, Tiere und Fabelwesen, erlesenen Schmuck und natürlich Unikate in den unterschiedlichsten Stilrichtungen. 80 Künstler hatten sich für den begehrten „Dießener Keramikpreis“ beworben, der diesmal unter dem Motto „Lieblingsstücke – Favoriten der Werkstätten“ stand. 15 schafften die Vorauswahl und konnten im Traidtcasten beim Marienmünster ihre Lieblingsstücke ausstellen. Eine hochkarätige Jury traf sich hier, darunter Dr. Corina Rösner von der Neuen Sammlung München, Dr. Angela Böck von der Handwerkskammer für München und Oberbayern, BR-Kulturredakteurin Julie Metzdorf und die Preisträger des letzten Jahres, Kiho Kang und Toni Maurer.

Man einigte sich schnell und erkor Christiane Wilhelm aus München zur diesjährigen Preisträgerin. Sie hatte ein klassisches auf der Töpferscheibe gedrehtes Gefäß mit halbrundem Deckel eingereicht. Brennofen-Hersteller Benjamin Rohde, der Stifter des mit 3.000 Euro dotierten Preises, zitierte in seiner Laudatio das Jury-Urteil: „Alle Zonen des Gefäßes sind wohlproportioniert aufeinander abgestimmt und ergeben in der Summe ein Gefühl der Harmonie, Ruhe und Ausgewogenheit. Das Gefäß steht einzigartig für sich alleine und drückt eine hohe Präsenz aus.“ Die bescheidene Künstlerin Christiane Wilhelm konnte ihr Siegerglück kaum fassen und rang nach Worten unter dem Beifall vieler Kollegen, die zur Preisverleihung in den Traidtcasten gekommen waren.

Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch gratulierte und kaufte traditionsgemäß das Siegerstück für die Gemeinde, wo es im Foyer des Rathauses einen Ehrenplatz bekommen wird. Kirsch freute sich auch über Extralob und einen Sonderpreis für seine Bauhof-Mitarbeiter, die einen ganz wesentlichen Anteil am Gelingen des Töpfermarktes haben. Den Termin für das nächste Jahr haben sie sich bereits im Kalender vermerkt: 25. bis 28. Mai 2017.

Ganz Dießen hatte sich rausgeputzt zum Ereignis des Jahres mit seiner einzigartigen und harmonischen Stimmung. Die Geschäfte waren an Christi Himmelfahrt und am Sonntag geöffnet, die Hotellerie und Gastronomie verzeichnete Rekordumsätze. Marktleiter Wolfgang Loesche freute sich über den reibungslosen und friedlichen Ablauf des Keramik-Festivals und dankte ausdrücklich dem Roten Kreuz, das auf der Seepromenade parat stand und des Öfteren bei Kreislaufproblemen oder Stürzen Erste Hilfe leistete, verursacht durch Rekordtemperaturen und teilweise dichtes Gedränge. Vor allem auf der „Rialto-Brücke“ über den Mühlbach ging es nur im Schneckentempo voran.

Dieter Roettig

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