84 Jahre lang nicht vollzogen

Stadtrat hebt Beschluss vom 23. Juni 1930 auf

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Überflüssiger Wegweiser im Herkomer-Park?

Landsberg – Ein fürwahr kurioses Stück Ratsgeschichte ist am Mittwoch geschrieben worden. Das Plenum hob einen Beschluss aus dem Jahr 1930 auf: Der damals neue Fußweg zwischen Mutterturm und Lechwehr sollte nach Hubert von Herkomers Frau Margaret benannt werden.

Eben das ist nie geschehen, seit Ende der 80er Jahre heißt er St. Laurent-du-Var-Promenade – nach Landsbergs Partnerstadt in Frankreich. Ebenfalls kurios: Nebenbei erfuhren die Ratsmitglieder erst jetzt, dass Failsworth schon seit 2008 nicht mehr Partnerstadt ist.

Der Auszug aus der Sitzungsniederschrift von 1930 belegt, dass die St. Laurent-du-Var-Promenade eigentlich nach Margarete Herkommer benannt sein müsste.

Im Herkomer-Jahr – der Todestag des Landsberger Ehrenbürgers jährt sich 31. März zum 100. Mal – sollte endlich auch ein Weg nach dessen Ehefrau Margaret benannt werden. Das hatte BAL-Stadtrat Reinhard Skobrinsky beantragt. Mangels Alternativen schlug er dafür den neuen lechseitigen Geweg an der Von-Kühlmann-Straße zwischen Papierfleck und Lechwehr vor. Das hielt OB Mathias Neuner (CSU) für keine glückliche Lösung. Auch die Umbenennung der St. Laurent-du-Var-Promenade komme nicht infrage, das wäre ein „falsches Signal an unsere Partnerstadt“, so der OB. Sein Vorschlag zur Güte: Aus dem Failsworth-Weg zwischen Mutterturm und Sandauer Brücke wird der Margarete-Herkomer-Weg. Das sei kein Problem, da die Städtepartnerschaft bereits seit April 2008 nicht mehr bestehe. Neuner verwies auf ein entsprechendes „Kündigungsschreiben“ aus England. Offensichtlich hatte es die Stadtspitze damals versäumt, die Ratsmitglieder darüber zu informieren. Das sorgte nun für Erstaunen im Plenum – zumal die Beschilderungen an den Stadteingängen sowie nach 2008 erschienene städtische Druckwerke nach wie vor auf die englische Partnerstadt verweisen.

Fündig geworden

Das Skobrinsky-Ansinnen im Grundsatz befürwortend, ließ Neuner nach dem Beschluss suchen und freute sich nun, dass Stadtjuristin Petra Mayr-Endhart „im verstaubten Archiv tatsächlich fündig“ geworden sei. Laut Niederschrift der Sitzung vom 23. Juni 1930 (Foto) hätte nicht nur der besagte Lechuferweg nach Margarete Herkomer benannt, sondern auch ein Stein mit Inschrift gesetzt werden müssen. Beides ist unter dem damaligen Bürgermeister Dr. Ottmar Baur und danach nie geschehen.

Um die von OB Neuner vorgeschlagene Namensänderung zu ermöglichen, zog Skobrinsky seinen Antrag zurück, danach hob der Stadtrat den 84 Jahre alten Beschluss auf und votierte einstimmig für den Margarete-Herkomer-Weg.

Toni Schwaiger

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