Neuer Wind auf Schloss Rudolfshausen

Anmutiger Anblick: Schloss Rudolfshausen in Holzhausen. Foto: Privat

Längst hat sich das Internet als Marktplatz für alle möglichen und unmöglichen Dinge etabliert und vor allem auf dem Immobiliensektor den klassischen Medien den Rang abgelaufen. Kein Wunder, dass auch die Augsburger Diözese online inserierte, um einen Mieter für das seit Jahren leerstehende Schloss Rudolfshausen in Holzhausen zu finden. Mit Erfolg: Seit Ende Juli hat das mittelalterliche Anwesen eine neue Schlossherrin – und die hat einiges vor.

Für Helene Walterskirchen war es Liebe auf den ersten Blick. „Schon bei der ersten Besichtigung ist mir das Herz für das Gebäude und den Ort aufgegangen“, sagt die Wolfratshauserin. Eigentlich hatte die Autorin und Publizistin nur nach einer Immobilie gesucht, in der sich Arbeit und Wohnen vereinbaren ließe, als ihre Tochter Alexandra im Internet über das leerstehende Schloss stolperte. Einige Jahre stand das 1580 als Edelmannsitz Ludwig Welsers, dem Pfleger der Herrschaft Hohenschwangaus, erbaute Anwesen zuletzt leer, zuvor war es als Pfarrhof genutzt worden. In der Anzeige preist die Diözese das denkmalgeschützte Gebäude mit einer Nutzfläche von 460 Quadratmetern und einem zugehörigen 2000 Quadratmeter großen Grundstück als „eines der schönsten und großartigsten Pfarrwohngebäude in der Diözese Augsburg“. Was Walterskirchen und ihre Tochter allerdings bei der Besichtigung zu sehen bekamen, war eher ernüchternd. Das Schloss habe sich in einem „ziemlich verwahrlosten und heruntergekommenen Zustand“ befunden, erklärt Walterskirchen. „Es war praktisch nicht bewohnbar und auch nicht für einen zeitgemäßen Bürobetrieb geeignet.“ 300000 Euro, erfuhr sie von Kirchenpfleger Hans-Jürgen Asemann, stünden seitens der Kirche zur Renovierung zur Verfügung – eine Summe, die jedoch nur für eine Teil der notwendigen Arbeiten reichen würde. Bäder, Küche, Böden, Elektrik sowie neue Telefon- und Internetleitungen müssten die potentiellen Mieter selbst tragen – eine gehörige Investition, die auch Walterskirchen ins Grübeln brachte. „Mein Verstand hat gesagt, lass die Finger von dieser Bruchbude.“ Doch nach wo­chen­langem Überlegen stand der Entschluss der Wolfratshauserin, die schon als Jugendliche viele Stunden in alten Schloss- und Burganlagen verbracht hatte und Mitglied in der Deutschen Burgenvereinigung ist, fest. Ende Juli unterzeichneten Mutter und Tochter einen langfristigen Mietvertrag. Walterskirchen, die sich selbst als „Kultur-Mentorin“ bezeichnet, will Schloss Rudolfshausen freilich nicht nur bewohnen, sondern es zu einem Kulturzentrum ausbauen. Mit ihrem Verein „AdmaCUM – Zentrum zur Förderung der Lebens-, Gesellschafts- und Geisteskultur“ schwebt der Schlossherrin ein kulturelles Bildungsangebot in Form von Vorträgen, Seminaren, Ausstellungen, Kursen sowie Kulturevents aller Art vor. Doch bevor das Erdgeschoss mit seiner Eingangshalle und großen Räumen für derartige Zwecke genutzt werden kann, stehen der Mieterin weitere Investitionen bevor. Eine Alarmanlage fehlt ebenso wie das komplette Ausstellungsequipment. Allein die Kosten, um das Fresko, das sich hinter einer unansehnlichen Styroporhülle an der Decke eines der Erdgeschossräume verbirgt, zu restaurieren, schätzt Walterskirchen auf rund 30000 Euro. Geld, das weder die neuen Mieter noch die Katholische Kirche aufbringen können. Um ihr ehrgeiziges Projekt, das Schloss wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, dennoch umsetzen zu können, setzen Walterskirchen und ihre Tochter auf das Engagement der Öffentlichkeit. So hat die Wolfratshauserin einen „Freundeskreis Schloss Rudolfshausen“ ins Leben gerufen. Mitglied kann jeder werden, der eine monetäre Patenschaft für das historische Gebäude übernimmt. „Je schöner das Schloss ist, umso mehr wertet es die Region auf“, ist Walterskirchen überzeugt. Im Dezember soll das Kulturzentrum offiziell eröffnet werden. Schon Anfang November will die Schlossherrin selbst ihr neues Domizil beziehen. Ob es auch Liebe auf den zweiten Blick sein wird, wird sich wohl erst ab dann zeigen.

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