Neues "Fräulein" bei der "Flucht"

Wenn Alexander Netschajew, früherer Leiter des Landsberger Stadttheaters, auf das vergangene Theaterjahr zurückblickt, fällt ihm besonders der Auftritt der 90-jährigen Ursula Traun als „Fräulein Hönigschmid“ bei seiner Inszenierung von „Die Flucht“ ein. Noch vier Vorstellungen gibt es von diesem Stück von Ernst Waldbrunn. Doch Zeitzeugin Ursula Traun wird dann nicht dabei sein – aus gesundheitlichen Gründen. Ihre Rolle übernimmt Barbara Mohrenweis von der „Landsberger Bühne“.

„Stolz und glücklich sei er, dass er Ursula Traun den Auftritt „abringen“ konnte, erzählt Netschajew. Trotz eines schweren Sturzes im vergangenen Sommer hatte sich die 90-Jährige darauf eingelassen. Sie hätte dem Projekt den Schuss Authentizität gegeben, „der einem einen Schauer über den Rücken jagt“, so der Ex-Theaterleiter. Traun hat die Zeit miterlebt: Als junge Schauspielerin am Deutschen Theater Berlin war sie von der Theatersperre betroffen, als bei Luftangriffen ihre Spielstätte am 22. November 1943 zerstört wurde – übrigens auf den Tag genau 65 Jahre vor der letzten „Flucht“-Aufführung 2008. Einen noch schlimmeren Schicksalsschlag hatte sie zu bewältigen, als ihr damaliger Ehemann von einem U-Boot-Einsatz nicht mehr zurückkehrte. Das Wrack wurde erst sechzig Jahre später entdeckt. „Ursula wusste also allzu gut, wovon wir in unserer ‘Tragödie einer Komödie’ erzählten...“, erklärt Netschajew. Nun musste sie aus gesundheitlichen Gründen für die kommenden letzten Vorstellungen absagen, was das Ensemble um Hauptdarsteller Ralf Weikinger traurig stimmt. „Doch alle unsere guten Wünsche fliegen zu dir an den Starnberger See.“, richtet sich Netschajew persönlich an Darstellerin Traun. Froh ist das Ensemble, dass Barbara Mohrenweis bereit war, die Rolle der kleinen Postbeamtin „Fräulein Hönigschmid“ zu übernehmen. Mohrenweis unterstützte bereits letzten Herbst die Arbeit an der „Flucht“ und begleitete Trauns Szene bei den Proben und Aufführungen. Regisseur Netschajew bedankt sich schon jetzt, bei Mohrenweis. Bei einigen Proben habe er sich indes von ihrer großartigen schauspielerischen Kraft überzeugen können. Dieser Brückenschlag zur „Landsberger Bühne“ freue ihn besonders, sagt er und meint: „Wir Theaterschaffenden müssen in Landsberg zusammenhalten!“ „Die Flucht“ kommt am Montag, 27. und Dienstag, 28. April, bei zwei Schülervorstellungen auf die Bühne. Abendvorstellungen sind am Freitag, 24. April, und am Mittwoch, 6. Mai. Karten sind beim Stadttheater erhältlich.

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