Ein Vorbote der Nachverdichtung

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Nach diesem Bebauungsplanentwurf (Ansicht von Osten) möchte die Stadt den Grünstreifen zwischen Wiesenring und Lärmschutzwall zur B17alt/Schongauer Straße (unten, rot) bebauen. Deshalb hagelt es seit geraumer Zeit Proteste seitens der Anwohner.

Landsberg – Der massive Protest der Anwohner gegen die geplanten Reihenhäuser am Wiesenring zeigt Wirkung: Die Stadt will „möglichst viele Bürger“, so Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU), über das Vorhaben aufklären und veranstaltet deshalb am kommenden Montag einen Informationstermin. An den Plänen selbst wird aber vorerst nicht gerüttelt.

Das Postfach bei der Stadtverwaltung füllte sich in den letzten Wochen auch mit zahlrei- chen Einwendungen gegen das Bauvorhaben. „Die Leute sind da ja sehr aktiv“, so Neuner. Neben einer langen Unterschriftenliste und zahlreichen E-Mails erreichten auch rekordverdächtige 168 Briefe den Oberbürgermeister. Die müssen sämtlich als Einwendungen im Stadtrat behandelt werden, Neuner hat die wichtigsten Inhalte deshalb schon einmal aufgelistet, „es geht im Wesentlichen ja immer um das gleiche“. Den Verlust der Grünfläche am Lärmschutzwall wollen demnach die meisten Briefschreiber verhindern, auch Verkehrs- und Parkplatzprobleme nehmen Spitzenpositionen ein.

Neuner will nun selbst mit den Bürgern reden. „Wir haben den Eindruck, dass die sachliche Aufklärung vor Ort nicht optimal ist“, so das Stadtoberhaupt, „wir wollen informieren, die Pläne vorstellen und auch auf die Einwände der Bürger eingehen.“ So seien bei den 312 Bäumen, die für die 16 Reihenhäuser gefällt werden müssen, auch viele mit einem Stammdurchmesser von nur zehn Zentimetern dabei, für den Restsuche man mit der Unteren Naturschutzbehörde bereits nach Ausgleichsflächen.

Der Grünflächenanteil im Wohngebiet Wiesenring/Obere Wiesen gehe durch das Bauvorhaben zwar von 12,7 auf 7,5 Prozent zurück, „das ist aber immer noch der zweithöchste Wert in der Stadt, links und rechts ist außerdem ebenfalls viel Wald.“ Der von Kindern derzeit als Spielfläche genutzte nördliche Teil des Streifens solle zudem erhalten bleiben, die durch Bepflanzung wegfallenden sechs Stellplätze durch neue an anderer Stelle ersetzt werden.

Auch wenn er die Einwände der Anwohner ernst nimmt, bleibt der OB nicht nur wegen des „einstimmigen Beschlusses“ des damaligen Stadtrates im Jahr 2013 zur Bebauung in der Sache fest (die Abstimmung ging tatsächlich mit 22:4 Stimmen aus). Er selbst sei davon überzeugt, dass das Projekt „sinnvoll, gut und richtig“ ist. „Wir müssen mit dem Flächenfraß, den wir in Bayern oft haben, aufhören und nachverdichten. Diese Häuser sind nur ein Vorbote in diesem Prozess und es ist klar, dass es nie allen gefällt, wenn plötzlich ein Haus steht, wo noch keines war.“

Allerdings ist das Problem nach Meinung des Oberbürgermeisters ohnehin nicht so groß, wie es derzeit gemacht werde. „Da geht es um 15 Wohneinheiten, auf die Brachfläche gegenüber werden weitere 150 hinkommen, da reden wir von ganz anderen Größenordnungen.“ Auch, dass Stadtbaumeisterin Annegret Michler vor kurzem offen äußerte, dass sie die Pläne in der aktuellen Form nicht unterstütze, irritiert den Verwaltungschef nicht. „Dabei ging es wohl nicht um das Projekt an sich, sondern darum, das Verfahren anders aufzuziehen.“ Dem sei man bereits gefolgt, indem man nicht im Vereinfachten, sondern im Regelverfahren plane. „Außerdem entscheidet zum Schluss ohnehin ausschließlich der Stadtrat.“

Für diesen hat Neuner noch ein gewichtiges Argument parat: „In Landsberg schießen die Immobilienpreise durch die Decke, bei mir sitzen oft Familienväter, die nach einem bezahlbaren Grundstück fragen. Wir bauen hier im Einheimischenmodell, damit kommen dann Normalverdiener relativ günstig zu einem Eigenheim.“

Auch das will das Stadtoberhaupt seinen Bürgern erläutern – und die haben Gelegenheit, sich am Montag, 21. Juli, ab 19.30 Uhr im Sportzentrum aus erster Hand zu informieren. Dafür gibt Neuner allerdings schon einmal die Richtung vor. „Ich kann und da nichts versprechen. Im Moment setze ich nur einen Stadtratsbeschluss um.“

Christoph Kruse

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