Verkehrsführung sorgt für Diskussionen

Wer will schon einen Altstadtring?

Die neue Facebook-Gruppe „Lebenswerte Altstadt Landsberg“ findet bereits regen Zuspruch.

Landsberg – Auch wenn es bisher nur ein „Realitätsmodell“ ist, wie Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) sagt – der „Altstadtring“, den seine Partei ins Spiel gebracht hat, sorgt schon als Idee für heftige Reaktionen...

Zahlreiche Anwohner und Geschäftsinhaber aus Schlossergasse und Hinteranger haben sich jetzt zusammengetan, ein Schreiben an die Stadtratsfraktionen geschickt und sie zu Stellungnahmen aufgefordert. „Eine dauerhafte Einbahnstraßenregelung am Hauptplatz wäre absolut unzumutbar", sagt Mit-Initiatorin Barbara Seitz auf Nachfrage des KREISBOTEN. „Der Verkehr wird dadurch auch nicht weniger, er verlagert sich nur. Und viele Leute, die aus dem Osten kommen, werden durch den Dauerstau abgeschreckt und fahren nur noch bis zum Fachmarktzentrum.“

Derzeit wird der Verkehr baustellenbedingt bereits so geführt, wie er einmal auf einem möglichen Ring fließen könnte: einspurig von West nach Ost über den Hauptplatz, durch den Hinteranger und „Ringschluss“ über die Von-Kühlmann-Straße. Das Ergebnis: In den Stoßzeiten stauen sich die Fahrzeuge über die Neue Bergstraße und den Kreisverkehr am Bayertor hinaus zurück, in Schlossergasse und Hinteranger gibt es über mehrere Stunden täglich Kolonnenverkehr im Schritttempo.

Neuner hatte dennoch eine Verkehrszählung in Auftrag gegeben, um ein solches Szenario als dauerhafte Lösung zu überprüfen. In seiner Antwort an die Initiative betont das Stadtoberhaupt jedoch, dass diese Messung „nicht zur Durchsetzung des Modells durchgeführt wird, sondern lediglich als Grundlage dienen soll, eine sachliche, auf realistischen Zahlen basierende Diskussion anzuregen.“ Für ihn komme „die Lösung infrage, welche verkehrstechnisch die beste in der Innenstadt ist.“

Dabei ist auch eine Komplettsperrung des Hauptplatzes ausdrücklich nicht ausgeschlossen. „Ich lasse mich da weniger von Emotionen leiten als von realistischen Zahlen“, so Neuner. Der OB bleibt in seiner Stellungnahme ansonsten auffallend indirekt: „richtig ist, dass Modelle diskutiert werden...“, „dabei wird die Möglichkeit gesehen...“, „es gibt Stimmen, die...“. Wer damit konkret gemeint ist, lässt Neuner offen – viele Unterstützer für den Altstadtring gibt es scheinbar bisher nicht.

Die Landsberger Mitte positioniert sich beispielsweise klar: Eine solche Idee sei für die Anwohner „ein Schlag ins Gesicht“, heißt es in einer Pressemitteilung. Es sei „für jeder­mann ersichtlich, dass der Verkehr in der Schlossergasse und im Hinteranger ganz erheblich zugenommen hat.“ Auch die anderen Parteien im Stadtrat signalisieren Ablehnung. Man werde „alles tun, um diese Einbahnregelung zu verhindern“, kündigt SPD-Fraktionschef Dieter Völkel an. Reinhard Skobrinsky (BAL) verweist ebenfalls auf Rückstaus und nennt die Ring-Idee der CSU „Unsinn“.

Von den Grünen gibt es urlaubsbedingt bislang keine offizielle Reaktion, jedoch herrscht dort eine interessante Gemengelage: Der Ortsvorsitzende Jan Bentele wohnt im Hinteranger und war auch beim ersten Treffen der Anwohner dabei. Am Schreiben an die Stadträte habe er aber nicht mitgewirkt, sagt Barbara Seitz, „wir wollten nicht, dass das in eine politische Ecke gedrängt wird.“ Dem Vernehmen nach werden sich die Grünen ebenfalls gegen eine Ringlösung stellen und stattdessen erneut für eine komplett autofreie Innenstadt nördlich des Hauptplatzes werben.

Eine Position, die Tobias Frage von der AG Innenstadt verärgert: „Das ist ein Einzelthema aus dem Gutachten von Professor Knoflacher. So etwas kann man doch nicht umsetzen, wenn wir ansonsten keine flankierenden Maßnahmen verwirklichen kön­nen, weil wir schlicht das Geld nicht mehr haben.“ In den kommenden Wochen will die Initiative die Diskussion auf noch breitere Füße stellen. Die entsprechende Facebook-Gruppe „Lebenswerte Altstadt Landsberg“ findet bereits regen Zuspruch, jetzt will man alle Anwohner per Wurfzettel informieren und für 17. September ein öffentliche Veranstaltung in der Gaststätte „Schafbräu“ ansetzen.

Christoph Kruse

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