Der Zeit voraus

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Die Einrichtung sogenannter Portalpraxen an Krankenhäusern steht derzeit in der politischen Diskussion. Für den Raum Landsberg besteht dank der Gesola-Bereitschaftspraxis allerdings keine Gefahr.

Landsberg – Seit 2009 versorgt die Bereitschaftspraxis der Gesundheitsorganisation Lech-Ammersee (GESOLA) auf dem Gelände des Klinikums Patienten an Wochenenden und Feiertagen. Dass man in Landsberg damit die Zeichen der Zeit früher erkannt hat als anderswo, zeigt sich jetzt, da die Politik auf eine Neuregelung der Notfallversorgung drängt.

Die GESOLA-Praxis wird von niedergelassenen Ärzten betrieben, die abwechselnd an den Wochenenden Dienst tun. In der politischen Diskussion ist nun aber die Einrichtung sogenannter Portalpraxen an Krankenhäusern. Dort würden dann angestellte Klinikärzte die Patienten an Wochenenden und Feiertagen versorgen. Diese Pläne stoßen auf den Widerstand der niedergelassenen Ärzte, weil die Kosten hierfür auch ihnen mit aufgedrückt werden sollen. Sprich, die Notfallversorgung in Portalpraxen soll aus dem Honorartopf der Niedergelassenen bezahlt werden – und würde wohl erheblich mehr Geld verschlingen als im Moment.

„Mit dem Krankenhausstrukturgesetz schafft der Gesetzgeber einen eigenen Honorartopf für den ambulanten Notdienst, aus dem sowohl vertragsärztliche Leistungen als auch die Leistungen von Krankenhaus­ärzten im Notdienst bezahlt werden sollen“, so Dr. Helga Holzfurtner im Namen der AG Südbayerischer Ärztenetze in einem offenen Brief. Dabei würden die Krankenhäuser etwa 120 Euro pro Fall ansetzen. „Zum Vergleich: der ambulante Notdienst-Fallwert für niedergelassene Ärzte liegt bei 25 Euro.“

Holzfurtner befürchtet die Gründung von Portalpraxen zunächst vor allem in Ballungsräumen, in denen viele Privatkliniken angesiedelt sind. Aber auch in Starnberg sei das Thema bereits im Gespräch – gegen den Willen der dortigen niedergelassenen Ärzte. Für den Raum Landsberg sieht Holzfurtner derzeit keine Gefahr – dank GESOLA, deren Vorsitzende sie ist. Die von dem Ärztenetz betriebene Bereitschaftspraxis entstand, als die Zahl der notdienstleistenden Mediziner sowohl im nördlichen als auch im südlichen Landkreis unter die Grenze des Zumutbaren schrumpfte. Zu große Belastung Aufgrund von Erkrankungen und Überalterung sanken damals die Dienstgruppen Reichling und Weil auf unter sechs Ärzte, die abwechselnd an 365 Tagen im Jahr Notdienst leisteten.

„Die Belastung für die verbliebenen Kollegen wurde einfach zu groß“, so Holzfurtner. Und dem Nachwuchs lasse sich ein solches Notdienst-Pensum erst recht nicht vermitteln – zumal bekanntlich ohnehin weniger junge Ärzte aufs Land wollen. Damals habe man Dienstgruppen zusammengelegt und gleichzeitig die Bereitschafts­praxis gegründet. Dort wird am Wochenende jeder Patient versorgt, der mobil ist, während die Dienstgruppe Hausbesuche nur noch bei denjenigen leistet, die nicht in die Praxis kommen können. Holzfurtner ruft gern in Erinnerung, dass es eine ehrenamtliche Initiative war, die das möglich machte. „GESOLA funktioniert, weil wir gemeinnützig denken.“

Ulrike Osman

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