Nicht gewusst, wann Schluss ist

„Wenn er nichts getrunken hat, ist er ein ganz feiner Kerl.“ So schätzen Zeugen den 19-Jährigen Ober­mei­tinger ein. Wenn der Elektrikerhelfer aber zu viel Biere intus hat, kann er aggressiv werden – so wie im Januar bei einem Faschingsball in seinem Heimatort. Dort schlug er dem zweiten Bürgermeister Gottfried Riedmiller mit der Faust ins Gesicht. Dafür sowie für Hausfriedensbruch und Beleidigungen in drei Fällen ist der junge Mann am Mittwoch vom Jugendschöffengericht zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe ver­­urteilt worden.

„Der 19-Jährige hat ein Alkoholproblem“, konstatierte Richter Alexander Kessler. Auch Rob van der Vlies von der Jugendgerichtshilfe machte dies als die Schwäche des jungen Mannes aus: „Er trinkt seit er 14 ist.“ Obgleich der Angeklagte wisse, dass er etwas ändern müsse, habe er aber keine Strategie dafür. Viel zu viel getrunken, Bier und Schnaps, hatte er auch am Abend des 31. Januars. Zuerst in der Gaststätte des Obermeitinger Bürgerhauses, verschlug es den 19-Jährigen und seinen Bekannten später in die Bar eine Etage höher zum Schwarz-Weiß-Ball des Gesangvereins. Schon sehr spät war es, nach vier Uhr morgens, als Gottfried Riedmiller, dessen Ehefrau und weitere Engagierte auf­geräumt hatten und das Bürgerhaus schließen wollten. „Eigentlich wollten wir auch gerade gehen“, berichtete der Angeklagte. Doch fühlten sich die stark alkoholisierten jungen Männer plötzlich provoziert von der Aufforderung Riedmillers und der anderen Helfer nun an der Bar Schluss zu machen. Sie zögerten den Aufbruch hinaus – unschöne Schimpfwörter hatte der Elektrikerhelfer für die Organisatoren des Balls. Nach langem Reden und viel Gezerre schafften sie es schließlich die beiden hinauszubugsieren. Dort entlud sich die Aggression des 19-Jährigen – als Riedmiller schon fast am Auto war, verpasste er ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Platz­wunde, Nasenbeinbruch, Blutergüsse und Schwellungen im Gesicht trug der Vize-Bürgermeister davon. Der Angeklagte bestätigte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, ausfallend geworden zu sein und zugeschlagen zu haben. An Einzelheiten könne er sich nicht mehr erinnern. Für ein detailliertes Bild sorgten dafür die geladenen drei Zeugen. Bestürzt über so viel Gewalt sei sie gewesen, erklärte Riedmillers Frau. Auch sie hatte versucht die hartnäckigen Gäste durch gutes Zureden zum Gehen zu bewegen. „Das ist ja unterste Schublade!“, kommentierte Kessler die Äußerungen des Angeklagten an jenem frühen Morgen. Der Richter hielt ihm auch vor, was alles hätte passieren können, wenn jemand so einen Schlag abbekomme. Nicht gerade unbeteiligt, aber auch nicht wirklich reumütig wirkte der 19-Jäh­rige gegenüber diesen Vorhaltungen. Laut Auszug aus seinem Vorstrafenregister ist ihm das Prozedere am Gericht bereits bekannt – er musste sich schon wegen Beleidigungen und Diebstahl verantworten. Zuletzt saß er nach einer Verhandlung im November letzten Jahres einen Freizeitarrest ab. „Man hat das Gefühl, es geht bei ihnen zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder heraus“, meinte Kessler. Wenig sprach für den Angeklagten. Zugute hielt ihm Staatsanwalt Franz Wörz jedoch, dass er sich auf ein Gespräch mit dem Geschädigten eingelassen hatte, das die Sache bereinigen sollte. Um dem jungen Obermeitinger zu helfen, vom Alkohol loszukommen, wurde ihm eine Therapie auferlegt. Außerdem muss er 150 Euro an Gottfried Riedmiller zahlen und 80 Stunden gemeinnützige Hilfsdienste leisten. „Sie bekommen nur die eine Chance, eine zweite nicht mehr“, warnte Richter Kessler noch.

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